Damit Grill und Co. nicht zur Todesfalle werden: Experten warnen vor diesen Heiz-Modellen

Wernberg-Köblitz
04.11.2022 - 11:48 Uhr

"Jetzt wird's brenzlig." Feuerwehr und Kaminkehrer machen im Landkreis Schwandorf mobil gegen lebensgefährliche Heiz-Experimente. Vor einem Effekt warnen sie ganz besonders.

Die Energiekrise wird in diesem Winter Entwicklungen zutage fördern, die den Feuerwehren nach einem stressigen Sommer nun auch einen Winter mit vielen Einsätzen bescheren könnten. Deshalb geht jetzt, im noch milden Herbst, der Blick Richtung Brennstätten. Denn neue Ideen, wie das Zuhause kostensparend beheizt werden könnte, sind teils lebensgefährlich. Teelicht-Öfen, eine Konstruktion aus Teelichtern und Blumentöpfen ist nur eine von vielen Alternativen, die da Sorge bereiten.

Bei einem gemeinsamen Pressegespräch im Feuerwehrhaus von Oberköblitz warnen Kreisbrandmeister Christian Demleitner und der Obermeister der Kaminkehrer-Innung, Peter Wilhelm vor kreativen Heizmethoden, deren Folgen viele nicht auf dem Schirm haben. "Wir haben nun einen anderen Personenkreis und nicht mehr die Generation, die schon immer mit Holz geheizt und gekocht hat", gibt Demleitner zu bedenken. "Jeder tut, was er kann, um die Gas-Notlage schadlos zu überstehen", so Kaminkehrer Wilhelm, der schon immer dafür plädiert hat, "sich auf drei Beine zu stellen": Strom, eine zentrale Versorgung und eine Einzelfeuerstätte. So könne man sicher sein, nicht in eine Notlage zu geraten.

Kleine Ursache, üble Folgen

Doch gerade beim letzten Punkt sieht Wilhelm nun Gefahr, beispielsweise wenn stillgelegte Feuerstellen ohne vorherige Überprüfung reaktiviert werden: Möbel und Deko sind vielleicht in der Zwischenzeit näher an Abgasrohre gerückt, Abzugshauben entwickeln in sanierten Altbauten mit dichten Fenstern einen kräftigen Sog, und ob ein alter Ofen überhaupt noch betrieben werden darf, ist auch fraglich. "Auch was die Materialien betrifft, die verheizt werden, wollen wir präventiv sein", sagt der Kreisbrandrat. "Das sind kleine Rädchen, die eine Bedeutung bekommen", warnt er vor einer "Entsorgung" ungeeigneten Materials im Ofen: "Ein Kaminbrand ist da vorprogrammiert, wer so etwas macht spielt mit der Gesundheit und dem eigenen Leben." Klein, aber keineswegs harmlos können auch Teelichter in größeren Mengen sein. "Ich hab das selbst erfahren, wie schnell so ein Tablett unter den Lichtern heiß wird", erzählt der Kaminkehrer.

Ausgesprochen tückisch wird es, wenn "Lagerfeuerromantik" in Wohnräume einzieht: Ein Grill, Heizpilz oder -Strahler, und Ethanol-Öfen, alles, was mit offener Flamme betrieben wird, sei im Zimmer unter Umständen fatal. "Vieles ist nur für gut belüftete Räume gedacht, braucht eine Frischluftzufuhr und einen Abzug", erklärt Demleitner. Wird über längere Zeit auf diese Art Wärme produziert, dann verbraucht das den Sauerstoff in der Luft, es entsteht Kohlenmonoxid. "Ein farb- und geruchloses Gas, das macht es besonders tückisch", ergänzt Wilhelm.

Sechs Totesopfer

"Lüften reicht da oft nicht", sagt Demleitner, der sich noch gut an einen Fall vor fünf Jahren erinnert, als sechs Jugendliche in einer Gartenlaube an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung starben. Auch die Feuerwehr kann das Gas nur mit Hilfe eines speziellen Messgeräts aufspüren. "Notlage hin oder her, die Sicherheit hat Vorrang vor dem Einspareffekt", stellt der Kreisbrandmeister klar und empfiehlt, bei allen Neuerungen auf jeden Fall mit den Fachleuten zu sprechen. Fünf bis zehn solcher Beratungen fallen allein im Bezirk von Kaminkehrer Wilhelm täglich an.

Die Tatsache, dass der Markt bei Holzöfen leer gefegt ist und eine Lieferzeit aktuell 13 Monate beträgt, macht es nicht einfacher. "Viele besorgen sich jetzt einen Holzofen auf dem Gebrauchtmarkt, aber das ist mit Vorsicht zu genießen ", gibt Wilhelm zu bedenken. Manches Modell, das einmal in der EU in den Verkehr gebracht wurde, dürfe zwar gehandelt, aber an einem neuen Ort nicht mehr betrieben werden", warnt er vor mit Blick auf das Bundesimmissionsschutzgesetz vor Einkäufen beispielsweise im benachbarten Tschechien.

Ruf als "Glücksbringer"

Mit all diesen Warnhinweisen im Gepäck will die Zunft der Kaminkehrer nicht zuletzt auch sicherstellen, dass der Dienstleister weiterhin Glücksbringer bleibt. Diesen Ruf hat dem vormals fahrenden Volk nämlich laut Wilhelm vor Jahrhunderten ein ganz realer Umstand eingebracht: "Immer dort, wo die Kaminkehrer zuvor da waren und gereinigt haben, hat es hinterher nicht so oft gebrannt."

Hintergrund:

Tabus und Regeln für wohlige Wärme

  • Tabu für Innenräume: Kohle- oder Gasgrills, Gas-Heizstrahler, offenes Feuer wie z.B. In der Feuerschale, Ethanol-Öfen, Teelicht-Öfen
  • Beim Kauf beachten: Prüfkennzeichen wie GS oder TÜV,
    Bedienungsanleitungen
  • Nicht auf Dauer: Heizlüfter und Heizdecken oft nicht für ständigen Gebrauch geeignet (Abschaltautomatik nutzen)
  • Kabel im Blick: nie zu nah an der Wärmequelle
  • Stecker ziehen: bei Geruch nach verschmortem Kunststoff, bei Rissen oder anderen Schäden
  • Hausinstallation: kein Betrieb an Mehrfachsteckdosen, Heizlüfter von Wasser und Brennbarem fernhalten, nicht zu viele leistungsstarke Geräte auf einmal betreiben
  • Abkühlen:vor dem Verstauen von Heizgeräten etwas warten, Aschereste sicher in Metalltonnen entsorgen (Quelle: Landesfeuerwehrverband Bayern)
  • Bei Kaminbrand: umgehend die Feuerwehr alarmieren, keineswegs selbst mit Wasser löschen (Gefahr einer explosionsartigen Freisetzung von Wasserdampf mit großem Schaden)
 
 

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