11.01.2021 - 09:41 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Gasthaus Braun schließt nach fast 70 Jahren

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Jahrzehntelang zog das Gasthaus Braun in Diebrunn zahlreiche Gäste an. Vor allem durch den "Böhmischen Abend" wurde es über die Grenzen der Region hinaus bekannt. Diese Zeiten sind vorbei: Das Gasthaus ist geschlossen.

Die Wirtsleute Johann und Rosmarie Braun vor ihrem beliebten Gasthof, der nun geschlossen ist.
von Anton (Rufn. Toni) WildProfil

„Sag beim Abschied leise Servus…“: Mit diesem Titel eines alten Schlagers von Peter Alexander hat sich nach fast 70 Jahren erfolgreicher Wirtshausgeschichte das Ehepaar Rosmarie (70) und Hans Braun (79) in einem Zeitungsinserat verabschiedet. Mit Beginn des Jahres 2021 gingen sie in den wohlverdienten Ruhestand und haben ihr beliebtes familiengeführtes Wirtshaus geschlossen.

Tatsächlich war dieser Schritt keine leichte Entscheidung für beide, denn sie waren mit Leib und Seele und mit ganzem Herzen Wirtsleute, die sich über ihre zahlreichen Gäste, darunter viele Stammgäste und Vereine, immer freuten und die Abwechslung und Lebendigkeit, die so ein Dorfwirtshaus mit sich bringt, jeden Tag genossen. „Allerdings ist das letzte Jahr schon sehr anstrengend geworden mit Corona und den damit verbundenen Umständen, sodass wir uns entschlossen, nun wirklich Schluss zu machen“, ist sich Ehepaar einig. Beide blicken jetzt zufrieden auf ihr Lebenswerk zurück.

Gefragtes Ausflugsziel

Gegründet wurde die Gaststätte Braun vor sieben Jahrzehnten von Hans Brauns Eltern Margareta und Josef Braun. Schon damals war der „Braun in Diebrunn“ ein angesagtes Ausflugsziel, bekannter derzeit vielleicht sogar als „Drei-Mäderl-Haus“ – obwohl eigentlich fünf Töchter und drei Söhne da waren.

Auch die Dorfbewohner trafen sich gerne in der gemütlichen Hutzastub`n, um Neuigkeiten in geselliger Runde auszutauschen, zu singen und um miteinander auf den Feierabend anzustoßen. Und wenn es mal später geworden ist, hieß es von der Senior-Wirtin nicht selten: „Guad Nacht! Der letzte macht s`Löicht as und draht`n Schlüssel um!“

Größere Gaststube

1966 baute Sohn Hans das Dorfwirtshaus um und erweiterte es um eine größere Gaststube mit Nebenzimmer. 1970 heiratete er seine Frau Rosmarie, worauf die Wirtschaft auch gleich an die nächste Generation übergeben wurde.

Ihre fünf Kinder wuchsen mit dem Wirtshaus auf und arbeiteten nicht nur mit, sondern entdeckten recht bald ihre Leidenschaft: Die bodenständige Oberpfälzer Wirtshausmusik. Alle Fünfe lernten nicht nur ein Instrument, denn neben den Blasinstrumenten, mit denen sie bei den Naabtaler Musikanten mitspielten, war die Stubenmusik ihre große Stärke: Johannes am Akkordeon, Heidi an der Gitarre, Rosmarie auf der Zither, Margret an der Klarinette und Irene auf dem Hackbrett.

Als Josef Holzgartner und Rudolf Bergold 1987 den „Böhmischen Abend beim Braun in Diebrunn“ gründeten, wurde das Gasthaus sehr schnell zum Inbegriff Oberpfälzer Wirtshauskultur. „Immer am zweiten Monat im ungeraden Monat wurde a wengerl böhmisch, a bisserl bayrisch und ganz viel oberpfälzerisch mit viel Herz musiziert und gesungen“, erzählt Irene. „Von 1989 bis zum Januar 2020 führten wir Geschwister Braun durchs beliebte und bewährte Programm. Die Gäste – Musikanten, Sänger, Mundartdichter und Freunde – kamen in Scharen aus der ganzen Oberpfalz und auch darüber hinaus.“ Genau vor einem Jahr fand nun der letzte Böhmische Abend statt. „Es war wohl einer der Schönsten in seiner über 30jährigen Geschichte“, betont sie.

Bodenständige Musik und viel Spaß: Der böhmische Abend

Diebrunn bei Wernberg-Köblitz

Viele Vereine nutzten diese Traditionsgaststätte als ihr Vereinslokal, so die Naabtal-Schützen (die übrigens auch weiterhin ihre Bleibe im Schießstand in Diebrunn haben werden), die Köblitzer-Buam, die Schramml-Kassa und der Kulmbacher-Fanclub. Auch die Oberköblitzer Feuerwehr hielt hier gerne einen Stammtisch ab.

„Der Braun“ galt weithin als beliebtes Ziel für eine Einkehr mit einer zünftigen Brotzeit nach Wanderungen oder Radtouren, nach einer gelungenen Treibjagd, für Schulklassen beim Wandertag, zum Fischessen, für Versammlungen und Familienfeiern – oder einfach, um im gemütlichen Biergarten gemeinsam unter den Kastanien zu sitzen und zu plaudern. So verliert Wernberg-Köblitz mit „dem Braun“ ein beliebtes und weithin bekanntes Traditidionswirtshaus, das sicher vielen Leuten in der „Nach-Corona-Zeit“ fehlen wird.

Zum Salzstadel in Schmidmühlen wurde geforscht - er ist gar keiner

Schmidmühlen
Die "Geschwister Braun" bei einem ihrer vielen Auftritte. Das Bild zeigt (von links) Johannes, Irene, Heidi und Rosmarie.
Diese Aufnahme aus den 50er Jahren zeigt das alte Wirtshaus.
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