25.10.2021 - 18:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Darum wirkt die neue Welle als gäbe es keine Impfung

Verblüffende Parallelen: 2020 nahm die Pandemie Ende Oktober Fahrt auf – nur etwas später als 2021. Betrachtet man nur die Zahlen, kommen beinahe Zweifel an der Wirkung der Impfung auf. Allerdings gibt es sehr wohl auch Unterschiede.

Die Impfung hilft. Ausgestanden ist die Pandemie aber wohl noch nicht.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Die Ausgangslage 2020

Cornazahlen im Vergleich.

Nach einem sehr entspannten Sommer ganz ohne ansteckendere Virus-Varianten kündigte sich im Jahr 2020 die zweite Coronawelle mit Ende der Ferienzeit an. Zuvor gab es lediglich – aus heutiger Sicht – kleinere Hotspots, wie die Ausbrüche in verschiedenen Schlachthöfen. Erst ab Anfang September 2020 nahmen die Fallzahlen und damit die Inzidenz tatsächlich kontinuierlich zu. Zunächst aber kaum merkbar.

....und 2021

Wegen der Delta-Variante gab es in diesem Sommer deutlich weniger Entspannung als noch im Vorjahr. Die Werte gingen nach der dritten Welle ab April zwar zurück, aber bei weitem nicht so lange und so stark wie im Jahr 2020. Schon ab Juli stiegen die Fallzahlen wieder an – weil zu diesem Zeitpunkt noch relativ wenige Menschen voll geimpft waren, das ansteckendere Delta-Virus aber schon im Umlauf war. Ende September schien zwar auch diese Sommerwelle abzuebben. Vor allem in Bayern zogen die Werte aber bald wieder an.

Die Lage Ende Oktober

Schaut man nur auf die jetzigen Zahlen, scheint es so, als gebe es gar keinen Impfeffekt. Die Inzidenz in Bayern lag an diesem Montag bei 179 – und damit mehr als doppelt so hoch wie es vor einem Jahr der Fall war. Auf Intensivstationen in Bayern liegen derzeit 326 Corona-Patienten, vor einem Jahr waren es „nur“ 123. Und sogar die Zahl der Corona-Toten ist aktuell deutlich höher, als sie vor einem Jahr war. In den vergangenen sieben Tagen starben im Freistaat im Schnitt jeweils 13,1 Menschen pro Tag. Vor einem Jahr lag der 7-Tage-Schnitt noch bei 4,0 Todesfällen.

Woher kommen die höheren Werte?

Vor allem die derzeit höheren Sterbezahlen sind Folge der vergangenen Sommerwelle. Die Erfahrung zeigt, dass die Todesfälle den Infektionszahlen in etwa zwei bis vier Wochen nachlaufen. Mitte September 2021 lag die Inzidenz in Bayern aber schon um die 80. Ein Jahr zuvor betrug der Wert kaum 15.

Welche Regeln galten damals für die Bürger?

Ziemlich genau zum jetzigen Zeitpunkt nur ein Jahr früher war es mit der Corona-Entspannung endgültig vorbei. Am 19. Oktober 2020 wurden im Berchtesgadener Land erstmals nach der Sommerentspannung wieder eine Ausgangsbeschränkung für einen Landkreis erlassen.

Schon am 22. September veranlasste das bayerische Kabinett damals zudem erste Kontaktbeschränkungen, abhängig von der Inzidenzentwicklung – bereits ab einem Inzidenzwert über 50 waren danach private Zusammenkünfte auf zwei Haushalte beschränkt. Später wurden schon ab einer 35er-Inzidenz harte Beschränkungen erlassen. Es gab eine Corona-Ampel, später sogar mit einer vierten Farbe. Zum Vergleich: Als Anfang Oktober 2021 in Bayern die Discos wieder öffnen durften, lag die Inzidenz im Freistaat bereits über 80. Ein Jahr früher hätten sich mit diesem 7-Tage-Wert nicht einmal mehr drei Familien privat im Wohnzimmer treffen dürfen.

Wie ging es 2020 weiter?

Trotz aller Kontakbeschränkungen: Ab Ende Oktober gingen im Jahr 2020 sämtliche Kennzahlen steil. Schon am 12. November 2020 lag die Inzidenz in Bayern über 180, 458 Menschen lagen auf Intensivstationen. Am 1. Dezember war die Inzidenz auf 179 gestiegen. Täglich starben im Schnitt 52 Menschen. Den Höhepunkt hatte die zweite Welle dann kurz vor Weihnachten erreicht: Inzidenz bei 211, 817 Intensivpatienten, 115 Tote pro Tag.

Wie wird es in diesem im Jahr 2021 weitergehen?

Das kann seriös natürlich niemand bestimmt vorhersagen. Fest steht, dass die Bedingungen heute anders sind als vor einem Jahr: Einerseits sorgen die Impfungen für Schutz, andererseits werden die Kontakte bei Weitem nicht so stark unterbunden wie im vergangenen Jahr. Am 28. Oktober wurde damals der sogenannte Teil-Lockdown für ganz Deutschland beschlossen, der ab 2. November griff. Die Gastronomie musste schließen, Geschäfte blieben unter strengen Auflagen geöffnet. Ab 16. Dezember war es dann auch damit vorbei. Bis ins Frühjahr blieb fast alles zu. Derzeit sieht es nicht danach aus, als würden auf absehbare Zeit ähnliche Maßnahmen getroffen.

Sind neue Lockdowns ausgeschlossen?

Nicht völlig. Schließlich gibt es in Bayern nun wieder eine Krankenhausampel. Nachdem sich die dafür wichtigen Kennwerte Hospitalisierung und Intensivbelegung über Wochen kaum veränderten. Zogen sie nun in den vergangenen Tage deutlich an. Noch sind die Zahlen weit von den kritischen Werten entfernt. In Krankenhäuser wurden in den vergangenen 7 Tagen 381 Menschen eingewiesen (kritischer Wert: 1200). Bei der Intensivbettenbelegung liegen Bayerns Krankenhäuser derzeit bei 285 (kritischer Wert 600). Die Erfahrung der letzten anderthalb Jahre zeigt aber, wie schnell es gehen kann, wenn Zahlen exponentiell wachsen.

Werden nochmals so viele Menschen sterben?

Hier darf man nach der Auskunft aller Experten tatsächlich auf die Wirkung der Impfung bauen. Schon während der dritten Welle im Spätwinter und Frühjahr 2021 hat sich diese schützende Wirkung gerade bei den Todeszahlen gezeigt. Weil vor allem die Risikogruppen – Vorerkrankte und Senioren – früh geimpft waren, starben im Vergleich deutlich weniger Menschen, als während der beiden ersten Wellen bzw. als es die Zahl der Ansteckungen ohne die Impfung hätte erwarten lassen.

Corona in Zahlen

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