25.09.2018 - 16:29 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Bewährung nach geplatztem Coup

Geht jemand, der Arbeit sucht, nachts mit Trennschleifer und Brechwerkzeug zu Fuß auf Tour? Plausible Antworten gibt es vor Gericht nicht. Verhandelt wird ein Einbruchsversuch ins Elektronik-Versandhaus Conrad in Wernberg-Köblitz.

von Autor HOUProfil

Die Geschichte klang abenteuerlich. Zwei vor die Amberger Richterin Sonja Tofolini in Fußfesseln geführte Männer schilderten sie so: Erst nach Holland gereist, um Geld zu verdienen. Dort um ihre Habe bestohlen und dabei auch die Ausweise eingebüßt. Dann per Lkw-Stopp bis in den Raum Nürnberg gelangt und zu Fuß weiter. Zum Schluss eher zufällig an der Autobahn bei Wernberg-Köblitz eingetroffen.

Fest stand: Die beiden 37 und 35 Jahre alten Männer aus Südosteuropa betraten am 17. April dieses Jahres das Conrad-Verkaufsgeschäft neben der A 93 und sahen sich um. Das zeichneten Videokameras auf. Dann gingen sie wieder und kamen gegen 23.15 Uhr zurück. Ab dann wurde es kriminell. Beide zogen sich Schals bis vor die Augen, trugen Handschuhe.

Alarm schlägt an

Filmaufzeichnungen belegten: Zuerst wurde nicht weit vom Hauptportal entfernt ein Zaun per Trennschleifer durchgeschnitten. 20 Meter weiter kam das gleiche Werkzeug zum Einsatz, um ein Rollgitter zu öffnen, das vor einem Nebeneingang herabgelassen war. Als das nicht zum Erfolg führte, wurde eine Art Brecheisen geholt. Als Beide damit vordringen wollten, löste sich eine Alarmanlage aus. Über 7000 Euro Schaden war bis dahin entstanden.

Als die Täter keinen Weg mehr sahen, auf dem sie in den Laden hätten gelangen können, türmten beide in ein nicht weit entferntes Waldgebiet. Die Polizei schickte unterdessen alle verfügbaren Kräfte und forderte auch einen Hubschrauber an. Vom Helikopter aus entdeckte man die Einbrecher. Sie wurden festgenommen und in U-Haft gebracht.

Im Prozess bestand nun der Verdacht, dass da noch jemand seine Hände im Spiel hatte, der womöglich mit einem Fahrzeug wartete. Denn wie hätte die Beute abtransportiert werden sollen? In Erklärungen hieß es: "Wir waren nur zu zweit." Das Gegenteil war nicht zu beweisen. Ansonsten hätte die Anklage auf schweren Bandendiebstahl gelautet.

Konnte man die Angeklagten nach fünfmonatiger Untersuchungshaft auf freien Fuß setzen? Staatsanwältin Julia Weigl verneinte das und sah keine Gründe für Bewährung. Sie forderte ein Jahr und vier Monate zum Absitzen für beide Beschuldigte, die im Prozessverlauf ihren Einbruchsversuch zugegeben hatten. Die beiden Verteidiger Ekkehard Zink (Amberg) und Thomas Dolmanyi (Nürnberg) waren anderer Ansicht und sahen sehr wohl Gründe, die zwei Männer auf freien Fuß zu setzen.

Beide wollen arbeiten

Richterin Tofolini verhängte Haftstrafen in Höhe von 15 Monaten und gab Bewährung. Sie hielt eine günstige Sozialprognose für gegeben. Dabei stützte sie sich auf die Beteuerung der Männer, sie hätten Arbeit, wenn sie heimkämen. Zudem auch wartende Lebenspartnerinnen. So durften sie gehen. Einer von ihnen hatte in seinem Heimatland zehn Vorstrafen und saß dort auch schon geraume Zeit hinter Gittern.

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