Weiden in der Oberpfalz
20.06.2024 - 16:52 Uhr
Anzeige

Weniger Fünftklässler an Gymnasien in Weiden und im Landkreis Neustadt

Im September beginnt das nächste Schuljahr. Angemeldet sind die neuen Fünftklässler schon jetzt. Die Gymnasien beklagen rückläufige Zahlen, die Realschulen im Landkreis legen zu. Woran liegt's?

Die Anmeldezahlen der Gymnasien fallen in diesem Jahr eher niedrig aus. Bild: Marijan Murat/dpa/Symbolbild
Die Anmeldezahlen der Gymnasien fallen in diesem Jahr eher niedrig aus.

Elly-Heuss-Gymnasium Weiden

Das Mädchen-Gymnasium verzeichnet 52 Anmeldungen – 6 weniger als im Vorjahr. Schulleiter Harald Pröm macht einen Trend gegen das Gymnasium aus: Vielfach würden Eltern das "schwierige Gymnasium" über den Weg der Realschule mit anschließender FOS/BOS umgehen wollen. Ein Fehler, wie Pröm findet. "Es ist etwas anderes, ob man die Klassenstufen 5 bis 10 auf dem Gymnasium verbracht hat oder auf der Realschule." Der Chef nennt einen "anderen Lernzugang", eigenverantwortlicheres Lernen sowie internationale Kontakte durch Austauschprogramme, die so in der Realschule nicht möglich seien. Eltern ohne Abitur hätten oft "Berührungsängste", die Kinder fürs Gymnasium anzumelden. Überzeugungsarbeit sei dann schwer.

Kepler-Gymnasium Weiden

Das Kepler-Gymnasium bleibt mit 87 Anmeldungen stabil im Vergleich zum Vorjahr. Sogar einen Schüler mehr kann das Gymnasium verzeichnen. Damit sei das "Kepler" das einzige Gymnasium der Stadt mit leichtem Anmelde-Anstieg, sagt Chefin Sigrid Bloch. "Ich glaube, alle Gymnasien sind dieses Jahr nicht so gut weggekommen." Das liege vor allem daran, dass die neuen fünften Klassen ein sehr geburtenschwacher Jahrgang seien. Doch auch Bloch erkennt einen Übertritts-Trend in Richtung Realschule statt Gymnasium. "Ich glaube, es ist bei vielen noch nicht angekommen, dass mit dem G9 auch der Nachmittagsunterricht entfällt", sagt sie. Aus Angst vor Stress würden Eltern ihren Kindern das Gymnasium ersparen wollen.

Augustinus-Gymnasium Weiden

Das Augustinus Gymnasium muss wohl den größten Verlust gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Nur 73 Schüler meldeten sich für das neue Schuljahr an. Das sind 52 weniger als vor einem Jahr. „Besorgniserregend ist, dass sich in der Stadt Weiden und im Landkreis Neustadt insgesamt rund 100 Schüler weniger an einem Gymnasium angemeldet haben“, sagt Leiter Thomas Kreuzer. Das lasse sich nicht nur mit einem geburtenschwachen Jahrgang erklären. „Viele Kinder mit gymnasialer Eignung gehen den vermeintlich leichteren Weg über die Realschule, der keine zweite Fremdsprache erfordert.“ Es sei Aufgabe der Gymnasien, Eltern wieder vermehrt davon zu überzeugen, dass das Gymnasium am besten auf ein Hochschulstudium vorbereite. „Die Schüler erhalten nicht nur die Berechtigung für ein Hochschulstudium, sondern auch alle Kompetenzen, um es erfolgreich zu bewältigen.“

Gymnasium Neustadt

Ebenfalls deutlich weniger Anmeldungen verbucht das Gymnasium Neustadt. Mit 75 Neuanmeldungen liegt die Schule um 13 unter der Zahl von vor einem Jahr. Francisco García, seit März diesen Jahres neuer Leiter der Schule, gibt sich trotzdem zufrieden. Warum es zum Rückgang kam? Das könne er nicht sagen, dazu sei er noch nicht lange genug in der Position des Schulleiters tätig.

Gymnasium Eschenbach

86 Anmeldungen sind beim Gymnasium Eschenbach eingegangen. Das sind 26 Schüler weniger als noch im Vorjahr. Die vorhergegangen zwei Schuljahre seien aber auch „ungewöhnlich starke Jahre“ gewesen, relativiert Harald Olschner, Leiter der Schule. Einen Trend zwischen der Wahl zur Realschule anstatt des Gymnasiums sieht Olschner derzeit nicht. „Diesbezüglich müsste auch stärker zwischen der Situation in den Städten und im eher ländlich geprägten Raum unterschieden werden.“ Dennoch dürfe man davon ausgehen, dass sich durch den Ausbau des Hochschulnetzes auch die Attraktivität der Realschulen erhöht habe. Das Studium an einer umliegenden Hochschule sei für viele attraktiv und auch über die Realschule zu erreichen.

Lobkowitz-Realschule Neustadt/WN

Die Lobkowitz-Realschule kann ein Anmeldeplus vermelden, freut sich Schulleiterin Irene Sebald. 130 Schüler starten im September in den neuen fünften Klassen, 7 mehr als im vergangenen Jahr. "Ich glaube, die Kinder sind einfach mit dem Konzept zufrieden", mutmaßt Sebald. Überzeugen könne die Realschule mit Profilklassen, Möglichkeiten einer dualen Berufsausbildung, einem sehr offenen Grundkonzept – das überzeuge Eltern und spreche sich rum. Dass die Mütter und Väter um die Nerven ihrer Kinder fürchten würden, spiele wohl eher weniger eine Rolle, widerspricht Sebald der Vermutung der Gymnasium-Chefs.

Realschule Vohenstrauß

Vorläufiger Gewinner in Sachen Anmeldezahlen ist in diesem Jahr wohl die Realschule Vohenstrauß. 78 neue Schüler darf die Schule im September begrüßen. Das sind 12 mehr als im vergangenen Schuljahr. Dass das aus Angst der Eltern vor zu viel Stress auf dem Gymnasium passiere, bezweifelt auch Schulleiter Kilian Graber. Das sei „reine Spekulation“. Viel mehr läge der Zuwachs an dem guten Profil seiner Bildungsstätte, glaubt Graber. „Wir sind sehr heimatverbunden und eine relativ kleine Schule. Dadurch sind wir recht familiär.“ Das komme gut an und spiegele sich in den Zahlen für das kommende Schuljahr wider.

Hans-Scholl-Realschule Weiden

Die Realschulen in Weiden melden – anders als die im Landkreis – Einbrüche bei den Anmeldezahlen. 45 Jungen kämen im neuen Schuljahr dazu, sagt Michael Meier, Leiter der Hans-Scholl-Realschule. Das seien 14 Schüler weniger als im vergangenen Jahr. Dass mehr Kinder eher auf die Realschule als auf das Gymnasium gehen würden, kann Meier also nicht bestätigen. Das sei "ganz sicher nicht der Fall". Der Rückgang liege an der schwachen Geburtenrate des Jahrgangs, das sei auch statistisch nachweisbar.

Sophie-Scholl-Realschule Weiden

Gleiches gilt für die Sophie-Scholl-Realschule. Sie begrüßt im September 67 neue Schülerinnen, 8 weniger als noch im Vorjahr. Ob insgesamt wirklich mehr Schüler an Realschulen angemeldet werden als an Gymnasien, dazu kann Susanne Genser, Leiterin der Mädchenschule, nichts sagen. Niedrige Anmeldezahlen seien allgemein festzustellen. Auch sie sieht eher die magere Geburtenrate des Jahrgangs als Ursache – und weniger verängstigte Eltern.

Wirtschaftsschule Weiden-Eschenbach

Ein Modellprojekt macht's möglich: Fünftklässler können sich erstmals für die Wirtschaftsschule in Weiden und Eschenbach anmelden. Mit Stand Ende April wurde das Angebot gut angenommen, die Schulleitung ging von jeweils einer Klasse in Weiden und Eschenbach aus. Doch die Anmeldung läuft noch bis 2. August, laut Homepage gibt es deshalb keine endgültigen Zahlen.

Info: :

Übertritts-Voraussetzungen nach der 4.Grundschuleklasse

  • Auf die Realschule: Gesamtdurschnitts-Note von 2,66 oder besser (in Deutsch, Mathematik, Heimat-und Sachkunde) ODER Bestehen des Probe-Unterrichts bei einer Gesamtdurchschnitts-Note, die schlechter ist als 2,66
  • Auf das Gymnasium: Gesamtdurchschnitts-Note von 2,33 oder besser (in Deutsch, Mathematik, Heimat- und Sachkunde) und mit Eignungsvermerk für den Besuch eines Gymnasiums im Übertrittszeugnis ODER Bestehen des Probe-Unterrichts bei einer Gesamtdurchschnitts-Note, die schlechter ist als 2,33
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.