18.09.2020 - 17:55 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zehn Jahre nach Weggang der Augustiner: Weiden ist nicht vergessen

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Beim Abschiedsgottesdienst am 25. Juli 2010 flossen Tränen. Die letzten Augustinerpatres verließen nach 92 Jahren Weiden. Sie fanden neue Aufgaben im Konvent. Einige von ihnen erinnern sich heute noch gerne an die Zeit in der Oberpfalz.

2010 wurde der letzte Gottesdienst in der St. Augustin gefeiert. Danach löste sich der Augustiner-Konvent in Weiden auf und die Klosterkirche wurde entwidmet.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Dass im Lichthof des ehemaligen Augustiner-Seminars Fußball gespielt wurde, war wohl für alle Ordensbrüder damals etwas Besonderes. Vor allem für Pater Albrecht, der über 50 Jahre in Weiden seelsorgerisch tätig war, war es als DJK-Mitglied und Fußballschiedsrichter Ehrensache, gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen zu kicken. Das, und vieles mehr, was die Augustiner seelsorgerisch und pädagogisch geleistet haben, ist Vergangenheit. Vor zehn Jahren wurde der Augustinerorden in der Max-Reger-Stadt aufgelöst. "Ein schmerzlicher Tag", wie auch der mittlerweile in Würzburg verstorbene Pater Albrecht in seinem letzten NT-Interview 2019 zum 90. Geburtstag bemerkte.

Zu wenig Augustiner

92 Jahre gehörten die Augustinerkirche, das Seminar und die Patres zum Leben in Weiden. Grund für die Auflösung war der Rückgang der Mitglieder im deutschen Augustinerorden und die eingeschränkte Möglichkeit, die personellen Aufgaben auf weitere Sicht gewährleisten zu können. Nach dem plötzlichen Tod von Pater Ludwig Schraml 1997 konnte die zentrale Leitung durch einen eigenen Direktor in Weiden nicht mehr selbst wahrgenommen werden, weiß auch der ehemalige Religionslehrer Herbert Baumann, der sich "seiner Kirche" St. Augustin sehr verbunden fühlt. Die Zeit für Gottesdienste mit besonderem Charakter, einen namhaften Chor, eine Lektoren- und Ministrantengemeinschaft ging zu Ende. 200 Schülerinnen und Schüler waren bis zuletzt im Internat.

So mussten schließlich auch die Patres auf anderen Stellen im Konvent wechseln. Der damalige Prior Pater Alfons Tony ist heute Prior in Würzburg. Pater Amandus Haas, der 37 Jahre als Direktor des Studienseminars in Weiden tätig war, verstarb 2019 mit 96 Jahren in Würzburg. Dort sind Bruder Jürgen Heß und Bruder Carsten Meister im Verwaltungs- und Verlagsbereich tätig. Pater Pius Wegscheid und Pater Jeremias Kiesl verschlug es nach Erfurt, wo sie Großes auf den Weg brachten. Im November 2019 wurde der erste Konvent der Augustiner in Deutschland nach 50 Jahren gegründet.

Wir haben nachgefragt. Sie alle haben die Oberpfalz in besonderer Erinnerung.

Prior Pater Alfons Tony (61)

Prior Pater Alfons Tony beim letzten Abendmahl 2010 in St. Augustin.

"Ich war von 2003 bis 2010 ich Weiden. Als Prior hatte ich die Verantwortung für den Konvent der Augustiner und für die mit uns Augustinern verbundenen Tätigkeiten an der Klosterkirche und im Studienseminar St. Augustin. Ich habe mich von Anfang an sehr wohlgefühlt und mich auch als gebürtiger Tauberfranke bei den Menschen stets willkommen erlebt. Vor allem durch die pädagogische Arbeit der Augustiner im Studienseminar und durch Aushilfen in umliegenden Pfarrgemeinden, aber auch durch die Klosterkirche als Beichtkirche von regionaler Bedeutung waren die Augustiner weit über die Stadt Weiden hinaus bekannt und wertgeschätzt.

In besonderer Erinnerung bleiben mir viele Menschen, die sich aus Verbundenheit mit uns Augustinern ehrenamtlich eingebracht haben. Daraus entstanden Freundschaften und Beziehungen, die auch noch zehn Jahre nach unserem Weggang aus Weiden sehr lebendig sind. In besonderer Erinnerung bleiben mir die Liturgien an den Kartagen und dem Osterfest. Max Regers große Orgelwerke auf der historischen Weise-Orgel der Klosterkirche zu hören, bleibt für mich unvergesslich. Ebenso der letzte Gottesdienst mit den vielen Menschen, die gekommen waren, um sich von „ihren“ Augustinern zu verabschieden.

Nach der Auflösung wurde ich in Messelhausen Leiter einer Seelsorgeeinheit, später Provinzial der Bayerisch-Deutschen Provinz der Augustiner mit Sitz in Würzburg. Nach dem Provinzkapitel im Jahr 2019 wurde ich als Prior unserer Niederlassung in Würzburg und als Rector Ecclesiae der Augustinerkirche eingesetzt."

Pater Pius Wegscheid (81)

Pater Pius, Augustiner Konvent Erfurt

"Im Herbst 1968 wurde ich Präfekt in der damals noch neben dem Studienseminar bestehenden Augustinerschule. Meine damaligen Freizeitbeschäftigungen waren Fußball sowie Leichtathletik bei der DJK Weiden. Später widmete ich mich mehr der musikalischen Gestaltung von Gottesdiensten, unterstützt von der "Semi-Band".

In Erinnerung bleibt mir besonders die Verbundenheit so vieler Ehemaliger und deren Eltern, und ganz besonders der Weidener Bevölkerung. Schade, dass es zu Ende ging. Aber ich glaube, es war auch der richtige Zeitpunkt und Haus und Gelände fanden eine optimale Nutzung.

Nach dem Weggang von Weiden 2010 führte mein Weg nach Münnerstadt und Germershausen in der Nähe von Göttingen. Hier war Pater Rudi, ein ehemaliger Schüler aus meiner Weidener Zeit, mein Chef. Seit 2013 bin ich nun in Erfurt und darf hier als Seelsorger tätig sein."

Pater Jeremias Kiesl (51)

Prior Pater Jeremias, Augustiner Konvent Erfurt

"Im September 1997 kam ich nach meiner Priesterweihe zurück nach Weiden, wo ich 1989 selbst Schüler im Studienseminar war. Unter anderem war Pater Pius mein Erzieher. Bis 2002 war ich Präfekt und Seelsorger im Studienseminar St. Augustin, bis 2010 war ich Seminar- und Schulseelsorger am Elly-Heuss- und am Kepler-Gymnasium, außerdem Seelsorger an der Klosterkirche, in der Jugendseelsorge, im Jugendtheater und Schülertreff tätig. Acht Jahre führte ich das Franz-Ettenreich-Jugendhaus in Altendorf.

Die Zeit im Studienseminar war für mich eine sehr arbeitsintensive, aber gleichzeitig auch spannende Phase meines Ordenslebens. Mir hat die Zeit mit den Kindern und Jugendlichen sehr viel Freude gemacht. Das

Seminar war einer der leider selten gewordenen Orte, an denen Jugendliche verschiedenster Herkunft und Schularten zusammenleben und ihre unterschiedlichen Stärken erfah­ren konnten.

Als junger Ordensmann mit demselben Dialekt hatte ich in der Oberpfalz zu vielen Menschen schnell guten Kontakt. Es entwickelten sich Freundschaften. Ich denke besonders gerne an die Theateraufführungen im Schlosshof Burgtreswitz. Wir waren in Weiden und Umgebung wunderbar vernetzt.

Bei den Maltesern konnte ich von 1998 bis 2010 am Aufbau des ambulanten Hospizdienstes Weiden-Neustadt mitwir­ken. Die eigenen Sterbebegleitungen zählen zu den wichtigsten Erfahrungen meines Lebens.

Bis zu meinem Weggang aus Weiden hatte ich nirgendwo länger gelebt als in diesem Haus in der Bismarckstraße 25. Freiwillig wäre ich vielleicht nie weggegangen.

Seit 2019 bin ich Prior im neuen Konvent St. Martin von Tours in Erfurt. Hier geht es mir um die ökumenische Verbundenheit. Das Umfeld ist dabei alles andere als kirchlich: 80 % der Erfurter sind „naturbelassen“, gehören also keiner Konfession an. Der Austausch ist nicht immer einfach, wo er aber gelingt, sehr spannend."

Unvergessen: Pater Albrecht im NT-Gespräch

Bruder Carsten Meister

Bruder Carsten, Augustiner Konvent Würzburg

"Ich war von Oktober 2007 bis zur Schließung des Seminars in Weiden gemeinsam mit Bruder Jürgen der letzte, der es nach dem Ausräumen verlassen hat. Für mich war Weiden die dritte Station meines Lebens als Augustiner. Im Seminar hatte ich kleine Aufgaben (Pforte, Betreuung der Kinder) Einen Großteil investierte in meine berufliche Weiterbildung, machte meinen Bachelor in Medientechnik- und Produktion. Nach unserem Weggang wechselte ich in den Konvent St. Augustin nach Würzburg - wo ich heute noch lebe und für das Haus mitverantwortlich bin (Prokurator).

Für mich war Weiden eine schöne, spannende Zeit, ich denke gern daran zurück. Das Leben in einem Internat kannte ich damals nur aus dem Fernsehen. Es war und ist für mich ein Ort, an dem viel Neues begann."

Pater Arno Meyer (86)

"Seit dem bedauernswerten Abschied der Augustiner von Weiden vor zehn Jahren war ich nicht mehr dort. Aber ich denke oft an meine Weidener Zeit zurück. Von 1960 bis 1971 war ich Religionslehrer am Kepler-Gymnasium und Regens der Augustinerschüler. Danach kam ich nach Würzburg und Germershausen, bevor es von 1991 bis 2001 nach Rom ging. Von dort kehrte ich für zwei Jahre nach Weiden als Prior des Augustinerkonvents zurück.

Die Jahre in Weiden waren für mich eine erfüllte und frohe Zeit. Ich denke noch oft an den Lichthof unseres Seminars mit den Fußballspielen und den Feiern wie den Elterntagen, und an die Romfahrt mit meinen Schülern. Seit 2007 lebe ich in Münnerstadt."

Info:

Klinikum und Kultur

Die Gebäude sowie das gesamte Areal übernahm nach längeren Verhandlungen mit der Diözese Regensburg die Stadt Weiden für eine Erweiterung des Klinikums. Nach Nutzung des Seminarhauses für Verwaltungsbüros und des "Lichthofes" als Lagerraum wurde auf dem Gelände des Fußball- und Minigolfplatzes das Palliativzentrum mit Apotheke und Landeplatz für Rettungshubschrauber errichtet. Nun verbindet ein Übergang die beiden Einrichtungen. Während die Rita-Kapelle als Aussegnungsraum genutzt wird, steht der profanisierte Kirchenraum für Konzerte und Vorträge zur Verfügung. In den Trakt des Neubaus ist der Malteser-Hilfsdienst, das Caritas-Zentrum und die Kirchliche Fachakademie für Sozialpädagogik eingezogen. (Herbert Baumann/shl)

Heute wird die ehemalige Klosterkirche St. Augustin unter anderem für Ausstellungen genutzt.

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