Weiden in der Oberpfalz
02.04.2024 - 14:45 Uhr
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Zwang zur Zisterne bei neuen Häusern in Weiden: Was das bringt, wie viel das kostet

Mit Zisternen lässt sich im Garten viel Wasser sparen. Die Stadtratsfraktion der Grünen will sie deshalb für Neubauten in Weiden vorschreiben lassen. Wie sehen Kosten und Nutzen aus?

Im Neubau ist eine Zisterne relativ einfach zu verbauen. Wichtig dabei: Filtersets und Rohrleitungen für die Nutzung in Garten und Haus. Symbolbild: Erik Stauffer
Im Neubau ist eine Zisterne relativ einfach zu verbauen. Wichtig dabei: Filtersets und Rohrleitungen für die Nutzung in Garten und Haus.

Es ist immer wieder Thema: Starkregen prasselt immer häufiger. Kommen dazu wahlweise trockene oder sehr feuchte Böden, steigt die Hochwassergefahr. Eine große Rolle spielen dabei Flächenversiegelung und Klimaschutz. Bündnis 90/Die Grünen in Weiden machen einen Vorschlag zur Linderung – mit einer recht einfachen Maßnahme: Zisternen zum Auffangen von Niederschlägen. In einem Antrag an den Stadtrat stellen sie die Frage, inwieweit die Stadt Zisternen in Zukunft bei Neubauten vorschreiben kann.

Was ist eine Zisterne eigentlich? Ein unterirdischer oder abgedeckter Wasserspeicher – für gewöhnlich für Regenwasser. Ausgestattet mit einer Pumpe, lässt sich das gesammelte Wasser dann wiederverwerten, zum Beispiel zum Gießen der Pflanzen, für die Toilettenspülung oder zum Wäschewaschen. Zisternen gibt es in verschiedenen Formen und Größen. Meist sind sie aus Kunststoff oder Beton und fünf bis zehn Kubikmeter groß. Dabei sind Beton und mehr Fassungsvermögen mit höheren Kosten verbunden.

Wasserverbrauch verringern

Die Vorteile der Zisterne steigen vor allem bei erhöhtem Wasserverbrauch. Langfristig kann sie sich dadurch rechnen, da Wasser- und Abwassergebühren eingespart werden. Ein weiterer Vorteil: Regenwasser ist sehr weich und damit gut geeignet zum Wäschewaschen. Bei der Nutzung zur Toilettenspülung lässt sich jede Menge Trinkwasser sparen – laut Umweltbundesamt macht die Spülung mehr als ein Viertel des täglichen Wasserbedarfs aus. Nutzt man dafür Niederschlagswasser, schont das auch den Grundwasserspiegel.

Aus diesen Gründen sieht Karl Bärnklau, Fraktionssprecher der Grünen im Weidener Stadtrat, die "Zisternenpflicht" als sinnvolle Maßnahme: "Man spart Trinkwasser und tut etwas für den Hochwasserschutz. Natürlich erwarten wir nicht, dass jeder eine Zisterne in sein Grundstück verbaut. Das wäre bei vielen Häusern auch nicht sinnvoll. Aber bei Neubauten in frühen Bauabschnitten ist der Einbau einer Zisterne noch mit relativ wenig Aufwand verbunden."

Grund für den Antrag sei, dass Zisternen bisher nicht im Klimaschutzkonzept der Stadt Weiden verankert sind. Bärnklaus Fraktion erkennt hier nach eigener Aussage einen relativ großen Nutzen bei geringem Aufwand. Das Bayerische Staatsministerium für Bau, Wohnen und Verkehr stimmt dieser Beurteilung zu: In seinem Flyer "Klima wandel(t) Innenstadt" schlägt es die Speicherung und Nutzung von Niederschlagswasser zur Bewässerung des Stadtgrüns vor.

Zisternenpflicht keine Neuheit

Eine Zisternenpflicht gibt es andernorts in Deutschland bereits. Das Bundesland Hessen zum Beispiel hat eine Mustersatzung für alle Kommunen erstellt, mit der Zisternen bei Neubauten zur Pflicht gemacht werden können. Diese wurde bereits von mehreren Kommunen, etwa der Stadt Maintal, übernommen. Bärnklau erzählt von einem Erlebnis, als er selbst Bauherr war: "Zwischen 1977 und 1979 haben wir in Weiden ein Haus gebaut, und ein befreundeter Bauingenieur aus Nordrhein-Westfalen kam zu Besuch. Der war völlig entgeistert, dass wir keine Zisterne eingebaut haben. Das ist also andernorts bereits seit vielen Jahren ein Thema."

Für das Baugebiet Mooslohe ist im Bebauungsplan bereits ein Anreiz für Zisternen festgehalten: "Oberflächenwasser von Dächern, Kfz-Stellplätzen, befestigten Flächen und sonstigen Nebenanlagen darf nicht in den Schmutzwasserkanal eingeleitet werden. Es ist auf dem Grundstück zu versickern oder in Zisternen zu sammeln", heißt es. Wie Oberpfalz-Medien auf Anfrage von Maurer- und Betonbauermeister Felix Bydkiewski erfährt, sind Zisternen in vielen Neubaugebieten bereits Vorschrift. Und auch wenn das nicht der Fall sei, "wird sie immer mit angeboten. Doch meist wird sie dann aus Kostenspargründen erstmal nicht beauftragt".

Bis zu 7000 Euro

Karl Bärnklau ist bewusst, dass mit der Zisterne Mehrkosten auf die Bauherren zukommen. "Deshalb ist es wichtig, dass eine Verpflichtung diese Kosten von vornherein klarmacht. Je früher die Zisterne im Bau eingeplant und eingebaut wird, desto weniger Aufwand verursacht sie." Eine Zisterne mit Rohrleitungen, Filter und Pumpensystem kostet im günstigsten Fall einen Betrag im niedrigen vierstelligen Bereich. Sie kann aber je nach Ausmaß sehr teuer werden. Laut Bydkiewski belaufen sich die Kosten bei zehn Kubikmetern inklusive Erdarbeiten auf 5000 bis 7000 Euro. Dabei müssten eine fachkundige Inbetriebnahme und regelmäßige Wartungen mit einberechnet werden.

Damit die Zisterne frei an die Bedürfnisse angepasst werden kann, solle eine Verpflichtung keine genauen Ansprüche an Größe und Art haben, schlägt Grünen-Fraktionschef Bärnklau vor. "Dadurch ist es weniger kompliziert. Eine zu detaillierte Regelung würde hier, glaube ich, nur Frust mit sich bringen. Natürlich wollen wir keine Alibi-Zisternen haben – das wäre schade um die aufgewendeten Ressourcen. Aber die Bürger sollen das frei entscheiden und anpassen können."

Eine Förderung gibt es derzeit von der Stadt Weiden nicht und sei angesichts der finanziellen Lage der Stadt vorerst auch nicht zu erwarten, räumt Bärnklau ein. Durch die Wassereinsparung würde sich die Zisterne allerdings langfristig amortisieren. Über den Antrag der Fraktion soll am Montag, 8. April, der Stadtrat diskutieren. Die Sitzung beginnt um 15 Uhr im Neuen Rathaus. Im Vorlagebericht teilt die Stadtverwaltung mit, dass eine Festsetzung der Zisternenpflicht bei bestehenden Bebauungsplänen nur mit Änderungsverfahren aufgenommen werden könnte. Ansonsten würde sie bei jeder Neuaufstellung von Bebauungsplänen im Einzelnen geprüft.

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Friedenfels27.08.2023
Info:

Zisterne richtig einbauen

  • Bei lockerem Boden: Betonzisterne, um Aufschwemmung zu verhindern
  • Bei niedriger Baugrube: Spezielle Flachzisterne
  • Freie Tauchpumpe möglich für Bewässerung
  • Für Nutzung im Haus festes Pumpensystem und Trinkwassernachspeisung nach DIN 1988
  • Regenwasserfilter im Zulauf
  • Überlaufsiphon für schwimmende Schmutzpartikel
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