30.12.2019 - 15:17 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weihnachtszauber um eine Traumsequenz

Darf es von allem ein bisschen mehr sein? Statt Dosenmusik spielt ein 30-köpfiges Orchester im Graben. Die Bühne bevölkern 40 Tänzer. Das Ballett "Der Nussknacker" begeistert das Publikum mit einer prachtvoll ausgestatteten Inszenierung.

von Helmut KunzProfil

Eine Mäuseinvasion wurde von einer couragierten Armee aus Zinnsoldaten gestoppt. Und bei Familie Stahlbaum tobte eine nonverbale Rasselbande vor dem mächtigen, mit Geschenken verzierten Weihnachtsbaum. Nur der Hauptdarsteller, ein roter Nussknacker, wirkte unter all den Spielsachen recht steifbeinig. Das sollte sich nach einer Metamorphose zum Märchenprinzen bald ändern.

Ein Ticket für Peter Iljitsch Tschaikowskys Zweiakter „Der Nussknacker“ zählt für Ballettliebhaber zweifellos zu den schönsten Weihnachtspräsenten. Am Sonntag verfolgten 800 Zuschauer die musikalische und tänzerische Umsetzung des deutschen Märchenerzählers E.T.A. Hoffmann. Das "Russische Ballettfestival Moskau" garantierte allen Besuchern einen bezaubernden Spätnachmittag.

Wie üblich präsentierte die Truppe vom Russischen Staatstheater in Ufa das Ballett klassisch, völlig kitschfrei, ohne Glamour oder sonstigem modernen Firlefanz. Die prachtvoll ausgestattete 19.-Jahrhundert-Kulisse zeugte von adeliger Pracht und wunderschönen Winterlandschaften. Darin orientierten sich die Balletteusen mit an Akrobatik grenzenden Sprüngen streng an den Orchestersignalen unter dem Dirigat von Yuri Galyas.

Das begeisterte Publikum erlebte mit dem Traumpaar, der führenden Solotänzerin Lilija Sajnigabdinova als Marie und Andrej Brynzew als Prinz, eine fantasievolle, tanztechnisch brillante und wunderschön performte Bewegungssinfonie mit klaren Linien. Die Aufführung basierte auf einer höchst anspruchsvolle Choreographie.

Erzählt wurde eine Geschichte aus einer kleinen Stadt an Heiligabend. Bei den Stahbaums treffen sich Gäste zur Weihnachtsfeier. Die Kinder tollen um den Christbaum. Schließlich erscheint Drosselmann, Maries Pate. Er lässt mechanische Spielzeuge tanzen: Kasper, Puppen und einen Nussknacker, den Marie sofort in ihr Herz schließt.

Als die Feier endet, schläft Marie im Wohnzimmer ein und erlebt im Traum viele Abenteuer mit Mäusen, Schneewirbeln, spanischen, chinesischen und russischen Puppen sowie Feen und Pagen. Schließlich tanzt sie mit dem Prinzen, bis sich ihr Traum auflöst und sie erkennt, dass ihr Nussknacker immer noch unterm Weihnachtsbaum liegt.

Tschaikowsky hatte die wunderschöne Musik für dieses Märchen verfasst, das 1816 erstmals veröffentlicht wurde. Das Libretto fürs Ballett verfasste Marius Petipa. Die Uraufführung fand im Dezember 1892 im Mariinsker Theater von Sankt-Petersburg statt. "Der Nussknacker" gilt längst als Meisterwerk, was der mächtige Beifall in der Max-Reger-Halle deutlich hörbar unterstrich.

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