28.02.2021 - 10:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Willi Fritz: Abschied aus der Weidener Altstadt

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16 Jahre lang war die Weidener Altstadt sein Revier. Nun nimmt der langjährige Kontaktbereichsbeamte Willi Fritz Abschied. Im Interview erzählt er von Höhen und Tiefen der Polizeiarbeit und warum er schon als Kind Polizist werden wollte.

16 Jahre lang war Polizeihauptkommissar Willi Fritz als Kontaktbereichsbeamter in der Weidener Altstadt unterwegs.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Schon als kleiner Bub wusste Willi Fritz ganz genau, dass er einmal Polizist werden will. "Wenn ich mit anderen Kindern Räuber und Gendarm gespielt habe, wollte ich nie der Räuber sein", erinnert er sich schmunzelnd. Nun blickt er auf viele Jahre Polizeiarbeit zurück. Zuletzt war er als Kontaktbereichsbeamter und Jugendkontaktbeamter mit Dienststelle im Alten Rathaus tätig.

Eigentlich sollte der 63-Jährige Ende Februar aus dem aktiven Polizeidienst ausscheiden und seinen wohlverdienten Ruhestand antreten, doch die Corona-Pandemie hatte auch Einfluss auf diese Pläne. Fritz hängt noch ein halbes Jahr im Contact-Tracing-Team der Polizei dran, dass das Gesundheitsamt unterstützt. "Mein Pensionsbescheid ist vorerst hinfällig", sagt er.

Zu seinen Abschied wollte Fritz all jene um sich haben, mit denen er im Laufe in der Vergangenheit zusammengearbeitet hat. Dazu gehören Vertreter von Feuerwehr, ILS, BRK und auch der Bundespolizei. "Das war leider nicht möglich", bedauert er. Die offizielle Übergabe an seinen Nachfolger Manuel Ott fand vergangene Woche im Freien vor der Polizeiinspektion Weiden in der Regensburger Straße mit Polizeidirektor Klaus Müller und seinem Stellvertreter, Erster Polizeihauptkommissar Thomas Meiler, statt. Fritz hofft, dass er die Feier vielleicht im Herbst nachholen kann, wenn er endgültig in den Ruhestand geht.

Wilhelm Fritz erzählt von seiner Arbeit mit den Jugendlichen

Weiden in der Oberpfalz

"Ich gehe mit einem weinenden Auge", gibt der 63-Jährige zu. Allein die drei Wochen Urlaub im Januar empfand er als eine "Katastrophe". An Hobbys mangelt es Fritz nicht. Er ist Jugendleiter der SpVgg Weiden, aktiver Schiedsrichter und Schiedsrichterbeobachter. "Doch durch Corona ist vieles nicht mehr so schön wie früher". Als Kontaktbeamter musste er in den vergangenen Monaten einiges einstecken. "Wegen der Maskenpflicht bin ich oft beleidigt worden", sagt er. Das habe es vorher nicht gegeben. Es sei dabei gar nicht darum gegangen, jemanden eine Anzeige zu verpassen. "Ich habe die Leute höflich aufgefordert, eine Maske zu tragen. Manche legen daraufhin gleich los. Immer die gleichen."

Doch die Leidenschaft für den Polizeiberuf lässt sich Willi Fritz auch von der Pandemie nicht madig machen. Bevor er Polizist wurde, war er neun Jahre bei der Bundeswehr. Als er ausschied, war für ihn klar, dass er zur Polizei gehen wird. "Ich habe mich in München beworben und bin genommen worden", erzählt er. "Das war irgendwann in der Zeit, bevor die Mauer fiel." Nach fünf Jahren in der Landeshauptstadt verbrachte er weitere fünf Jahre in Regensburg. "Ich war in der PI 1, heute heißt das Regensburg-Süd."

Nicht nur das Räuber- und Gendarmspiel hat ihn für die Zukunft geprägt, sondern ganz reale Erlebnisse, die er als Kind mitbekommen hat. Fritz erinnert sich an den Weidener Taxifahrer, der ein Messer in den Kopf bekommen hat, und den Unfall, bei dem ein Betrunkener am Schlörplatz unter ein Auto geraten ist. "Um den Mann hat sich damals Max Räth, mein späterer Inspektionsleiter, gekümmert. Mir hat imponiert, wie er mit der Situation umgegangen ist."

Bevor Fritz das Büro im Alten Rathaus bezog, war die kleine Dienststelle im Flurerturm untergebracht. An den Vormittagen war der Kontaktbereichsbeamte oft unterwegs. Er besuchte die Schulen, sprach dort über Gewaltprävention, Zivilcourage oder Suchtprobleme. Gegen Mittag begab er sich auf Fußstreife durch die Innenstadt und am Nachmittag standen Sachbearbeitung und Vernehmungen auf dem Programm. Fritz hatte mit allem zu tun, was das Strafregister so hergibt. "Es reichte von Sexualdelikten, Sachbeschädigung bis hin zu Drogen", blickt er zurück. Auch Schulschwänzer kamen ihm gelegentlich unter. "Den klassischen Schwänzer, der einfach nur keine Lust hat, gibt's nicht, bei 99 Prozent steckt eine Geschichte dahinter."

Willi Fritz kennt die Menschen und die Menschen kenne ihn. Das ist ein Aspekt, warum er seinen Beruf so liebt. "Man muss sich Zeit nehmen", lautet seine Devise. "Mal stehen bleiben, nicht hetzen und den Leute zuhören." Auf seinem täglichen Weg durch die Altstadt ertönt immer wieder ein freundliches Hallo. "Es sprechen mich auch Schüler an, bei denen ich vor vielen Jahren im Unterricht war", sagt er.

Doch nicht immer bot sein Alltag eitel Sonnenschein. Willi Fritz erinnert sich an einen jungen Mann, der Feuerzeuggas geschnüffelt hat. "Er ist mir während der Reanimation weggestorben", denkt der Kontaktbeamte an den bitteren Moment zurück. "Er ist an dem Gas jämmerlich erstickt. Er hatte keine Chance." Fritz ist froh, dass die positiven Ereignisse überwiegen. Dazu zählen der Papstbesuch in Deutschland, der G7-Gipfel in Ellmau oder die vielen Einsätze bei Fußball- oder Eishockeyspielen. Beim DFB-Pokal-Spiel der SpVgg Weiden gegen Dortmund knüpfte er Kontakte zu Dortmunder Kollegen, zu denen er heute noch ein freundschaftliches Verhältnis pflegt. Auch die Kontakte zu den tschechischen Kollegen in Tachov und Pilsen sowie zur Militärpolizei in Grafenwöhr sind sehr gut.

Anwohner ärgern sich

Weiden in der Oberpfalz

Bei einem Einsatz bei einer Sportveranstaltung lernte Fritz seinen Nachfolger Manuel Ott kennen. Der 41-jähriger Polizeihauptmeister übernimmt offiziell ab 1. März die Dienststelle im Rathaus. Die Ausbildung hat Ott in Nabburg absolviert. Anschließend war er in Nürnberg und München tätig, bevor er im Jahr 2000 wieder nach Weiden kam. Zur Altstadt hat Ott ein besonderes Verhältnis. "Ich bin aufs Kepler-Gymnasium gegangen. Da waren wir als Schüler schon immer hier." Vielleicht kommt dem einen oder anderen der neue Mann schon irgendwie bekannt vor. "Ich habe die letzten Jahre bereits die Urlaubsvertretung übernommen."

Viele Projekte tragen die Handschrift von Willi Fritz

  • Prävention im Team (PIT): Vorträge und Sport mit Schülern
  • Projekte mit dem JuZ: Beteiligung an Ausflügen, Fußballturnieren und Konzerten
  • Schoolguard: seit 2005 Schulwegbegleiter
  • SenSiwen: Veranstaltungen für mehr Sicherheit für Senioren
  • Kurse an der VHS für Zivilcourage
  • Schulsprechstunden in der Max-Reger-Schule und der Pestalozzischule
  • Schulkontaktbeamter für Sophie-Scholl-Realschule, Wirtschaftsschule, Elly-Heuss- und Augustinus-Gymnasium und die Europaberufsschule
  • Ausbilder für den Kommunalen Ordnungsdienst
  • Integrationskurse
  • Sportkontaktbeamter für Eishockey und Fußball (Regionalliga)
  • Fußballschiedsrichter bei polizeilichen Veranstaltung
  • Gründungsmitglied der Ice-Coups

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