23.12.2020 - 12:04 Uhr
Weihermühle bei NeusorgOberpfalz

Willkommen in der Weihnachts-Werkstatt

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In Weihermühle, idyllisch am Rande des nördlichen Steinwaldes gelegen, ist eine besondere Werkstatt zu finden. Kleine und große Kunstschnitzereien begrüßen Besucher schon im Eingangsbereich.

Gerhard und Elisabeth Schinner bei den letzten akribischen Vorbereitungen, bevor die restaurierte Krippe in der Kirche in Oberwarmensteinach bestaunt werden kann.
von Autor TWGProfil

Wer diese besondere Werkstatt betritt, denkt wohl sofort an Weihnachten: Sie gehört Gerhard Schinner aus Ebnath. Er ist mit großer Leidenschaft ein Schnitzer, der sich mit Liebe zum Detail seiner Arbeit widmet. Das ist ihm anzumerken, wenn er von seiner Arbeit erzählt und in seinem eigens angefertigten Werkstattbuch blättert.

Zahlreiche Erlebnisse fallen ihm ein. Viele Kirchen hat er schon gesehen, in denen er Krippen restauriert und aufgestellt hat. Selbst Bischof Rudolf Voderholzer erwarb eine eigens von Gerhard Schinner angefertigte Krippe. Voller Begeisterung zeigt er seine Werke, die zur Weihnachtszeit als Stall von Bethlehem und zur Osterzeit mit der Geschichte vom Leiden und der Auferstehung Jesu umgestaltet werden. Auch die Idee, eine Krippe in eine Amphore einzubauen, stammt vom Künstler.

Krippe aus der Nachkriegszeit

Nun hatte Gerhard Schinner ein neues Projekt, das ihn seit circa einem Jahr beschäftigte: Er renovierte eine alte Krippe aus der Nachkriegszeit von der Sankt-Laurentius-Kirche in Oberwarmensteinach. Die ehrenamtlichen Helfer, die sich seit Jahrzehnten um die alte Krippe kümmerten, brachten das gute Stück in Schinners Werkstatt. Sie wollten aber eigentlich eine neue Krippe erwerben.

Aber der Holzschnitzer erkannte das Potenzial des antiken Stückes. „Lieber etwas Altes erhalten“, lautet das Motto des Ebnathers, der bereits seit 1988 diesen Beruf selbstständig ausübt.

"Geduld und Unzufriedenheit lassen die Arbeiten reifen."

Gerhard Schinners Motto

So restaurierten er und seine Frau Elisabeth die alten Gips- und Holzfiguren und verliehen ihnen neuen Glanz. Als die Beauftragten der Kirche Sankt Laurentius diese sahen, gaben sie ihre Einwilligung zur vollständigen Aufarbeitung.

Gerhard und Elisabeth Schinner machten es sich zur Aufgabe, diese alte Weihnachtskrippe in einer neu gestalteten weiterleben zu lassen. Vorhandene Teile von orientalischen Stadtanlagen wurden wieder neu in Szene gesetzt. In akribischer Kleinarbeit wurden die einstmals mit minderwertigem Werkzeug hergestellten Hintergrundanlagen wie Städte und Burgen aufgebaut. „Diese alten Häuser wären zu schade gewesen, um sie wegzuwerfen“, sagt Gerhard Schinner. Auch der See Genezareth wurde wieder in den Aufbau der Weihnachtskrippe eingebracht. Ein Boot schwimmt einsam darauf, das Gewässer befindet sich nun hinter dem Stall.

Die neue Krippe kann leicht in einzelne Teile zerlegt werden, der Aufbau ist von Schinner durchdacht worden, auch für die Aufbewahrung der Einzelteile hat er gesorgt. Die Eheleute kommen ins Schwärmen und erzählen voller Euphorie von der Zeit der aufwendigen Restaurierung.

"Diese alten Häuser wären zu schade gewesen, um sie wegzuwerfen."

Gerhard Schinner über die Oberwarmensteinacher Krippe aus der Nachkriegszeit

Die Weihnachtszeit hat für Gerhard und Elisabeth Schinner eine besondere Bedeutung: Denn dann werden ihre handgefertigten Weihnachtskrippen in ganz Deutschland aufgebaut. Ob für den Krippenweg in Marktredwitz im Einkaufszentrum KEC oder im Osten Deutschlands; auch im westlichen Teil: In Bretten, an der französischen Grenze, nahe Karlsruhe, steht eine Krippe der Holzschnitzerei Schinner aus Ebnath.

Seit 1999 hat Gerhard Schinner seine Werkstatt in Weihermühle. Es handelt sich nicht nur um eine einfache Holzschnitzerei. Nein, Gerhard Schinner betreibt eine Werkstatt, die Kunst und Handwerk verschmelzen lässt. Seine Arbeiten sind aufwendig. „Geduld und Unzufriedenheit lassen die Arbeiten reifen“, lautet Schinners Arbeitsmotto.

Das Bestreben des Schnitzers ist seit jeher, das umzusetzen, was für die Kunden ein Anliegen ist. Als gläubiger Christ - 2013 ist er den Franziskusweg von Ebnath nach Rom gegangen - ist es für ihn auch eine Aufgabe, den Glauben weiterzutragen, indem er religiöse Symbole in seinen Arbeiten umsetzen kann.

Mobiles Taufbecken in Muschelform

Aber nicht nur Altäre, Taufbecken, Grabkreuze, Krippen und Heiligenfiguren sind bei Gerhard Schinner zu erwerben: Auch Schaukelpferde und Holzlampen und jegliche Sonderanfertigungen sind für den Schnitzer kein Problem. Für die Pfarrei Pullenreuth schnitzt er zur Zeit an einem mobilen Taufbecken in Form einer Muschel.

In Erbendorf gibt es einen Krippenweg

Erbendorf

Beim Durchblättern seines Werkstattbuches findet man eine Vielzahl an Kunstwerken, die aus den Händen des Schnitzers entstanden sind. Gerhard Schinner sagt, dass die Adventszeit etwas Besonderes sei und in dieser schnellen herzlosen Zeit ihr einfach zu wenig Beachtung geschenkt und zu wenig über den Sinn nachgedacht werde.

Ein Eintrag von Gerhard Schinner in seinem Werkstattbuch lautet: „Ich finde es zauberhaft, wenn es in der Adventszeit an der Türe klopft und ein Teenager eintritt. Wenn dieser erzählt, dass es prima war, was wir letztes Jahr für die Krippe der Eltern gebastelt haben. Ich konnte mich gut erinnern: Es war ein Zaun für ein paar Schafe und ein Holzstab. Ob mir etwas einfallen würde für heuer, war seine Frage. Wir durchblätterten ein paar Bücher und ich schlug einen Brunnen vor. So bastelten wir einen Brunnen für die Krippe. Das ist für mich Adventszeit.“

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