14.01.2020 - 17:17 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Wahlkampfauftakt der CSU Neustadt/WN mit Minister Bernd Sibler

Der Wissenschaftsminister zu Gast, Wasserstoff-Fördermittel in der Tasche und die schicke Kulisse des Innovision-Centers außenrum. Dieses Hightech-Image gefällt der Kreis-CSU. Eine Zeitgeistpartei will sie trotzdem nicht sein.

Zwei Minuten stehender Applaus begleitet Bernd Sibler (Zweiter von links) nach seiner Rede im Innovision-Center der BHS Corrugated. Über die Wahlkampfmunition des Ministers freuen sich Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger (vorne, links), Weiherhammers Bürgermeister Ludwig Biller und Landrat Andreas Meier (von rechts).
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Um Landrat Andreas Meier und den Kreistagskandidaten Rückenwind zuzufächeln, hält Bernd Sibler am Montagabend eine Mutmacherrede. Der Wissenschafts- und Kunstminister punktet an der Neustädter Basis sofort mit Kumpelhaftigkeit statt Manager-Sprech. Ein paar launige Worte mit dem Schorsch, dem Andi, dem Stephan - da ist aus München einer der ihren angereist.

Einer der weiß, wie sich die Oberpfälzer bis vor Jahren klein gemacht haben. Sibler stammt aus Deggendorf. "Wir Niederbayern und ihr haben jahrelang gejammert, aber wir haben gelernt: Wer jammert, kriegt keinen Besuch."

Was sie noch so gelernt haben: "Heute interessiert es uns, wenn in China ein rostiges Fahrradl umfällt." Denn in China spielt die Musik, etwa bei Künstlicher Intelligenz (KI). "Das muss uns einfach interessieren." Anders als die Chinesen, die diese Technik auch dazu benutzen, ihre Bürger zu überwachen und zu bewerten (Social Scoring), wolle Bayern KI nach ethisch-moralischen Kriterien zähmen. Auch wenn das koste, wie Sibler sagt: "Bei Bayerns Hightech-Agenda nehmen wir so viel Geld in die Hand wie die ganze Republik."

Dabei falle auch Etliches für die Oberpfalz ab, Stichwort Denkwelt Halmesricht. Letztere sei verknüpft mit "einer Wahnsinnsfirma", wie Sibler die BHS im Innovision-Center nennt. Die zeuge von Weltoffenheit. Umso unverständlicher ist für den Minister, dass jemand aus dieser Firma "im Landtag an dem Ast sägt, auf dem er sitzt". Der Rempler galt Roland Magerl und der AfD, ohne dass diese Namen fielen.

Internationale Netzwerke

Weltoffenheit also. Die nutze der Freistaat für Allianzen mit Israel, Indien oder Rumänien. "Dort sitzen starke Programmierer, aber da können wir auch ethische Maßstäbe durchsetzen. Das ist CSU." Zu diesen Maßstäben gehöre außerdem, dass Satire nicht alles darf. "Meine Oma ist keine Umweltsau. Die stammt aus einer Generation, die nie geflogen ist und sich für uns krumm gearbeitet hat", nannte Sibler das berüchtigte Lied des WDR-Kinderchors unter lautem Beifall eine "Unverschämtheit ohnegleichen".

Klar sei Klimaschutz ein Zukunftsthema, Schuldzuweisungen an Landwirte seien es nicht. "Es ist ein Unterschied, ob ich Pestizide oder Pflanzenschutzmittel sage. Die Leute bringen das doch aus, um ihre Pflanzen zu schützen", brach das Kabinettsmitglied eine Lanze für die Bauern.

Andreas Meier tröstete einen weiteren Prügelknaben: die Autoindustrie. "Was bei einem modernen Diesel heute hinten rauskommt, ist sauberer denn je." Daher ärgere es ihn, wenn Verbote und einfache Lösungen als Allheilmittel angepriesen würden: "Da stellen sich manche an die Altlastenflächen in Altenstadt hin, machen ein schnelles Foto und sagen, das muss der Landkreis mal anpacken. Aber da sind wir schon lange dran. So etwas dauert. Da verspricht jemand Luftschlösser." Unausgesprochen galt dieser Rüffel den Freien Wählern Tobias Gotthardt, Gerhard Steiner und Bernhard Pscheidt.

"Der zukünftige OB"

"Warum sind wir denn Wasserstoff-Modellregion? Durch lange, zähe Vorarbeit und nicht wegen schneller Fotos," stichelte Meier. Die CSU mache Hausaufgaben statt Symbolpolitik. Etwa indem der Landkreis 30 Millionen Euro in seine Schulen investiere. Das sehe in Weiden ganz anders aus. "Der zukünftige OB", wie Sibler Benjamin Zeitler begrüßte, soll das ändern.

Der Kreis sei schuldenfrei, es herrsche Vollbeschäftigung und ein gutes Investitionsklima, unterstrich CSU-Kreisvorsitzender Stephan Oetzinger. "Wir sind hier die einzige Volkspartei, weil wir in allen Landkreisgemeinden Gemeinderats- und Bürgermeisterkandidaten stellen." Selbstbewusstsein ist das eine, es nach außen zu tragen das andere. Daher bat Meier für die 60 Tage bis zum Wahltag um christsoziale Nestwärme: "Reden wir hemmungslos gut übereinander."

Das Umweltsau-Lied ist eine Unverschämtheit ohnegleichen.

Bernd Sibler

Bernd Sibler

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.