11.01.2019 - 16:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wirtshäuser leben und sterben

In Windischeschenbach und Grafenwöhr gibt es sehr viele. In anderen Dörfern verschwinden sie dramatisch schnell. Gaststätten sind in der Region ungleich verteilt. Das zeigen neue Daten des Landesamts für Statistik.

Die Gastwirtschaft Hennerloch ist lange aus Weiden verschwunden. Doch im Unterschied zu anderen kleineren Gemeinden ist in Weiden die Fluktuation hoch. Schließt dort ein Betrieb, entsteht schnell ein neuer. In vielen Gemeinden im Kreis Neustadt gibt es gar keine Lokale mehr,
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

5,1 Gaststätten auf 1000 Einwohner, 32 Lokale in absoluten Zahlen. Grafenwöhr hat 2017 laut neuesten Zahlen des Landesamts für Statistik die höchste Gaststättendichte sowie den absoluten Spitzenwert bei gastronomischen Betrieben wie Restaurants, Eiscafés, Imbissbuden oder einfachen Ausschänken bei Städten im Kreis Neustadt. Zum Vergleich: Die Bezirkshauptstadt Regensburg steht mit einer Gaststättendichte von 3,0 weit dahinter.

Laut Informationen des Landesamts für Statistik verringert sich die Anzahl der Gaststätten im Kreis Neustadt von 205 im Jahr 2007 auf 178 in 2017. Gar keine Gaststätten mehr zu finden sind nach Angaben des Landesamts in Leuchtenberg, Neustadt am Kulm, Pirk, Trabitz, Vorbach und Bechtsrieth. Stark zurückgegangen ist die Zahl der Lokale etwa in Etzenricht (von 4 Betrieben im Jahr 2007 auf einen Betrieb im Jahr 2017), Floß (von 10 auf 3), Luhe-Wildenau (11 auf 6) oder Neustadt/WN (von 20 auf 14).

Im Falle von Grafenwöhr vermutet der Vorsitzende des Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband), Kreisstelle Weiden-Neustadt, Robert Drechsel, eine statistische Auffälligkeit. "Daran ist der Amerikaner schuld." Denn in Grafenwöhr lebten durch den hohen Anteil der stationierten US-Soldaten mehr Menschen, als dort offiziell als Einwohner gemeldet sind. Dadurch steige auch der Bedarf an Gastronomie.

Als Gaststätten gelten hier Restaurants, Gaststätten, Imbissstuben, Cafés, Eissalons, aber auch der Ausschank von Getränken.

Eigeninitiative nötig

Doch laut dem Bürgermeister von Grafenwöhr, Edgar Knobloch, liegt das auch viel an der Eigeninitiative der Stadt. Die Stadt habe sogenannte Außenschankflächen verpachtet, um Grafenwöhr für Gastronomen attraktiver zu machen. "Das wurde sehr gut angenommen, fünf Restaurants nutzen das im Sommer", sagt er. Er erinnert sich, dass vor ungefähr drei Jahren zwei Lokale nacheinander geschlossen hätten. "Da gab es dann gleich die Schlagzeile, dass in Grafenwöhr das Wirtshaussterben ausgebrochen ist. Ich habe gesagt, es würde sich bald etwas finden, so war es dann auch. Die beiden Gaststätten haben neue Pächter."

Die Zeichen stünden in Grafenwöhr für Wirte besonders gut, da auch unter der Woche Gäste kämen und so durchgehend Umsatz da sei. "In anderen Orten mit vergleichbarer Größe schaut es da ganz anders aus", meint er. Gäste kämen von Bayreuth, um in Grafenwöhr Essen zu gehen.

Auch Windischeschenbach ist ein Leuchtturm. 4,4 Betriebe kommen dort auf 1000 Einwohner (22 sind es laut Statistik absolut). 2007 waren es noch 2,4. "Das ist ganz klar die Zoiglhochburg", erklärt Drechsel von Dehoga. Einer der Zoiglwirte, Reinhard Fütterer vom Schafferhof, sagt jedoch: "Rechnet man uns 16 Zoiglstuben weg, dann sieht es hier zappenduster aus."

Normale Gaststätten seien viel schwerer zu betreiben. "Sind wir ehrlich, wir leben auf der Insel der Glückseligen. Wir Zoiglwirte sperren am Wochenende auf, es ist immer was los." Diese Garantie habe ein Wirtshaus nicht. "Ich ziehe vor jedem Wirt den Hut. Weil das ist immer ein Kampf, den Laden am Laufen zu halten. Das ist viel Arbeit und Zeit."

Viel Fluktuation in Weiden

Weiden bewegt sich mit 3,2 Betrieben auf 1000 Bürger im guten Mittelfeld. Amberg kommt hier nur auf 2,7. "Weiden ist einfach das Oberzentrum in einer sonst eher schwachen Region", sagt Drechsel von der Dehoga, der selbst auch Wirt des Lokals "Zum Alten Schuster" in Weiden ist. Schließe in der Stadt ein Lokal, öffne sofort wieder ein neues.

Ganz anders sehe es auf den Dörfern im Kreis Neustadt aus. Dort bewertet er die Lage als "dramatisch". Es gebe viele altersbedingte Schließungen. "Das rechnet sich einfach nicht mehr für eine Kleinwirtschaft. Es gibt immer mehr Bestimmungen: Hygiene, Dokumentation, Steuern." Drechsel fordert, dass die für kleine Betriebe gelockert werden müssten.

Das Steuersystem müsse sich ändern. "Ein Metzger, der auch Leberkässemmeln verkauft, zahlt 7 Prozent Mehrwertsteuer. Aber sobald sich jemand hinsetzt, zahle ich 19 Prozent." Die Politik weigere sich, etwas zu ändern. In Bayern sei man so stolz auf die Wirtshauskultur. "Ich sehe aber keinen ehrlichen Willen, das Gaststättensterben aufzuhalten."

In eigener Sache:

Wir wissen, dass es in den Daten des Landesamts für Statistik Ungereimtheiten zu einigen Ortschaften gibt. Wir gehen der Sache nach.

Neustadt an der Waldnaab

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