03.08.2018 - 18:44 Uhr

Die Welt mit Kinderaugen sehen

Die Neugier auf das Leben ist grenzenlos, Vorurteile gibt es nicht. Kinder leben unbeschwert in den Tag hinein. Versuchen Sie das auch gelegentlich, rät die OWZ-Glücksexpertin.

Regen ist kein Grund für schlechte Laune, sondern endlich die passende Gelegenheit, durch die Pfützen zu springen. 	Bild: exb/MNStudio – stock.adobe.com Bild: exb/MNStudio – stock.adobe.com
Regen ist kein Grund für schlechte Laune, sondern endlich die passende Gelegenheit, durch die Pfützen zu springen. Bild: exb/MNStudio – stock.adobe.com

Letztens am Straßenrand: "Schau mal, Papi", sagt das kleine Mädchen begeistert. "Schau mal, die schönen Blumen!" "Das ist doch nur Unkraut", sagt der Vater abwertend und geht ungerührt weiter. "Also, ich finde die Blumen wunderschön ..." Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wie die Welt aussehen würde, wenn wir sie wieder durch die Augen eines Kindes betrachten? Eine Blume ist eine Blume - ob sie nun gemeinhin als Unkraut gilt oder den teuren Strauß aus der Floristikabteilung schmückt. Ein Freund ist ein Freund - ob dieser nun eine dunkle Haut hat oder eine helle, gesund ist oder krank, laufen kann oder nicht.

Regen ist kein Grund für schlechte Laune, sondern endlich die passende Gelegenheit, mit den neuen Gummistiefeln durch die Pfützen zu springen. Und der grüne Lieblingspullover wird abgöttisch geliebt und am liebsten jeden Tag getragen, egal ob er anderen nun gefällt oder nicht. Wenn man Eis isst, isst man eben Eis - und wenn man spielt, spielt man. Sinnloses Grübeln gibt es nicht, es wird der Moment gelebt. Und es ist gerade herzlich egal, was andere über einen denken. Wenn man nicht mit den anderen spielen oder reden will, dann tut man es nicht. Und wenn man müde ist, schläft man eben ein.

Die Neugier auf die Welt ist grenzenlos, Vorurteile gibt es nicht. Es wird unbeschwert in den Tag hinein gelebt - und sogar das Unmögliche für möglich gehalten. "Die Kinder kennen weder Vergangenheit noch Zukunft", wusste schon Jean de La Bruyère im 17. Jahrhundert. "Und - was uns Erwachsenen kaum passiert - sie erfreuen sich der Gegenwart." Unsere Kinder können also nicht nur viel von uns lernen, sondern wir auch von ihnen. Lassen Sie sich doch einfach mal wieder anstecken von dieser Unbeschwertheit und Begeisterung. Und denken Sie einmal nicht darüber nach, was nun andere davon halten mögen. Denn eigentlich ist es doch genauso, wie Kinderbuchautor Onorato Fava mal sagte: "Kinder sind kleine Menschen, Menschen sind große Kinder." Leider scheinen wir das viel zu oft zu vergessen. Wir halten uns für so vernünftig und logisch denkend, für so erwachsen und gebildet - und haben doch verlernt, uns über die kleinen Dinge wie schönen Blumen am Straßenrand zu freuen. Wie erkannte der kleine Prinz aus Saint-Exupérys gleichnamigem Meisterwerk so schön: "Alle großen Leute waren einmal Kinder, aber nur wenige erinnern sich daran." Ändern Sie das - und sehen Sie die Welt doch wieder einmal aus Kinderaugen. Dann ist es auch ganz einfach mit dem Glück. Denn dafür reicht ein Teller mit ihrem Lieblingsessen oder eine Regenpfütze. (ewa)

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