18.10.2018 - 08:47 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Der Witz am Witz

Kennen Sie den? Ein Kollege weckt den schlafenden Beamten, ob er mit zum Mittagessen gehe. Dieser darauf: „Nein, ich arbeite heute durch.“ Warum lacht man darüber? Mit dem Wesen des Witzes beschäftigt sich Maria Hirsch.

Man sieht es ihr an: Maria Hirsch, pensionierte Lehrerin aus Luhe, hat Humor. Drei bis vier Mal pro Jahr referiert sie im Maria-Seltmann-Haus: Dieses Mal zum Thema Witz.
von Autor hczProfil

Beamten-, Ostfriesen-, Ärzte-, Politiker-, Schülerwitze. Sie alle haben eines gemeinsam: dass der Erzähler einen gewissen Tabu- Bruch begeht - und der Zuhörer durch sein Lachen bestätigt, dass er diesen verstanden hat und akzeptiert. Maria Hirsch erzählte am Dienstag im "Erzählcafé" des Maria- Seltmann-Hauses nicht nur Witze und Anekdoten aus all den genannten Kategorien, sondern erläuterte auch die Theorie des Witzes. "Witze - wer erfindet sie? Wo kommen sie her?", fragte Susanne Meichner, Leiterin des Maria-Seltmann-Hauses. Meist bleiben diese Fragen ungelöst.

Der kleine Maxl

Als pensionierte Lehrerin konnte Hirsch natürlich einiges aus dem Lehreralltag erzählen. So etwa vom kleinen Maxl, dessen Mutter das zehnte Kind bekommen hatte. Der Bub fragt die Lehrerin, ob sie den Familiennachwuchs nicht haben wolle. Als diese, um nicht weiter bedrängt zu werden, den Maxl mit den Worten abwimmelt: "Nein, 50 Mark sind mir zu teuer", kommt die kleine Lisa und sagt: "Mich, Frau Lehrerin, können's umsonst haben."

Im "Witz" stecke das lateinische "videre" (sehen), ebenso "esprit" (Geist). Die Bezeichnungen "Mutterwitz" und "Bauernschläue" wiesen schon auf den Geist hin, der im Humor stecke, sagte Hirsch. Es gebe Wort- und Bildwitze, wie die "Vater und Sohn"-Geschichten des berühmten Karikaturisten E.O. Plauen, tendenziell feindselige Witze, wie Blondinen- oder Manta-Fahrer-Witze, weitere über bestimmte Berufsgruppen wie Lehrer oder Beamte.

Zu politischen Witzen würden die "DDR-Witze" gehören. Diese hätten eine gewisse Freiheit zu Zeiten des totalitären Regimes gebracht und nach der Wende eine Art Befreiung bedeutet. Eine Kostprobe: "Gehen zwei Nadeln spazieren. Sagt die eine zu der anderen: Psst! Hinter uns geht eine Sicherheitsnadel!"

Scherz von "Rex Mager"

Oder: Ein Genosse zum anderen: "Morgen soll's Schnee geben". Darauf dieser: "Mir egal. Ich stelle mich nirgends mehr an." Religiöse Witze oder Pfarrer-Witze spielten oft auf deren Spitzfindigkeit an, wie etwa die Geschichte vom Pfarrer, der an der Schweizer Grenze eine große Menge Schokolade zu verzollen gehabt hätte. Auf die Frage des Zollbeamten, ob er Schokolade dabei habe, antwortet der Geistliche: "Ich habe sie unter den Armen verteilt." Nicht gelogen und doch geschmuggelt.

Lustige Anekdoten - Begebenheiten, die markante Wesenszüge einer bekannten Person wiedergeben - wusste die 77-Jährige von Mark Twain und Max Reger. Twain hatte einer Dame geschmeichelt, wie schön sie sei. Diese entgegnete schnippisch, dass sie das Kompliment "leider" nicht zurückgeben könne. Der geistreiche Schriftsteller half ihr daraufhin: "Ach, machen Sie es wie ich. Lügen Sie einfach!" Reger war bekannt dafür, dass er häufig mit seiner Gage nicht zufrieden war. In solchen Fällen quittierte er öfters mit "Rex Mager", statt mit "Max Reger".

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