Weiden in der Oberpfalz
30.05.2026 - 00:01 Uhr

Von der Zeitungsredaktion zum Multimedia-Dienstleister für die Leser in der Oberpfalz

Die Arbeit von Lokaljournalisten wandelt sich tiefgreifend. Die Redaktion von Oberpfalz-Medien gestaltet diese Veränderung vor allem durch die Einführung zentraler Teams und durch die Spezialisierung von Redakteurinnen und Redakteuren.

Info:

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Artikeln im Jubiläumsjahr von Oberpfalz-Medien. Viele davon sind in einer Beilage unserer Tageszeitungen am 30. Mai 2026 erschienen.

Lokaljournalismus ist eine der Säulen, die die offene Gesellschaft der Demokratie trägt und stabil hält. Das hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einem Treffen mit Medienvertretern zum "Tag des Lokaljournalismus" Anfang Mai gesagt. Viele andere äußerten sich sinngemäß ähnlich – Politiker, Verbandsfunktionäre, natürlich auch Journalisten. Und fast immer folgte im nächsten Satz ein "Aber". Denn: Der überwiegende Teil lokaljournalistischer Beiträge erscheint in Lokalzeitungen. Und gerade jüngere Zielgruppen sind mit bedrucktem Papier kaum noch zu erreichen. Dafür braucht es zusätzlich neue Formate wie Nachrichten-Apps, Newsblogs, Newsletter, Podcasts und immer mehr auch Videos.

Deshalb müssen Lokalredaktionen heute ganz anders arbeiten als noch vor 20 Jahren. Wo früher mit Fokus auf die Zeitung vor allem Terminberichterstattung und das rechtzeitige Befüllen von Seiten vor dem Andruck den Arbeitstag von Redakteurinnen und Redakteuren durchgetaktet haben, stehen heute Themenplanung nach Nutzerbedürfnissen und das Aufbereiten von Inhalten für viele verschiedene Kanäle im Vordergrund. "Liquid Content", also "Flüssiger Inhalt" heißt das seit kurzem im Fachjargon. Das bedeutet: Der Nutzer bestimmt selbst, auf welchem Medium, in welcher Form und in welcher Tonalität er die Inhalte konsumiert, und wie viel Zeit er dafür investiert.

Inhalte für alle Kanäle

Für die Redaktion von Oberpfalz-Medien heißt das: Die tägliche Arbeit der Reporterinnen und Reporter, die den größten Teil der Redaktion ausmachen, muss kanalneutral sein. Sprich: Die Inhalte, die sie produzieren, müssen sich genauso gut für die Ausspielung auf digitalen Kanälen eignen wie für die Zeitung. Welche Themen die Redaktion aufgreift, steuert ein zentraler Themendesk. Die Expertinnen und Experten dort entscheiden, welche Inhalte gute Chancen haben, von Abonnenten im Onetz gelesen zu werden, oder vielleicht sogar neue Abonnenten zu gewinnen, und gleichzeitig auch möglichst viele Leserinnen und Leser der Zeitung – egal ob in gedruckter Form oder als E-Paper – interessieren.

Gleichzeitig wollen wir als Redaktion unserem gesellschaftlichen Auftrag gerecht werden und besonders im Lokalen ein möglichst umfassendes und vollständiges Themenangebot liefern. Das bedeutet: Gerade bei Themen, die zwar gesellschaftlich relevant, für viele Leser aber eher "sperrig" sind, kommt es auf die Art der Aufbereitung an. Das gilt speziell im Bereich der Lokalpolitik. Hier geht es in erster Linie darum, den Leserinnen und Lesern zu erklären, wie sich Entscheidungen in Stadträten, Gemeinderäten und in Kreistagen ganz konkret auf ihre Lebensrealität niederschlagen. Oder welche Auswirkungen die Bundes- und Landespolitik unmittelbar vor der eigenen Haustür haben.

Ausspielung durch Spezialisten

Ist in der Planung die Entscheidung für ein Thema gefallen, geht es an die Umsetzung. Die Experten dafür sind Reporterinnen und Reporter in vier Lokal- und drei Themen-Teams. Sie recherchieren, fotografieren, schreiben Artikel, nehmen Podcast-Folgen auf und liefern die inhaltliche Grundlage für Videos, wobei letztere in der Regel von Spezialisten in der Medienproduktion gedreht und geschnitten werden. In die Zuständigkeit der Reporterteams fällt auch die Qualitätskontrolle. Nach einem strengen Vier-Augen-Prinzip wird kein Artikel publiziert, der nicht von mindestens einem Redakteur oder einer Redakteurin geprüft wurde.

Mit der Erstellung und Kontrolle ist es nicht getan: Kein noch so guter Artikel erreicht von sich aus die Leserinnen und Leser. An dieser Stelle übernehmen deshalb andere Spezialisten: Redakteurinnen und Redakteure am Digitaldesk steuern die Ausspielung der Inhalte auf allen digitalen Kanälen: Onetz, Weiden24, Amberg24, den jeweils zugehörigen Profilen auf den Social-Media-Plattformen, Pushnachrichten und Newsletter. Redakteurinnen und Redakteur am Printdesk bereiten die Beiträge für die Zeitung auf und entscheiden, welche Artikel in welcher Lokalausgabe auf welcher Seitenstrecke und an welchem Tag erscheinen.

Entwicklung als Dauerzustand

Dass diese neue Struktur die ehemals weitgehend eigenständigen Lokalredaktionen abgelöst hat, war keine Entscheidung von heute auf morgen, sondern das Ergebnis eines zweijährigen, intensiven Veränderungsprozesses, an dem alle Mitarbeitenden der Redaktion beteiligt waren. Die Umsetzung stellt keinen Endpunkt dar. Sie hat lediglich den Grundstein gelegt für eine weitere Entwicklung, die deutlich dazu beitragen kann, die Zukunft von Oberpfalz-Medien als eigenständiges und unabhängiges Medienhaus zu sichern.

Erreicht haben wir eine neue Redaktionsstruktur, die stark darauf ausgerichtet ist, Inhalte für die digitale Abostrategie zu produzieren. Eine Themenplanung, die sich in erster Linie an den gemessenen Interessen der Abonnentinnen und Abonnenten orientiert. Klar definierte Workflows mit deutlicher Aufgabenteilung, die unnötige Reibungsverluste vermeidet. Und eine Führungs- und Organisationsstruktur, die es uns ermöglicht, alle weiterhin nötigen Entwicklungen als kontinuierlichen und selbst gesteuerten Prozess zu erreichen.

Investition in Menschen und Technik

Natürlich gibt es in all diesen Aspekten auch weiterhin Potenzial für Verbesserungen. Zum Beispiel bei der Effektivität: Spezialisierung, definierte Workflows, klare Kommunikation und ständige technische Verbesserung helfen, Aufgaben künftig mit immer weniger unnötigem Zeitverlust zu erledigen. Der Einsatz von KI-Assistenten macht neue Prozesse und Produkte möglich, die bisher kaum denkbar waren. Dabei gilt aber immer: KI schafft alleine keinen Mehrwert. Das können nur Menschen, die KI intelligent und kreativ einsetzen.

Dazu passt, dass Oberpfalz-Medien sich gegen den Trend in der Branche in den vergangenen Jahren mit hervorragenden neuen Kolleginnen und Kollegen verstärkt hat. Das ist auch weiterhin geplant. Vor allem durch exzellente Ausbildung, aber auch durch gezielte Neueinstellungen. Denn wir glauben an die Zukunft von unabhängigem Lokaljournalismus. Egal, auf welchem Medium.

Weiden in der Oberpfalz17.01.2025
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