18.04.2021 - 13:05 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zukunft des Stadtbads Weiden ist ungewiss

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Baden im Stadtbad könnte künftig teuer werden – für die Stadt Weiden. Sie muss in Badeaufsichten investieren und hat kein Geld. Tut sie's nicht, steht nicht nur das Badevergnügen im Feuer. Erste entsetzte Stimmen melden sich zu Wort.

Womöglich sitzen Schwimmer im Stadtbad bald auf dem Trockenen: Die Stadt erwägt, den Altarm der Waldnaab nicht mehr anzustauen, um so Kosten und möglichen Regressansprüchen zu entgehen.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Die Antwort der Stadt auf den Antrag der CSU-Stadtratsfraktion besitzt Sprengkraft: Fraktionschef Benjamin Zeitler fordert für die Badesaison 2021 ein Konzept für den Betrieb des Stadtbads. Dieser nämlich steht unter Beobachtung, weil Weiden wohl künftig Badeaufsichten einstellen muss, um möglichen Regress- und Haftungsfragen zu entgehen. Doch wie soll Weiden, wohlgemerkt eine Stabilisierungsgemeinde, die freiwillige Leistung einer Badeaufsicht bezahlen? Bei der Erörterung der Frage durch die Stadtverwaltung werden zwei Dinge deutlich, die keiner gerne hören wird.

Erstens geht die Stadtverwaltung wohl auch heuer, im zweiten Jahr der Coronapandemie, davon aus, dass die Weidener Thermenwelt (WTW) gar nicht oder nur stark eingeschränkt ihre Bade- und Saunalandschaft für Gäste öffnen wird. Zweitens könnte das Baden im Stadtbad künftig ganz wegfallen. Doch alles der Reihe nach.

Die Verwaltung schlägt in ihrer Tischvorlage zur Stadtratssitzung an diesem Montag, 19. April, drei Varianten zur Lösung des Aufsichtsproblems in der Badesaison im Stadtbad vor. Eine davon bekommt bereits vor der Erörterung im Gremium Breitseite vom Kanuverein. So schlägt die Stadt vor, den Altarm der Waldnaab schlicht nicht aufzustauen. So würde er nicht genug Wasser führen, um das Nichtschwimmerbecken lebensgefährdend zu füllen. Die Argumentation: "Ein Schwimmen im Altarm wäre nur nach regnerischen Tagen möglich. Das Stadtbad würde dann als Grünanlage weiterbetrieben. Das Planschbecken könnte weiter genutzt werden."

Entsetzen im Kanuverein

Und was passiert dann mit dem Kanuverein Weiden? "Ein Nicht-Aufstauen des Altarms der Waldnaab bedeutet das Aus für uns", sagen Ingeborg und Hans-Jürgen Rudnik als Urgesteine des Vereins, der derzeit 111 Mitglieder habe, darunter fast 40 Prozent Kinder und Jugendliche. "Ohne das aufgestaute Stadtbad können wir den Vereinsbetrieb einstellen", appellieren sie im Vorfeld der Sitzung an den Oberbürgermeister und die Stadträte. Zwei Mal wöchentlich werde dort von Mai bis September trainiert, auch Rettungsübungen fänden statt. "Das können wir bei einem Wasserstand von 30 bis 40 Zentimeter vergessen", klagen die Rudniks und verweisen auch auf den Naherholungsfaktor des Stadtbads für alle Bürger, der mit dem Wasser im Altarm zu verschwinden drohe.

Mit Wasser kommt Geldnot

Bleiben also die Varianten zwei und drei: Beide kosten, weil mit dem Aufstauen des Wassers als Schwimm- und Badefläche eine Wasseraufsicht für sieben Tage die Woche von 10 bis 20 Uhr fällig wird. In Variante zwei würden diese 70 Wochenstunden Saisonkräfte übernehmen. Dafür kalkuliert die Stadtverwaltung mit jährlichen Personalkosten von etwa 36 200 Euro plus Steigerungsraten von jährlich 1,5 Prozent wegen der Anpassung des Tarifs für den öffentlichen Dienst. Diese Kosten könnten nur gesenkt werden, falls Ehrenamtliche aushelfen würden. Dazu stünde die Stadt mit den Verantwortlichen der Wasserwacht Weiden-Neustadt in Kontakt.

Die dritte Variante wird fast doppelt so teuer. Laut Verwaltung könnte die Stadt 2021 eventuell wie bereits im Vorjahr auf das Personal der WTW zurückgreifen, weil "auch im Sommer 2021 in der WTW mit Kurzarbeit gerechnet wird". Kostenpunkt: 65 200 Euro pro Jahr und aus steuerlichen Gründen keine Dauerlösung. Außerdem offenbart sich hier so ganz nebenbei, dass das Badevergnügen in der Thermenwelt auch 2021 ins Wasser fallen könnte.

Baden im Stadtbad also kostet der Stadt Geld. Und Geld ist knapp. "Soweit eine Badeaufsicht eingestellt beziehungsweise beauftragt wird, handelt es sich um eine freiwillige Leistung", heißt es seitens der Verwaltung. Da Weiden eine Stabilisierungskommune ist, kann die Stadt diese nicht einfach bringen. "Für das Eingehen dieser neuen freiwilligen Leistung bedarf es der Genehmigung des bayerischen Innenministeriums." Inwiefern sie die Stadträte einholen oder das Stadtbad trockenlegen wollen, wird sich in der Sitzung an diesem Montag zeigen. Beginn: 15 Uhr, Reger-Halle.

So plant das Schätzlerbad für 2021

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Deshalb braucht es neue Regeln im Stadtbad

  • Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs von 2017 nach einem Badeunfall (III ZR 60/16) stehen Kommunen in einer besonderen Verantwortung.
  • Die Stadt Weiden handelte entsprechend des Urteils: "Das Stadtbad war bis 2019 nur als Grünanlage definiert worden, das Schwimmen erfolgte auf eigene Gefahr." Ein Gutachter für Bädertechnik sei zu dem Schluss gekommen, dass keine Badeaufsicht erforderlich sei.
  • Zugleich räumt die Verwaltung ein, es habe kein abschließendes Ergebnis gegeben, da der besagte Teil der Waldnaab zum Zeitpunkt der Gutachter-Begehung nicht angestaut war.
  • Im Coronajahr und mit der Schließung von Schätzlerbad und WTW beaufsichtigte Personal der Thermenwelt das Badegeschehen im Stadtbad.
  • Noch im April 2021 soll ein abschließendes Gutachten vorliegen.
  • Die Stadt geht davon aus, dass dann von Mitte Mai bis Mitte September die Besetzung des Stadtbads mit einer Badeaufsicht sieben Tage die Woche zwischen 10 und 20 Uhr nötig wird, wenn der Altarm des Flutkanals angestaut wird.

 

 

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