28.12.2018 - 16:12 Uhr
Oberpfalz

Weisheit, Reichtum, Macht und Schönheit

Die drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar bringen dem Kind in der Krippe ihre Gaben dar. Sie unterscheiden sich nicht nur in ihrem Alter, sondern auch in ihrer Kleidung - eine Tradition aus dem 9. Jahrhundert.

Das Holzrelief in der Franziskaner-Kirche in Ingolstadt zeigt eine beeindruckende Darstellung der Heiligen Drei Könige.
von Rainer ChristophProfil

Gold, Weihrauch und Myrrhe bringen die drei Weisen traditionell dem Jesuskind dar. Ursprünglich belegt ist allerdings nicht, dass es drei an der Zahl waren. Diese Darstellung der Magier und Könige hat sich aufgrund der drei Geschenke herausgebildet. Der Evangelist Matthäus beschreibt "Gold, Weihrauch und Myrrhe".

Das Hochfest der Weisen in der katholischen Kirche ist der 6. Januar, der umgangssprachlich "Dreikönigstag", auch "Dreikönig" genannt wird. In der Liturgie heißt dieses Fest sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche "Erscheinung des Herrn" (Epiphanias).

Symbol der Lebensalter

Seit dem späten 9. Jahrhundert werden die drei Weisen üblicherweise mit den Namen Caspar, Melchior und Balthasar bezeichnet. Oft werden sie auch unterschiedlich alt dargestellt. Das soll die verschiedenen Lebensalter der Menschen symbolisieren, die dem neugeborenen Jesus huldigen. Der älteste ist Caspar, der jüngste Melchior. Balthasar ist im mittleren Alter. So treten sie auch auf. Die Reihenfolge ist auch durch den Dreikönigssegen auf den Haustüren erhalten: 20 C + M + B 19 wird er in diesem Jahr lauten. Manchmal wird es auch interpretiert als "Christus Mansionem Benedicat", das bedeutet "Christus segne dieses Haus".

Die Bibel beschreibt, dass die Weisen den Aufgang des Sterns sehen und nach Bethlehem kommen, um dem neugeborenen König zu huldigen. Darauf basiert auch der Brauch, dass Kinder der Kirchengemeinden als Heilige Drei Könige verkleidet von Haus zu Haus ziehen. Je nach Region geschieht das zwischen 27. Dezember und 6. Januar. In katholischen Gegenden sind es in der Regel Ministranten, Kommunionkinder oder andere Jugendliche, die nicht nur die Frohbotschaft des Evangeliums verkünden, sondern auch Spenden für benachteiligte Kinder sammeln. Neben dem Segen "20 C+ M + B 19" an den Türen werden die Häuser mancherorts auch mit Weihrauch beräuchert und mit Weihwasser gesegnet.

Krippenspezialist Gerhard Bogner, der auch bei den Plößberger Schnitzern bekannt ist, veröffentlichte 2003 ein Krippen-Lexikon. Er reiht die Heiligen Drei Könige wie folgt: Melchior ist der Älteste und vertritt Europa. Als nächstes kommt Balthasar aus Indien. Er vertritt damit den Orient. Caspar, der jüngste der Männer, wird als Äthiopier ausgewiesen und damit als Repräsentant Afrikas. Auch im großen Bibel-Führer von Knaur findet man diese Anordnung.

"König des Lichts"

Das Name Melchior ist hebräisch und bedeutet "König des Lichts". In den Krippen wird er als greiser Mann mit leicht gebräuntem Gesicht und meist knieend dargestellt. Er trägt einen roten Mantel mit einem weißen Kragen aus Hermelin, was ihn als abendländischen Herrscher ausweist. Oft hat er eine goldene Kassette vor sich auf den Boden gestellt, seine Krone und sein Zepter hat er aus Ehrerbietung daneben niedergelegt. Melchior steht für Weisheit, Reichtum, Macht und Schönheit.

"Gott schütze es" bedeutet Balthasar auf Hebräisch. Dieser König soll aus Indien gekommen sein. Er wird als Mann im mittleren Lebensalter und mit heller Haut dargestellt. Er trägt keinen Bart oder einen kurz geschnittenen Kinnbart in Rotbraun oder Schwarz. Er steht üblicherweise aufrecht und hält sein Zepter in der einen, das Gefäß mit dem Weihrauch in der anderen Hand. Seine faltenreichen Gewänder sind grün, der Turban nach orientalischer Art verziert. Der Betrachter spürt sein Selbstbewusstsein und seine Tatkraft.

Aus Äthiopien

Der jüngste der Weisen ist Caspar. Seine dunkle Haut weist ihn als Äthiopier aus. Gekleidet ist er mit einem gefiederten Turban, Pluderhosen, einem blauen oder silbernen Mantel. Er trägt ein Zepter und ein Gefäß mit der Myrrhe in seinen Händen. Die Zuweisung des jüngsten Königs nach Afrika geht auf die uralten und legendären Beziehungen Afrikas zu Jerusalem zurück. Ob es sich bei den drei mächtigen Besuchern um Weise oder Magier oder Könige handelt, bleibt umstritten. Der Geschichtsschreiber Sicardus beispielsweise nennt sie "Mathematici aus dem königlichen Geschlecht des Zoroaster".

Die Szene der Ankunft der drei Könige im Stall zu Bethlehem schmückt auch eindrucksvoll das Taufbecken der alten Pfarrkirche in Altenstadt/WN. Ist der Sockel mit den Evangelisten noch aus der Romanik, so ist der mittlere Teil mit der Weihnachtsszene in die Renaissance einzuordnen. Der unbekannte Künstler stellte die Szene markant dar. Im Winter ist die Kirche geschlossen, auch im Sommer ist der Taufstein im Altarraum nicht gut zugänglich. Hervorragend zu betrachten sind die Szenen des achtseitigen Taufbeckens im neuen Museum in Altenstadt/WN. Es hat jeweils sonntags von 14 bis 16 Uhr und mittwochs von 16 bis 18 Uhr geöffnet.

Wer vom neu geweihten "Dreikönigswasser" trinke, bliebe von Halsschmerzen verschont, sagt der Volksmund. Am Vigil-Tag (Vorbereitungsfeier am Tag vor bestimmten Festen) vor Dreikönig werden zum Andenken an die Taufe Jesu Wasser und Salz geweiht. Diese Wasserweihe ist sehr alt und geht auf einen Brauch aus dem 4. Jahrhundert zurück, das Wasser des Nil in Alexandrien und das Wasser des Jordan in Palästina zu segnen. Im 11. Jahrhundert wurde die Wasserweihe im Westen übernommen und mit einer Salzweihe verbunden. Dieser Brauch steht in Verbindung mit der Taufe, zu welcher geweihtes, mit Salz gegen Verderbnis geschütztes Wasser verwendet wurde. In der frühen Kirche war der Dreikönigstag neben Ostern einer der großen Tauftage, an denen die Neubekehrten in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen wurden. Heute werden zusammen mit Wasser und Salz auch der Weihrauch und die Kreide gesegnet, die zum Haussegen verwendet werden. Das geweihte Dreikönigswasser soll böse Geister abwehren und sieben Jahre lang nicht verderben.

Zum Dreikönigstag rücken die Krippenbauer der Nordoberpfalz in ihren Krippen die drei Könige mit ihrem Gefolge von Dienern, Elefanten und Kamelen näher an den Stall von Bethlehem. In der Krippe erscheinen nun die Könige, als ob sie es kaum erwarten könnten, das lang gesuchte, geheimnisvolle Kindlein kennen zu lernen. Oft stehen diese Figuren während der Geburts-Nacht in der Nähe des Stalles. Die Huldigung der Magier gehört spätestens auf den 13. Tag nach der Heiligen Nacht. Nun müssen die anbetenden Hirten weichen. Sie kehren meist auf ihr Feld zurück.

Exotisches Leben

Durch den Auftritt der Könige kommt in das stille Bild der Krippe glänzendes Leben, der Zauber von Fremde und Reichtum breitet sich aus, Pferde mit Reitern, ein geheimnisvolles Trampeltier und ein exotischer Elefant mit edlen Reitern, gehüllt in glänzende Stoffe und edle Metalle mit leuchtenden Farben beeindrucken alljährlich die Besucher der Krippenschauen. (cr)

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