Weiden in der Oberpfalz
04.11.2026 - 11:09 Uhr

Zwischen Krise und Chance: Oberpfälzer Unternehmer diskutieren beim Momentum-Award

Alle sprechen von Innovation und Unternehmertum: Hier sprechen die Innovatoren und Unternehmer: Bei der Podiumsdiskussion zum „Momentum-Award“ fließen vier ganz eigene Blickwinkel ein. Interessierte können live dabei sein.

Macher am Podium: Bei den Momentum-Awards diskutieren (von links) Peter Schmieder, Joseph Reiter, Doris Völkl und Bernhard Schön. Grafik: Gube/TH Deggendorf/Hatico/Völkl/Foto Baumann
Macher am Podium: Bei den Momentum-Awards diskutieren (von links) Peter Schmieder, Joseph Reiter, Doris Völkl und Bernhard Schön.

Wirtschaftlicher Wandel, ökonomische Krise, neue Technologien – an Herausforderungen mangelt es mittelständischen Unternehmern derzeit wahrlich nicht. Und doch gibt es sie immer noch: Frauen und Männer, die sich mit Energie und Ideen diesen Herausforderungen stellen. Was treibt sie an, was behindert sie und wo könnten bessere Rahmenbedingungen helfen?

Diesen Fragen widmet sich am 12. November eine Podiumsdiskussion in der Max-Reger-Halle. Denn bei der Verleihung des Momentum-Awards ist Weleda-CEO Tina Müller bei Weitem nicht die einzige erfolgreiche Unternehmerin. In der Diskussionsrunde beleuchten vier regionale Entrepreneure das Spannungsfeld zwischen Oberpfälzer Bodenständigkeit und notwendiger Erneuerung – und das aus ganz eigenen Blickwinkeln. Vier Perspektiven auf Unternehmertum und Erneuerung – ein Überblick:

Doris Völkl

hat selbst einen kaufmännischen Hintergrund und als Unternehmerin Neues geschaffen, als sie sich 2010 als Präventologin selbstständig machte. Seither berät sie Unternehmer dabei, die eigene Belegschaft gesund und produktiv zu erhalten. Sie bietet Kurse und Beratung an. „Psychische Gesundheit darf im Betrieb kein Formular in der Gefährdungsbeurteilung bleiben“, sagt die 59-Jährige.

Längst reicht ihr Angebot aber weiter. Seit 2024 arbeitet sie als „Heimatentwicklerin“ im Netzwerk „Heimat-Unternehmen Oberpfälzer Wald“ daran, Unternehmer in der Region zu vernetzen. „Ich bringe kreative Unternehmerinnen und Unternehmer zusammen, die einen Heimat-Mehrwert schaffen.“ Dass das in der Nordoberpfalz passiert, ist der Waldthurnerin wichtig: „Ein Handschlag gilt hier noch. Bodenständigkeit, Verlässlichkeit und Durchhaltevermögen“ zeichnen Oberpfälzer Unternehmen aus. Aber auch die Kehrseiten sind Völkl bekannt: „Wir beißen lieber die Zähne zusammen, als einmal tief Luft zu holen. Dabei bleibt auf Dauer nur leistungsfähig, wer auch auf sich selbst achtet.“

Joseph Reiter

zeigt, wie Ideen und Kreativität helfen, auch scheinbar unausweichlichen Strukturveränderungen zu trotzen. Denn die Zeit der Textilbranche ist in der Oberpfalz doch eigentlich seit Jahrzehnten vorbei. Und doch führt der 44-Jährige mit Hatico ein erfolgreiches Textilunternehmen, das nicht nur mit seiner eigenen Hemdenmarke „Pure“ über die Oberpfalz hinaus bekannt ist.

Joseph Reiter bringt aber auch einen globalen Blick ein: Der Tirschenreuther hat Abschlüsse in Mathematik, VWL und Statistik an der LMU München und der University of Oregon. Er war bei Swiss Life beschäftigt, bevor er sich entschied, in die Heimat und ins Familienunternehmen zurückzukehren – trotz aller Herausforderungen. Denn einfach sei das Geschäft nicht, sagt Reiter. „Textil ist generell hart.“ Vor allem die Beschaffung verlagere sich immer mehr nach Asien. Und doch glaubt Reiter an den Wirtschaftsstandort Oberpfalz: „Die enorme unternehmerische, mittelständische Entwicklung hier in der Region, gerade in den letzten 15 bis 20 Jahren, zeigt, was dieser Menschenschlag hier drauf hat.“

Bernhard Schön

präsentiert den nicht minder erfolgreichen Gegenentwurf des Familienunternehmers: Der 43-Jährige hat sein Geschäft von der Pike im elterlichen Betrieb, den Liebensteiner Kartonagenwerken, gelernt: Ausbildung zum Verpackungsmittelmechaniker, dann zum Industriekaufmann, danach Wirtschaftsfachwirt – und dabei immer ganz nahe dran am Familienbetrieb im Landkreis Tirschenreuth: „Für mehr Firmen hatte ich keine Zeit.“

Dass dies aber nicht mit einem engen Horizont verbunden sein muss, dafür gibt es kaum ein besseres Beispiel als die Kartonagen-Spezialisten aus Liebenstein: Das Generationenkonzept von Kinderkrippe über Tagespflege bis Ärztehaus macht auch außerhalb der Region von sich reden. Derzeit arbeitet Schön an einem Großbatteriespeicher, möchte autonome Fahrzeuge am Firmengelände etablieren. Und sieht sich dabei in seiner Oberpfälzer Mentalität bestens aufgestellt: „mit der Region verwurzelt, bodenständig, sparsam und stur“. Aus Schöns Sicht „die besten Voraussetzungen für einen Unternehmer“.

Professor Peter Schmieder

steuert den Blick des Wissenschaftlers am Podium bei. Der Diplom-Theologe beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie aus Fähigkeiten und Ideen erfolgreiche Unternehmen werden. Nach Studien-, Lehr- und Forschungsaufenthalten in den USA und in Asien besetzt Schmieder heute einen Lehrstuhl an der Technischen Hochschule Deggendorf, wo er sich unter anderem mit „Human-Skill-Management“, „Personalführung und Sozialkompetenz“, aber auch mit „Wirtschaftspsychologie und Ethik“ befasst.

Aber Schmieder kennt auch Mentalität und Wirtschaft der nördlichen Oberpfalz. Der 56-Jährige ist in Tirschenreuth aufgewachsen. Und er kommt gerne in die alte Heimat zurück: Aus der Strukturschwäche von einst habe sich eine starke und attraktive Wirtschaftsregion entwickelt, geprägt von einer mittelständischen Kultur der Innovation und Resilienz. „Der Wirtschaftspreis rückt diese starken Unternehmen, ‚Hidden Champions‘ und mutige Ideen aus der Region ins Licht der Öffentlichkeit“, sagt Schmieder. Diese Sichtbarkeit gebe Selbstbewusstsein nach innen und Ansporn und Beispiel nach außen.

Einlass zum Momentum-Award am 12. November in der Max-Reger-Halle ist ab 18.30 Uhr. Weitere Informationen und Tickets unter www.oberpfalzmedien.de/wirtschaftspreis.

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