21.08.2020 - 17:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mit der Zündapp nach Las Vegas: "Ausgrissn!"-Stars zu Gast in Weiden

Ein Riesenspaß mit Zufallsbegegnungen: Julian und Thomas Wittmann präsentieren ihr bayerisches Roadmovie "Ausgrissn!" im Neue-Welt-Kinocenter und plaudern aus dem Nähkästchen.

Riesengaudi. Julian und Thomas Wittmann (vorne) mit Mitgliedern des Vespa-Clubs "Rio Nero".
von Helmut KunzProfil

Für die vier Motorroller-Fahrer vom Vespa-Club „Rio Nero“ ist das Treffen und das gemeinsame Foto mit den beiden Zündapp-Piloten Julian und Thomas Wittmann vor dem Neue-Welt-Kinocenter natürlich eine Riesensache. Das Vespa-Quartett kam dazu extra zum Kinobesuch aus Schwarzenbach angefahren. Die Wittmann-Brüder kommen aus Erding. „Ausgrissn!“ waren die beiden. Waren im Sommer und Spätherbst 2018 mehr als 12 000 Kilometer „In der Lederhosn nach Las Vegas“ unterwegs. Vorhang auf! Das cineastische Ergebnis präsentieren die beiden Hauptdarsteller am Donnerstag höchstpersönlich im gut besuchten Kinosaal.

Toilettengang mit Geschichte

Die Geschwister haben mit zwei Kameraleuten und einem „Allrounder“ - er war für alles zuständig, vom Lenker des Filmmobils bis zur Aushändigung von Datenschutzerklärungen an die Gesprächspartner - ein witziges, amerikanisches Roadmovie gedreht. Eigentlich handelt es sich ja um eine Klo-Geschichte, eine angeregte Plauderei der beiden Amerikafahrer beim Toilettengang mit Klofrau Monika Gruber über die Tour. Wie die Aussteiger von einem Abenteuer ins nächste stolpern, erleben auf diese Weise nicht nur die Kinobesucher, sondern in einer Rahmenhandlung auch eine Handvoll verschrobener Hinterweltler in einem boarischen Wirtshaus, die das Dreiergespräch aus der Toilette - und das ist der eigentliche Clou - über ein versehentlich nicht ausgeschaltetes Mikrophon mithören können.

Auf den etwas reiferen Kinogänger wirkt der Film wie ein Mix aus „Münchner Geschichten", "Der lange Weg nach Sacramento" und Hardy Krügers „Weltbummler“-Reihe. Hier die neidischen Wirtshausgäste, dort die interessanten Menschen, die den Filmemachern auf ihrem drei Monate langen Trip ins Spielerparadies zufällig begegnen. Mit einem Unterschied: Krüger reiste bequem im Flieger, die beiden Brüder im Containerschiff und auf zwei 50 Jahre alten, pannenanfälligen Zündapp-Mopeds. Motto: „Scheißt’s eich nix, dann feid eich nix!“ Und immer auf der Suche nach der großen Freiheit.

Warum nicht mal nach Las Vegas?

Was das große Kino betrifft, ist es ihr Erstlingswerk. Bisher hatten Julian und Thomas Wittmann nur lustige Youtube-Videos gedreht, die sie dann ins Netz stellten. Die „Ausgrissn!"-Idee war ihnen im Frühjahr 2018 bei einem Biergartenbesuch gekommen. Was dahinter steckte? „Warum sollten wir unsere beiden Leidenschaften nicht verbinden? Das Reisen und das Filme machen“. Das Ziel war relativ bald klar: Es sollte vom beschaulichen Bauerndorf in Oberbayern in die amerikanische Dekadenz-Metropole Las Vegas gehen.

Anfangs war ein Bulldog als Reiseuntersatz angedacht, erzählt Julian Wittmann nach der Kinovorstellung. „Dann haben wir uns für Mopeds entschieden.“ Drei Monate hatte das Abenteuer gedauert. Am 8. November 2018 erreichte das Team Vegas. Bis zur Fertigstellung im Schnittraum hat es dann nochmal eineinhalb Jahre gedauert. „Wir wollten keinen klassischen Reisefilm als Dokumentation, sondern das Ganze mit einer Fiktion verbinden.“ Deshalb gibt es auch diese Rahmenhandlung im besagten Wirtshaus. Die nette Bedienung, die im Film selber gerne ein bisschen Abenteuerluft geschnuppert hätte, spielte Stephanie Liebl, die am Donnerstag auch nach Weiden gekommen war.

Kein Profit, aber Riesenspaß

„Von allen Seiten haben’s uns abgeraten. Von wegen Dokumentation und Fiktion mischen, das funktioniert nicht“, plaudert Thomas aus dem Nähkästchen. „Uns war’s wurscht. Wir haben’s einfach g’macht.“ Und zwar auf eigene Faust, unkonventionell über Sponsoren – Zugpferd war Monika Gruber, und ohne weitere Förderung. Erst nach Fertigstellung habe sich ein Verleih gefunden. Reiner Idealismus also. So viel sei jetzt schon klar: Reich wird keiner. „Wir hatten das Glück, dass alle für nahezu gar nix am Projekt mitgearbeitet haben." Julian schmunzelt: „Wir waren alle keine Profis, wir sind aber welche geworden.“

„Die Handlung entstand auf oft skurrile Weise. Wir haben Tagesrouten geplant. Was dann aber passiert ist, das stand auf einem anderen Blatt.“ Manchmal blauäugig und nicht immer ungefährlich. Von den Ausläufern eines Hurricans bis zu unheimlichen Begegnungen. Die Horrornacht beim Hillbilly lässt grüßen. Oder bestes Beispiel: Die Begegnung mit einem Hells-Angels-Mitglied. „Eigentlich wollten wir nur filmen, wie wir einen Reifen flicken. Dann kam plötzlich dieser alte Pickup-Truck daher und Markus unser Kameramann hat nur noch draufgehalten.“ Beim Gespräch mit dem Typen war den beiden nicht wohl dabei. Und niemand wusste, ob er ihnen nicht vielleicht einen Bären aufbindet. Erst zu Hause haben sie im Internet über den Kerl recherchiert und tatsächlich Fahnungsfotos entdeckt.

Der Film über ihre Amerikareise soll nicht die letzte Arbeit von Julian und Thomas Wittmann gewesen sein. "Wir machen weiter." Und darauf stießen die drei Schauspieler nach der Filmvorstellung auch gemeinsam mit der Kinofamilie Nadler an.

Gut drauf: Die "Ausgrissn!"-Darsteller (von links) Stephanie Liebl, Julian Wittmann und Thomas Wittmann.

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