„Back to the Roots“, begrüßte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß die Gäste in der Regionalbibliothek. Lesen, singen, plaudern. Die Idee, das Wein-Lese-Fest wieder auf seinen Ursprung zurückzuführen, ging am Samstag auf. Drei Jahre lang hatten Stadt Weiden und Pro Libris pausiert. Jetzt wollte man das Bibliotheksfest, das 2014 eingefroren wurde, wieder auf neue Schienen schieben.
Anstatt einer Verlosung gab es eine Vorlesung. Anschließend ein Konzert. Stefan Kunnert, Vorsitzender des Fördervereins, hatte den Oberpfälzer Schriftsteller Werner Fritsch, der heute in Berlin lebt, eingeladen, aus seinem Buch „Cherubim“ zu lesen.
Vor 58 Jahren in Waldsassen geboren, wuchs Fritsch in Hendlmühle, einem kleinen Einödhof bei Wondreb auf, bis es ihn aus schulischen Gründen nach Weiden verschlug. Er wohnte im Augustiner-Seminar und besuchte wie sein Vater vor ihm das Kepler-Gymnasium. „Obwohl ich jetzt gerne Griechisch können würde, was ich nicht kann.“
Als Kind wollte er ein Heiliger werden, mit 13 Jimi Hendrix. Beides habe nicht geklappt. „Ich hab mir die Finger blutig gespielt.“ Und mit dem Heiligenschein wurde es auch nichts. Der weitere Werdegang des Knaben: Songtexte schreiben, dann Gedichte, schließlich. Inzwischen hat er 60 Theaterstücke und Filmhandlungen verfasst. Hinzu kommen 20 Bücher.
„Cherubim“ befasst sich mit einem alten Knecht aus seiner Heimat, der sich ein magisches Weltbild aufbaute und glaubte, irgendwann einmal ein Cherubim zu sein. Veit Wagner, der Fritsch assistierte, erinnerte sich noch an „ganz wilde Theaterauftritte“ seines einstigen Filmclub-Partners in der Weidener Altstadtgalerie. Über seinen damaligen Lehrer Hans-Joachim Behnisch sei Fritsch 1975 an Herbert Achternbusch geraten, was seine Karriere als Autor befeuerte.
Nach der vielbeachteten Lesung spielte das „Andrea Bibel Trio“ – Bibi and her wonderful Friends - Klassiker aus Jazz, Soul, Pop, Blues und Tango Nuevo. Pro Libris Mitglieder versorgten die Gäste mit italienischen Weinen, einem blumig-fruchtigen Umbria Bianco und dem rubinroten Toscana Rosso. Dazu gab es Salzgebäck, Schmalzbrot und Griebenfett.
„Wir freuen uns, dass wir Sie nach dreijähriger Pause zur Wiederaufnahme unseres beliebten Wein-Lese-Festes begrüßen dürfen“, sagte Kunnert. „Das Ambiente zeigt sich mal wieder als äußerst passend.“ Er sprach von einem interaktiven Abend bei interessanten Gesprächen. „Ich bin begeistert von der tollen Stimmung“, betonte Leiterin Sabine Guhl. „Tolles Publikum, tolle Atmosphäre, hervorragend.“ Natürlich wird der Reinerlös wieder in neue Medien für die Regionalbibliothek getauscht.

















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.