08.04.2021 - 18:46 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Impfstoff bleibt Mangelware: Nicht alle Hausärzte beliefert

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Der Stoff gegen Covid-19 ist heiß begehrt, die Liste der Impfwilligen lang. Doch nicht überall kommen die bestellten Dosen in den Hausarzt-Praxen auch an. Der Verteilungsschlüssel gibt Rätsel auf.

Der Stuhl für Impfwillige in der Praxis von Dr. Franz Josef Putz (links) blieb am Donnerstag leer: Die bestellten Corona-Impfstoffe konnten nicht geliefert werden, Arzthelferinnen wie Ramona Hägler (rechts) mussten Interessierte auf einen späteren Zeitpunkt vertrösten.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Wir stehen in den Startlöchern, aber weil wir keinen Impfstoff kriegen, fehlt der Startschuss", sagt Dr. Franz Josef Putz aus Wernberg-Köblitz. Für den späten Donnerstagnachmittag hatte der Allgemeinmediziner eigens eine Impf-Sprechstunde eingeplant. Dann am Donnerstagmorgen die Nachricht: Es gibt keinen Impfstoff. Dabei war zunächst ohnehin nur eine geringe Menge von "unter 20 Dosen" bestellt, um Erfahrung beim Ablauf zu sammeln. Inzwischen wird die Warteliste für die Impftermine immer länger.

"Ich würde mich gerne für einen Impftermin anmelden." Diesen Satz hören die Arzthelferinnen in den Hausarzt-Praxen im Landkreis Schwandorf derzeit ständig. "Wir haben allein in der Priorität eins 50 Personen auf der Liste, und das ist nur ein Teil derer, die sich bei uns impfen lassen wollen", berichtet Dr. Putz. "Die Leute rennen uns die Türen ein, um einen Impftermin zu bekommen." Dass die Hausärzte impfen sollen, hatte sich schnell herumgesprochen. "Wir hatten uns vorbereitet, den Impfstoff schon vor Ostern bestellt und alles geplant, jetzt bin ich perplex, dass nichts da ist und möglicherweise auch nächste Woche noch nichts kommt", sagt der Arzt. Dabei habe es sich in seinem Fall nicht um eine Riesenmenge gehandelt. "Vielleicht hätte ich mehr bestellen sollen", überlegt er angesichts des Umstands, dass andere Praxen im Landkreis bereits beliefert wurden.

Viel würde er dafür geben, dass sich die Impfung nicht noch weiter verzögert, sogar Extra-Touren am Wochenende in Kauf nehmen. Und das, obwohl der bürokratische Teil auch für Hausärzte nicht ohne ist. Der Facharzt für Allgemeinmedizin zählt auf: eine Liste führen, die Aufklärung machen, nach der Impfung eine 15-minütige Beobachtungszeit einplanen, täglich die Anzahl der Geimpften über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) ans Robert-Koch-Institut melden. "Logistisch ist das ein enormer Aufwand", gibt er zu bedenken. Dann sind da noch die Hausbesuche bei impfwilligen Patienten, die aus gesundheitlichen Gründen nicht in die Praxis kommen können. "Da dauert dann ein Hausbesuch etwa 40 Minuten, weil man ja auch die Beobachtungszeit nach der Impfung einrechnen muss", sagt Putz und fügt hinzu: "Man hätte es ja gemacht, aber wenn man gar nicht planen kann...".

Aktuell läuft die Impfstoffverteilung über die Apotheken, die wiederum vom Großhandel beliefert werden. "Die Ärzte können etwa eine Woche im Voraus bestellen, Minimum sind 18 Dosen, die Apotheker sammeln die Bestellungen und reichen sie an den Großhandel weiter", informiert Lena Riemann-Mosinski, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit beim Bayerischen Apothekerverband. Verteilt werde die verfügbare Ware derzeit prozentual: "Wer mehr bestellt, kriegt auch mehr."

Dass jemand leer ausgehe, sei ihr bis jetzt nicht bekannt, erklärt sie auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Allerdings sei der Impfstoff tatsächlich zu knapp, um den Bedarf zu decken. "Der Großhandel kann auch nur das verteilen, was er kriegt", gibt die Apotheken-Sprecherin zu bedenken. Aktuell sind es die Vakzine von Biontech/Pfizer, die bei den Hausärzten ankommen sollen. Bei diesem Impfstoff ist schnelles Handeln gefragt: Aufgetaut darf er nur fünf Tage kühl gelagert werden.

Vom Konkurrenten aus dem Hause Astrazeneca ist Hausarzt Putz ohnehin wenig begeistert, auch wenn hier die Handhabung einfacher ist . "Bei diesem Impfstoff sagen viele Leute klipp und klar: dann lieber nicht", berichtet der Mediziner aus Wernberg-Köblitz. Weil die Patienten in diesem Fall extrem verunsichert sind, bestehe erheblicher Diskussionsbedarf. "Selbst die Älteren lehnen den Wirkstoff ab", schildert er weitere Hürden auf dem Weg zur schnellen Impfung. Immerhin, die Pressesprecherin des Bayerischen Apothekerverbandes hat noch eine gute Nachricht auf Lager: Der Impfstoff-Engpass bei der Lieferung an die Hausärzte werde sich noch in der nächsten Woche entspannen, meint sie und verspricht: "Da kommt noch mehr."

"Wir stehen in den Startlöchern, aber weil wir keinen Impfstoff kriegen, fehlt der Startschuss."

Dr. Franz Josef Putz

Dr. Franz Josef Putz

Hintergrund:
  • Zeitplan: Seit 31. März ist in Bayern eine Coronavirus-Schutzimpfung in 1635 Arztpraxen möglich, ab dieser Woche mit Einbindung von bayernweit insgesamt rund 8500 Arztpraxen, mehrheitlich sind in dieser ersten Phase Hausärzte beteiligt. Sobald im Laufe des Aprils mehr Impfstoff zur Verfügung steht, ist geplant, auch die Fachärzte zu beteiligen.
  • Priorität: Maßgeblich für die Coronavirus-Schutzimpfung ist die Prioritätenvorgabe der Impfverordnung. Die Arztpraxen sollen laut Ministerium dabei zunächst "schwerpunktmäßig immobile Patienten in der eigenen Häuslichkeit" versorgen sowie Personen mit Vorerkrankungen, die ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung haben.
  • Impfstoff: Die bayerischen Hausärzte erhielten vor Ostern den aktuell nur für über 60 Jahre alte Menschen vorgesehenen Astrazeneca-Impfstoff. Ab dem bundesweiten Impfstart am 6. April wurde der Biontech-Impfstoff an die Ärzte geliefert. Laut Bayerischem Apothekerverband beträgt die Mindestabnahmemenge bei Bestellungen aktuell 18 Dosen, maximal gibt es 48 Dosen. Derzeit gibt es den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Wegen der Impfstoffknappheit beinhaltet der Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus-SARS-CoV-2 nach der Corona-Impfverordnung nicht das Recht, den Impfstoff eines bestimmten Herstellers zu wählen.
  • Anmeldung: Viele Hausärzte melden sich bei ihren Patienten, um einen Termin zu vereinbaren, denn in der Anfangsphase mit wenig Impfstoff könnten zahlreiche Anrufe den Ablauf in der Praxis blockieren. Eine Anmeldung bei dem Online-Portal "BayIMCO" ist für den Termin beim Hausarzt nicht notwendig. Wer vom Hausarzt geimpft wurde, sollte seine Anmeldung anschließend selbst löschen.

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