Krippenausstellung mit musikalischer Einlage

Weihermühle bei Neusorg
23.11.2022 - 08:45 Uhr

Großes Interesse gab es für Gerhard Schinners Schnitzkunst. Drei Auftritte des Velten-Chores unter der Leitung von Regionaldekan Holger Kruschina bereicherten die Werkstatt-Schau.

Ist wohl schon Weihnachten? Etwas Schnee am Wochenende und hie und da ein beleuchtetes Fenster sind zumindest sichtbare Boten. In der Schnitzerei Schinner in Weihermühle ist immer Weihnachten. Umgeben von kunstvoll geschnitzten Krippen, eingehüllt in den Geruch ausgereifter Hölzer, herrscht in der Schnitzer-Werkstatt stets jene Stimmung, die zu Weihnachten passt. Keinerlei Hektik und meditative Musik ergänzen dies Wohlfühlempfinden. Bischof Rudolf Voderholzer ist hier Kunde, und der Komponist neuer geistlicher Lieder, Siegfried Fietz, ein Freund der Familie Schinner, schaut öfter vorbei, wenn es sich gerade ergibt.

Am Sonntag war die Bevölkerung eingeladen, an dieser Atmosphäre teilzunehmen, die auch die große Zahl der Interessenten nicht zunichtemacht. Nichts stört die stets feierliche Stimmung in Gerhard und Lisa Schinners Werkstatt, in der beide arbeitsteilig arbeiten: Gerhard Schinner fertigt die Figuren an und überlässt sie dann Lisa zum Kolorieren.

Flackerndes und knisterndes Feuer vor dem Eingang lädt am Sonntag ein und bereitet auf einen interessanten Rundgang durch die Schätze der Schnitzkunst vor. Gleich nach den Eintreten wird der Gast mit Musik empfangen: Siegried Zaus aus Kemnath hat mit seiner Geige in einer Ecke ein Plätzchen gefunden und untermalt das Geschehen mit schönen Melodien.

Religiöse Motive

Halbfertige Stücke geben Einblick in das Können der Schnitzkunst, die hier in allen Größen zu sehen ist. Meist sind es religiöse Motive, die unter großem Aufwand und mit großer Geduld entstehen. In dieser Zeit, die auf Advent und Weihnachten hinweist, hat man mit einem Clown, der etwas traurig schaut und etwas abseits alleine steht, fast ein bisschen Mitglied. Ein großes, fertiges Kreuz fällt auf, es wird demnächst in Poppenberg seinen Platz erhalten.

Und natürlich Krippen in allen Größen und Variationen: Neben dem Geschehen des Heiligen Abends sorgt Gerhard Schinner mit stets neuen Ideen für die Gestaltung des Umfeldes und das Aussehen des Stalles. Da finden sich neben Hirten große und kleine Schafe, die alle den Stall im Blick haben. Auch zwei kleinen Zicklein hat der Künstler einen Gesichtsausdruck verliehen, der auf den Betrachter den Eindruck macht, als wüssten sie alles über die Heilige Nacht und hätten großes Interesse daran.

All diese Kunstwerke aus Holz haben dazu geführt, dass die Räume der Werkstatt – angefangen vom Vorraum bis in die hinterste Ecke – mit Gästen gefüllt ist, die sich mit großer Freude all den großen und kleinen Stücken widmen und immer wieder ins Staunen geraten darüber, wie es möglich ist, aus einem Stück Holz derart aussagekräftige Figuren zu zaubern.

Gelegenheit zum Small-Talk gibt es zur Genüge; Gäste von nah und fern treffen hier wieder einmal aufeinander, haben sich viel zu erzählen und genießen das bei einer Tasse Kaffee und einem köstlichen Stück Kuchen. Schon bald haben sich manche aufgemacht nach Weihermühle, um einen guten Platz an einem der liebevoll geschmückten Tische zu ergattern, denn diese Krippenausstellung wurde durch spezielle Gäste zur Besonderheit: Der Velten-Chor war angekündigt. Ehemalige Regensburger Domspatzen des Abiturjahrgangs 1991 gründeten mit ihrem Stimmbildner, dem Regensburger Kirchenmusikdirektor Hubert Velten, das Vokalensemble Hubert Velten, das im In- und Ausland Bekanntheit errang.

Nur ein Teil des Chores sei nach Weihermühle gekommen, erklärt der Leiter und gibt das Programm vor. Derweil drängen sich die Zuhörer dicht zusammen in der Werkstatt. Nicht alle haben einen Sitzplatz bekommen. Drei Auftritte kündigt Holger Kruschina an, sie werden aus drei verschiedenen Genres bestehen. Nach den ersten Takten wird klar, was den Zuhörer erwartet: ein Chorgesang mit blitzsauberer Stimmen, stets wohltuend transparent und dem Raum in jeder Phase perfekt angepasst. Jeder zu laute Ton würde stören und der angenehmen Atmosphäre die Stimmung nehmen. Die Gitarre, die der Leiter selbst bedient, findet dort ihren Einsatz, wo sie hin gehört.

Seidenweicher Klang

Stimmbildner Hubert Velten hat vor 20 Jahren ganze Arbeit geleistet; überzeugte Musiker pflegen intensiv sein Erbe, überzeugen mit wunderbarem Chorklang und machen Lust auf mehr. Fast denkt man ob des feinen Klangs im oberen Tonbereich an Counter-Tenor, doch Holger Kruschina klärt im Gespräch auf: „Mezzo voce“ heißt die Ausdrucksanweisung in der Notenliteratur, ist italienisch und meint "mit halber Stimme", also Zurücknahme der Dynamik, um diesen seidenweichen Klang zu erreichen. Rund und satt bilden die Bass-Stimmen ein weiches, tragendes Fundament.

„Es ist ein Ros' entsprungen“ noch vor Beginn der Adventszeit? In dieser weihnachtlichen Umgebung wird es keineswegs als nicht der Zeit angepasst empfunden. Streift der Blick während der Liedvorträge die vielen Kunstwerke, bleibt bei diesen Gesängen der Blick des Öfteren an Details hängen und schafft große Nähe zu dem, was die Christenheit in den nächsten Wochen erwartet. So gesehen, entsteht hier in der Werkstatt von Gerhard und Lisa eine überzeugende Einheit aus all diesen Elementen, die diesem Tag ihren Charme verleihen. Auch an den Komponisten seines Geburtsortes hat Holger Kruschina gedacht und stimmt Max Regers bekanntestes Lied überhaupt an. „Maria sitzt am Rosenhag“ erfährt eine perfekte Interpretation.

Info:

Das Hubert-Velten-Ensemble

  • ehemalige Regensburger Domspatzen des Abiturjahrgangs 1991
  • Stimmbildner Regensburger Kirchenmusikdirektor Hubert Velten
  • in der Folgezeit im In- und Ausland Bekanntheit
  • Velten-Chor umrahmte Primiz von Holger Kruschina in Brand
  • nach der schweren Erkrankung des Chorleiters und dessen Tod 2010 übernimmt Kruschina den Chor
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