20.09.2019 - 17:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weltklimastreik in Weiden: Nicht sterben wie die Dinos

Weltklimastreiktag in Weiden. Etwa 400 Leute drängen sich auf dem Oberen Markt. Sie reden über Treibhausgase und sorgen sich um das Ende der Menschheit. Und sie haben konkrete Forderungen an die Politiker in Weiden.

von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

"Wir wollen nicht sterben wie die Dinosaurier", ruft ein kleiner Junge in das Mikrofon. "Die Welt ist so schön." Er ist der jüngste Redner auf der Bühne und erntet am meisten Applaus. Einer der ganz großen wird jedoch am Ende sogar ausgebuht, Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. Der Wortführer der Fridays-for-Future-Bewegung Lukas Prölß hat ihm gerade eine Liste an Forderungen an die Stadt Weiden übergeben, darunter die Ausrufung des Klimanotstandes, kostenfreier ÖPNV für alle Schüler und Ablehnung der Hochspannungstrassen. Außerdem soll Weiden das Gewerbegebiet Weiden-West IV nicht bauen und stattdessen die Fläche in ein Natuwaldreservat umwandeln. Seggewiß erklärt, dass Weiden viel in erneuerbare Energien investiere, betont aber auch, dass die Industrie für Weiden wichtig ist. Das stößt nicht auf Begeisterung bei den Demonstranten, auch wenn der OB betont, dass die Schüler hier doch auch einen Ausbildungs- und Arbeitsplatz haben wollen.

Denen geht es jedoch nicht um Arbeitsplätze, sondern um die Ausrottung des Menschen. Sie haben Angst, dass sie nicht mehr auf dieser Welt leben können, wenn sie bereit für eine Ausbildung wären. Das zeigen die Reden, die davon handeln, dass es höchste Zeit sei. Es muss dringend und sofort gehandelt werden, das ist der Tenor. Schon am Morgen haben Klimaaktivisten für ein paar Minuten zwei Straßen in Weiden blockiert. Auch Sonja Schuhmacher von Bund Naturschutz ruft: "Die Zeit ist reif für zivilen Ungehorsam. Wir wollen zeigen, wir machen das nicht mehr mit."

Doch auf dem Marktplatz in Weiden ist nicht Trauerstimmung angesagt. Viele halten bunte Plakate hoch. "Sei ein Ehrenmann. Rette die Erde, Mann", steht dort. Oder: "Die Zeit läuft ab." Jemand wirft eine riesigen Luftballon in die Menge, auf dem die Weltkugel aufgemalt ist.

Am Rande der Versammlung steht ein älterer Mann mit Plakat, auf dem er Greta Thunberg - die 16-jährige weltbekannte Klimaschutzaktivistin - als dumm bezeichnet. Er bezeichnet sich als "Rentner for future". Um ihn rum stehen Schülerinnen und wollen ihn vom Klimawandel überzeugen, den er leugnet. "In 20 Jahren werdet ihr noch an meine Worte denken", prophezeit er. "Ja, wenn ich da überhaupt noch atmen kann", gibt eine Schülerin zurück. Im Hintergrund rollt die Weltkugel vorbei.

Bürgerversammlung zu Energiewende:

Bei seiner Rede kündigt Kurt Seggewiß auch die nächste öffentliche Bürgerversammlung am Donnerstag, 17. Oktober, 19 Uhr im Neuen Rathaus an. Er schlägt er vor, das Thema Energiewende ganz oben auf die Agenda zu setzen.

Kommentar:

Sollen Jobs oder Bäume wachsen?

Weltweit demonstrieren am Freitag Millionen Menschen für Klimaschutz. An jedem Ort der Erde manifestiert sich der Konflikt in ganz konkreten Projekten. Die Demonstranten am Oberen Markt in Weiden haben unmissverständlich erklärt, welches Projekt das in Weiden unter anderem ist: der Bau des Gewerbegebietes Weiden-West IV. Betrachtet man die Argumente der Befürworter und Gegner, scheinen hier zwei Werte aufeinander zu treffen, die für viele unvereinbar sind: Wirtschaftswachstum und Klimaschutz. Gegen und für West IV gibt es unzählige Gründe. Am Ende ist es eine Frage der Wertvorstellung: In welcher Welt, in welchem Weiden, wollen wir in Zukunft leben?

Beate-Josefine Luber

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