24.09.2019 - 10:22 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Flachglas Wernberg plant Werk neben Pilkington Weiherhammer

Viele Spatzen pfeifen es von den Dächern, offiziell dringt aber kaum etwas nach außen. Dennoch deutet alles darauf hin, dass Teile der Flachglas Wernberg nach Weiherhammer verlagert werden. Die Rede ist von mehreren Hundert Arbeitsplätzen.

Auf der Waldfläche rechts des Pilkington-NSG-Werks Weiherhammer könnte schon in wenigen Monaten für einen stattlichen Betriebsteil von Flachglas Wernberg gebaut werden. Zugleich gibt es Überlegungen, die dazwischen vorbeiführende Bahnlinie wieder in Betrieb zu nehmen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Bürgermeister Ludwig Biller hält sich an die mit der Firma getroffene Sprachregelung und räumt ein, dass er mit einem "größeren Glasbetrieb" über den Verkauf von elf Hektar Grund im Industriegebiet "Weberschlag" verhandelt. Mit diesem Glasunternehmen käme auf weiteren 6,1 Hektar ein Logistiker, der sich für das Bahngleis interessiert, das in unmittelbarer Nachbarschaft, auf dem Gelände der Firma Pilkington, verläuft. Da das Gleis nicht entwidmet, sondern lediglich stillgelegt ist, könnte es leicht reaktiviert werden. Walter Schöpf, Marketingleiter der Flachglas Wernberg, bestätigt, dass sein Arbeitgeber an dem Grundstück in Weiherhammer dran ist. "Es ist aber noch nichts unterzeichnet. Und es muss noch durch den Aufsichtsrat."

Schöpf und Biller erklären, dass zurzeit eine artenschutzrechtliche Prüfung auf dem waldigen Gelände läuft. Um die kümmert sich die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt. Danach würde die Gemeinde den Bebauungsplan des Gewerbegebiets anpassen.

Zeit drängt

Biller hofft, dass die Prüfung in wenigen Wochen abgeschlossen ist. Denn: Etwaige Rodungsarbeiten oder Ersatzmaßnahmen müssten im Winter, vor der Brutphase von Vögeln und anderen Tieren, erledigt werden. "Der große Glasbetrieb" wolle schon im April kommenden Jahres mit dem Bau beginnen.

Viel mehr ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt. Dafür wabern Gerüchte zwischen Weiherhammer und Wernberg hin und her. Mit einem macht Schöpf gleich mal Schluss: "Der Standort Wernberg wird nicht geschlossen." Interessant wäre, ob und wie viele Teile der Produktion im nördlichen Kreis Schwandorf neben der Verwaltung verbleiben. Gegenüber den Oberpfalz-Medien sprach Flachglas-Geschäftsführer Robert Meier Ende 2018 von drei Standbeinen seines Unternehmens.

Viele Arbeitsplätze

Eines davon soll an einen neuen Standort. Dabei deutet alles auf Weiherhammer hin. Dem Vernehmen nach soll es kein kleiner Bereich sein. Da wäre zum einen das sogenannte Architekturgeschäft, also etwa Glas für Fassaden; dann das Tagesgeschäft, wenn die Fabrik Bestellungen von Glashändlern ausführt; und schließlich der Railway-Sektor mit den Eisenbahnen. "Da sind wir in Europa Marktführer", sagt Meier.

Das Thema Bahn begeistert auch den Logistikbetrieb, der auf den "Weberschlag" will. Laut Biller handelt es sich nicht um eine klassische Spedition, sondern um eine Firma, die Aufträge von Kunden auf die Schiene bringen will. Mit diesen beiden Ansiedlungen wäre das bis vor einem Jahr heiß diskutierte Güterverkehrszentrum, auch Containerumschlagplatz genannt, vom Tisch. Der "Weberschlag" wäre nämlich dann ziemlich voll.

Mit der Ansiedlung der Flachglas AG würde räumlich etwas zusammenwachsen, was früher betrieblich ganz eng zueinander gehört hat. 1980 übernahm Pilkington die Aktienmehrheit an der Flachglas. 1999 wurde das Werk Wernberg aus dem Konzern herausgelöst und als Flachglas Wernberg GmbH selbstständig. Eine Mitarbeiter-Beteiligungs-GmbH hält 51 Prozent, die übrigen 49 Prozent gehören weiterhin Pilkington, wo auch Glas für die Veredler in Wernberg hergestellt wird.

2005 kauften die Wernberger den Luher Traditionsbetrieb Glas-Profi. Dessen Geschäftsführer Achim Haag ist Projektleiter des geplanten Umzugs nach Weiherhammer. Er war die vergangenen Tage nicht zu erreichen.

Der Planungsstand im Sommer 2018:

Platz für Großformate

Flachglas investiert zweigleisig: Marketingleiter Walter Schöpf macht an Beispielen fest, „dass wir das Werk Wernberg weiter ausbauen und aktuell investieren“. In den Jahren 2018/19 sind es über fünf Millionen Euro. Schöpf nennt die neue Wasseraufbereitung, das neue Druckluftsystem und Flachglas-Connect: Glas, das Handy-Strahlen durchlässt. Das Unternehmen stattet in der Schweiz neue Züge damit aus. Kräftig investiert wird auch in das neue Warenwirtschaftssystem – sozusagen SAP für die Glasindustrie – das ab 1. Januar 2020 greift.

Das neue Werk entsteht in der Region, „in Nähe zu Wernberg“ und soll Anfang 2023 produktionsreif sein. Der Standort wird noch nicht genannt. Doch „unser aktueller Planungsstand geht von zehn bis zwölf Hektar Fläche aus. Damit planen wir ein Werk, das tendenziell 1,5 mal so groß ist wie unser Werk in Wernberg“, berichtet Schöpf. Die Investition liegt „im oberen zweistelligen Millionenbereich“. Damit will man das längerfristige, großformatige Transport- und Fassaden- vom schnellen, kleinformatigeren Alltagsgeschäft mit kurzer Lieferzeit trennen. Der Effekt: Bessere Logistik, kürzere Lieferzeit, weiterer Ausbau des Objekt- und Tagesgeschäfts. Bei repräsentativen Bauten ist Flachglas gut vertreten. Schöpf nennt die Q-Arena in Cleveland, den Wardian-Tower in London und das Berliner Institut for Mediacal Systems Biology, „in dem fast 4000 Quadratmeter unseres Wärme-und Sonnenschutzglases verbaut sind". (cv)

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