27.09.2019 - 13:26 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Neuer Chef bei Pilkington Weiherhammer

Zum 40-jährigen Bestehen des Pilkington-NSG-Standorts Weiherhammer steht eine Stabübergabe an. Werkleiter Reinhold Gietl geht zum Jahresende in den Ruhestand. Den Posten des 62-Jährigen übernimmt der 10 Jahre jüngere Gerhard Ruhland.

Gerhard Ruhland (links) schaut Reinhold Gietl weiterhin intensiv über die Schulter. Am 1. Januar wechselt er dann selbst auf den Chefsessel.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Er leitet bislang die Techniksparte. "Das sind schon riesige Fußstapfen, in die ich trete, aber ich stehe auch für Kontinuität", sagt der Maschinenbau-Ingenieur, der in Mantel aufgewachsen ist und heute in Gmünd wohnt. Er ist verheiratet und Vater zweier studierender Söhne. Was auf ihn zukommt, muss ihm Gietl nicht erst groß erklären. Ruhland ist seit 1994 im Werk und hat 100 Leuten unter sich. Bereits jetzt ist er in alle Projekte eingebunden.

Die Zukunftsaufgaben sieht der Altherren-Kicker der Concordia Hütten nicht zuletzt im großen Themenkomplex Klima und CO2-Reduzierung. Dazu gehören unter anderem Gläser für Elektroautos. Sie sollen einerseits sicher sein, andererseits stellen sie hohe Anforderungen an die Wärmedämmung, die nicht auf Kosten der Antriebsleistung gehen soll, was Reichweite kosten würde.

Auch bei der Wasserstoff-Modellregion Neustadt wird Pilkington eine Rolle spielen. "Zurzeit verbrauchen wir bis zu 300 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde", erklärt Ruhland. Wie er vor Ort gewonnen werden kann, wird eine spannende Frage. Im Werk werden neben Dämmgläsern auch Basisgläser für Solarkollektoren hergestellt. Durch die Versorgung mit grünem Wasserstoff könnte für diese Produkte langfristig die CO2-Bilanz deutlich verbessert werden.

40 Jahre Glas am laufenden Band:

Pilkington-Werk feiert Jubiläum

Glas aus Weiherhammer ist im Flughafen Hongkong verbaut, im Apple-Hauptquartier in Kalifornien, in unzähligen Autos und Häusern. Dabei verlief die Gründung des Werks vor genau 40 Jahren gar nicht so reibungslos.

Am 2. Oktober 1979 um 7 Uhr begann mit dem Kommando „Schieber auf!“ die Produktion im Industriegebiet „Weberschlag“. Seitdem wechselten dreimal die Besitzverhältnisse. Die anfängliche Flachglas AG wurde in den 1980er Jahren Teil des englischen Pilkington-Konzerns, den 2006 die japanische NSG-Gruppe übernahm.

In all den Jahren ist es dem Standort gelungen, sich neu zu erfinden und als eine Art Flaggschiff im Konzern Fahrt aufzunehmen. Dabei präsentierte es sich auch gegen Stürme auf den bisweilen äußerst rauen Weltmärkten gewappnet. Nicht zuletzt, weil stets Kapitäne auf der Kommandobrücke standen, die ihre Segel gleichermaßen in Kontinuität und Wandel gesetzt haben. Der Standort Weiherhammer trägt dabei die Handschrift von vier Managern: Sepp Hummel, Ernst Winter, Dieter Holzkämper und seit 2002 Reinhold Gietl. Ende des Jahres übernimmt Gerhard Ruhland.

Doch zurück zum Anfang: Die deutsche Glasindustrie war nach 1945 geprägt von zwei Herstellern, der DELOG aus Gelsenkirchen und der DETAG aus Fürth. Sie fusionierten 1970 zur Flachglas AG. Die sah ihre Zukunft im modernen Float-Verfahren, der Glasherstellung auf langen Bändern. Ein erstes Werk entstand dazu in Gladbeck im Ruhrgebiet, der zweite Schwerpunkt sollte die Oberpfalz werden, die sich mit dem DETAG-Standort Weiden qualifiziert hatte. Der Platz für ein neues Werk war in Weiherhammer schnell gefunden, doch dann stoppte die Rezession 1975 die Investition. Die Flachglas AG baute stattdessen Gladbeck mit einer zweiten Floatlinie aus.

Nicht zuletzt weil die örtlichen Abgeordneten nicht locker ließen, begann im Winter 1977/78 trotzdem der Bau in Weiherhammer. Im Oktober 1979 ging die erste deutsche Floatglasanlage außerhalb Nordrhein-Westfalens mit der Belegschaft aus Weiden in Betrieb. 1989 kam eine weitere Linie dazu. Aus beiden flossen Neuerungen, die bis heute als Meilensteine in der weltweiten Glasherstellung gelten. 1989 entstand der Klassiker „Opti-White“, ein sehr helles Weißglas mit hoher Licht- und Energietransmission. Erstmals wurde es in Parabolspiegeln in einem Sonnenkraftwerk in der amerikanischen Mojave-Wüste verbaut. Auch die Beschichtung für ungewöhnliche Großformate war revolutionär. Heute stellen die Weiherhammerer Scheiben bis zu 21 Metern Länge her. Aus ähnlichen Riesen besteht die Apple-Zentrale in Cupertino.

Glas aus Weiherhammer ist in Tausenden Autos, der Berliner Reichstagskuppel, selbstreinigenden Fenstern und Bildschirmen verbaut. Dazu kommen Spezialprodukte wie Glasfasern oder Batterieseparatoren. Mitte der 90er Jahre beschäftigte das Werk schon mal 630 Menschen, heute sind es etwas über 500. Innerhalb des Konzerns gelten sie als Experten für Spezialaufträge. Die Führungsspitze vertraut ihnen besonders dicke oder dünne Gläser, besonders empfindliche oder komplizierte Produkte an.

Sämtliche Herausforderungen haben die Weiherhammerer bislang gemeistert, egal ob die Eigentümer aus Gelsenkirchen, Manchester oder Fernost kamen. Das feiern sie am Samstag bei einer Art Familientreffen. Ehemalige Kollegen, Angehörige und Freunde stoßen im „Weberschlag“ auf den 40. Geburtstag des Werks an. Ohne großes öffentliches Aufheben. Die Gloserer haben schon immer lieber ihre Produkte für sich selbst sprechen lassen. (phs)

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