Peter Kupfer aus San Francisco ist glücklich über die geplante Verlegung von zehn Stolpersteinen in der Bahnhofstraße, wo früher die "Kupfer-Villa" des Kommerzienrates Eduard Kupfer stand. Seit vielen Jahren beschäftigt sich der Amerikaner mit der Familiengeschichte, seit vielen Jahren wünscht er sich ein Gedenken. Er schreibt: "Ich möchte allen Menschen in Weiden danken, die geholfen haben, dass es nun passiert: vor allem Archivarin Petra Vorsatz und Historiker Sebastian Schott sowie Marina Jurowetzkaja, Sozialarbeiterin der Jüdischen Gemeinde."
"Es freut uns sehr, dass das gemacht wird", sagt auch Marina Jurowetzkaja. Innerhalb der Gemeinschaft war das Thema lange umstritten. Werner Friedmann schließt sich nach wie vor der Argumentation von Charlotte Knobloch an, dass mit im Boden eingelassenen Messingsteinen die Opfer buchstäblich mit Füßen getreten werden. Nach wie vor wären ihm Gedenktafeln lieber. Aber er will sich dem Wunsch von Angehörigen auf Stolpersteine nicht verschließen.
Name in Cooper geändert
Und es ist tatsächlich ein Herzenswunsch von Peter Kupfer, dem 71-jährigen Journalisten aus Kalifornien. Sein Vater Robert hatte sich 1937 nach seiner erzwungenen Auswanderung in die USA in "Cooper" umbenannt. Peter machte die Namensänderung in den 80ern rückgängig: Die Nazis sollten der Familie nicht ihre Identität rauben. Sein Vater sprach auch nur ungern über die Vergangenheit. Die Opferliste der Kupfers ist sehr lang. Vergeblich hatte Robert Kupfer versucht, seinen Vater noch aus Deutschland herauszuholen. Otto Kupfer starb 1942 in Theresienstadt.
Peter blätterte schon als Kind oft im Album mit den Familienfotos, die selbstbewusste Menschen vor stattlichen Häusern zeigten. 1979, nach dem Tod des Vaters, machte er sich auf Spurensuche in Weiden - und schloss Freundschaften, die die bis heute halten.
NT-Redakteurin ein Glücksfall
Zum Beispiel mit Inge Wirtz-Roegner, Ressortchefin der Stadtredaktion beim "Neuen Tag". Ihr lief der junge Amerikaner 1979 im Verlagshaus über den Weg. Passanten hatten ihn "zur Zeitung" geschickt, als er mit alten Fotos in der Hand durch die Stadt irrte. Sie fragte ihn: "Can I help you?" Als sich der 28-Jährige als Nachfahre der Kupfers vorstellte, rief sie die Friedmanns und Brenners hinzu. Der Gast aus den Staaten besuchte gleich noch die Glashütte Kupfer, damals Detag, später Flachglas, die sein Urgroßvater Eduard 1890 gegründet hatte. Innerhalb von 24 Stunden bekam er mehr Informationen als er bei seiner Anreise zu hoffen gewagt hatte. Über all das hat er ein Buch geschrieben: "The Glassmaker's Son", das parallel zur Stein-Legung veröffentlicht wird.
Voraussichtlicher Termin: 22.11.22
Insgesamt sollen am 22. November zehn Stolpersteine verlegt werden. Und zwar vor dem Grundstück, auf dem früher die Villa von Eduard und Fanny Kupfer stand. Acht ihrer Töchter und Söhne, darunter Otto, starben in Konzentrationslagern und Ghettos. Weitere zwei Stolpersteine sind der Söhne von Otto gewidmet: Robert und Ernest, die 1937 und 1933 auswanderten. Die Stolperstein-Gesellschaft will damit bewusst die auseinandergerissenen Familien wieder verbinden. Die Verlegung der Steinen erfolgt durch Gründer Gunter Demnig. Die Kostenfrage (je 120 Euro) ist noch nicht geklärt. Die Steine werden üblicherweise von Paten gespendet.
Dr. Sebastian Schott hat über die Jüdische Gemeinde Weiden promoviert und kennt viele Häuser, in denen bis zur Vernichtung jüdische Familien lebten. Er glaubt, dass es nicht bei den Steinen in der Bahnhofstraße bleiben wird: "Ich denke schon, dass das in Zukunft mehr werden." Im November werden Kupfer-Nachfahren aus aller Welt erwartet. Mit dabei sein wird auch Inge Wirtz-Roegner: "Das liegt mir seit Jahr' und Tag am Herzen." Der Kontakt zu Peter ist über vier Jahrzehnte nie abgerissen. "Aus diesem ,Can I help you' ist für mich eine ewige Freundschaft geworden."
Stolpersteine in Weiden: Was ist geplant?
- Die Stolpersteine werden in der Bahnhofstraße in den Boden gebracht. Hier stand die Kupfer-Villa, in der die Eheleute Eduard und Fanny Kupfer lebten.
- Sie wurden enteignet, in das Haus zog später die NSDAP-Kreisleitung ein. Es wurde kurz vor Kriegsende durch Bomben zerstört.
- Insgesamt werden zehn Stolpersteine verlegt. Acht Söhne und Töchter von Eduard und Fanny Kupfer starben in Konzentrationslager oder Ghettos: Johanna, Hermina, Otto, Moritz, Karl, Michael, Friedrika, Robert. Tochter Rosa starb 1941 kurz nach der gewaltsamen Vertreibung aus ihrer Wohnung in Wien. Für Moritz ist kein Stein geplant, er hat schon einen an seinem späteren Wohnsitz Wiesbaden.
- Die Stolperstein-Gesellschaft will Familien zusammenführen. Daher werden zwei weitere Stolpersteine für die ausgewanderten Söhne von Eduards Bruders Otto Kupfer gelegt. Otto wohnte mit den Söhnen in der Weigelstraße. Robert und Ernest Kupfer emigrierten 1937 bzw. 1933 in die USA und Frankreich. Otto Kupfer starb 1941 in Theresienstadt. Bis in die Kriegsjahre hinein hatte Robert verzweifelt versucht, seinen Vater nachzuholen.





















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.