26.03.2020 - 17:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zoff um Bauernmarkt in Weiden

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Laut einer Verordnung der Staatsregierung dürfen Bauern- und Wochenmärkte weiter ihren Geschäften nachgehen. Die Stadt Weiden lehnt das kategorisch ab. Die Händler sind deswegen fuchtig und suchen Alternativen.

Das Markttreiben zwischen Altem Rathaus und Unterem Tor ist für die einen zurzeit ein unverantwortlicher Menschenmagnet mit großem Hallo, für die anderen ein Teil der Grundversorgung mit Lebensmitteln, für die in Coronazeiten eigene Gesetze gelten.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Josef Wittmann aus Finkenhammer, Bäcker und Sprecher des Bauernmarktvereins mit acht Direktvermarktern, kommt nach eigener Aussage kaum mehr dazu, Ware auszuliefern, seitdem am Freitagabend der samstägliche Bauernmarkt am Unteren Markt abgesagt wurde. "Kunden, Kollegen, alle rufen ständig bei mir an."

Fortan kämpft Wittmann darum, dass dieses Verbot, das vorläufig bis 19. April gilt, aufgehoben wird. Sein Hauptargument ist eine Positivliste von Geschäften und Versorgern, die in Abstimmung mehrerer bayerischer Ministerien trotz Corona-Ausgangsbeschränkung offen bleiben dürfen. Dazu gehören explizit Wochenmärkte. "Die gibt's überall in Bayern, nur nicht in Weiden", klagt Wittmann. Die Stadt Freising habe die Stände auch erst untersagt, dies aber wieder revidiert.

Weiden beruft sich auf Paragraf 18 des Infektionsschutzgesetzes. "Wir wollen keine weiteren Anreize setzen für Plätze, wo viele Menschen zusammenkommen", begründet Rechtsdezernentin Nicole Hammerl die harte Linie, die auch OB Kurt Seggewiß vertritt. Als Veranstalter will die Stadt jedes Risiko vermeiden. Dazu hat sie Rückendeckung aus dem Wirtschaftsministerium, obwohl auch dort Wochenmärkte auf der Positivliste stehen.

Das stößt nicht nur bei Wittmann auf Unverständnis. "Es erschließt sich mir nicht. In Regensburg geht es doch auch", sagt der Grünen-Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol und verweist auf eine Forderung seiner Fraktion zur Grundversorgung. In der Zwischenzeit hat die Unsicherheit den Landkreis und seine Kommunen erfasst. Laut Wittmann habe zum Beispiel die Gemeinde Altenstadt/WN erst ihre Zusage für einzelne Stände gegeben, diese aber später wieder zurückgezogen.

Das Landratsamt Neustadt will offenbar die Direktvermarkter unterstützen, die zum Großteil aus dem Landkreis kommen, andererseits aber nicht völlig anders verfahren als die Stadt Weiden. Es hat einen Kompromiss gefunden: Das Amt empfiehlt den Gemeinden, wie in Weiden vorzugehen, überlässt aber letztlich den Bürgermeistern die Entscheidung. Die sollen dafür sorgen, dass die Stände weit genug auseinanderstehen, Käufer den Mindestabstand wahren und sich Warteschlangen nicht überschneiden. Auch Einzelstände, etwa vor Supermärkten, seien denkbar.

Beim Freitagsmarkt mit drei Anbietern in Vohenstrauß sei dies möglich, also nickte ihn Bürgermeister Andreas Wutzlhofer ab. Am Donnerstagnachmittag erhielt Wittmann dann auch noch die Zusage, dass er zusammen mit einem Käse-, einem Fisch- und einem Metzgereistand am Samstagvormittag am Parkplatz der "Wirtschaft" in Altenstadt/WN verkaufen darf. Das Treiben in Weiden mit knapp 20 Anbietern kann das nicht ersetzen. "Der macht ein Drittel aller meiner Marktumsätze aus", erklärt der Finkenhammerer.

Mehr zum Bauernmarkt und Direktvermarktern in Coronazeiten

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Kommentare

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Manfred Schiller

Die Absage des Weidener Bauernmarktes sollte revidiert werden. Die Versorgung der Bevölkerung mit
frischen, hochwertigen Lebensmitteln ist eine Grundlage für eine gesunde Lebensweise. Man sollte überhaupt versuchen da wo es vertretbar ist, den Menschen die Generierung von Einkommen zu ermöglichen.

Ausschließlich auf Geld des Staates zu setzen ist unsinnig, da der Staat gar kein Geld hat, das er nicht vorher dem Bürger abgenommen hat und anscheinend ist er auch nicht in der Lage die angekündigten Hilfen in der Praxis auch auszuzahlen. Ich kenne bisher kaum einen Fall in dem ein Kleinunternehmer bereits Geld bekommen hat.

Besser ist es mit Augenmaß darauf zu schauen, dass da wo mit vertretbarem Risiko eigenes Einkommen erwirtschaftet werden kann, es auch erlaubt sein soll. Denn es gibt auch ein Leben nach der Krise und dieses wird schon jetzt nicht mehr das Gleiche sein wie noch vor kurzer Zeit.

Unsere Mitbürger sind in Sachen Ansteckungsrisiko inzwischen sehr sensiblisiert und brauchen keine Dauergängelung der Behörden.

Herr Kellner hat in seinem Kommentar den Vorschlag gemacht, dass man die Abstände zwischen den Verkaufsständen vergrößern könnte.

Dem kann ich mich nur anschließen.

27.03.2020
Heidrun Dreyling-Riesop

Den Bauernmarkt abzusagen, finde ich eine völlig richtige Entscheidung. Es wäre etwas anderes, wenn die Leute vernünftig wären. Sind sie aber nicht. In Geschäften sind Streifen auf den Böden geklebt, damit der Mindestabstand eingehalten wird. Was passiert? Von hinten wird man angerempelt. Ein böser Blick, die junge Frau hält daraufhin Abstand und lässt weiter ihre Tochter am Warenband spielen - direkt neben mir. Wer soll auf dem Bauernmarkt dafür sorgen, dass die Sicherheitsabstände eingehalten werden? Klar bedeutet es einen wirtschaftlichen Verlust für die Händler, wenn der Bauernmarkt nicht stattfindet. Aber Hallo - wirtschaftliche Verluste müssen momentan Tausende hinnehmen. Und tausende andere Menschen riskieren die eigene Gesundheit und arbeiten bis zum Umfallen für lächerliche Gehälter. Gesundheit geht vor. Im Moment sollte man soviel Solidarität, Anstand und Vernunft haben, zum Wohle der Allgemeinheit seine wirtschaftlichen Interessen zurückzustellen.

27.03.2020