Wernberg-Köblitz
06.10.2019 - 16:09 Uhr

Marianne Schieder: 25 Jahre Abgeordnete in München und Berlin

Als Quereinsteigerin landet Marianne Schieder in der Politik - jetzt ist sie seit 25 Jahren Abgeordnete für die SPD. Mit den Oberpfalz-Medien spricht sie über Konstanten und Veränderungen in einem Vierteljahrhundert.

Im Büro von Marianne Schieder in Wernberg-Köblitz hängt noch das Plakat, mit dem sie vor 25 Jahren bei der Landtagswahl in Bayern für sich warb. Warum da "Maria Anna" steht erklärt sie im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien. Bild: Hösamer
Im Büro von Marianne Schieder in Wernberg-Köblitz hängt noch das Plakat, mit dem sie vor 25 Jahren bei der Landtagswahl in Bayern für sich warb. Warum da "Maria Anna" steht erklärt sie im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien.

Gleich neben dem Eingang in ihr Büro hängt das erste Wahlplakat "Maria Anna Schieder. Für Land und Leute - eine von uns" lautete 1994 der Slogan, mit dem die SPD-Politikerin antrat. Warum Maria Anna? "So bin ich getauft, weil es für Marianne keinen Namenstag gibt", sagt Marianne Schieder, und bei der Wahl musste es genau gehen.

"Ich bin eine Quereinsteigern", erzählt die 57-jährige Bundestagsabgeordnete am Esstisch in ihrem Haus in Wernberg-Köblitz. Seit 25 Jahren vertritt sie den Landkreis als Abgeordnete, zunächst im Bayerischen Landtag, seit 2005 im Bundestag. Im Vorfeld der Landtagswahl 1994 forderten die Sozialdemokraten Frauen auf, sich um Kandidaturen zu bewerben. "Da fand ein Treffen in Regensburg statt. Ich bin da einfach mal hingefahren", so Schieder. Die Volljuristin war seit 1990 Mitglied bei den Genossen, hauptamtlich Landesgeschäftsführerin der Katholischen Landjugendbewegung Bayern. Jugend- und Bildungspolitik waren also ihr Metier, zumal sie eigentlich Lehrerin werden wollte. Studienberater rieten ihr ab, sie studierte Jura. Wie bei vielen aus dieser Generation spielte der Widerstand gegen die WAA auch für Schieder eine Rolle, sich politisch zu engagieren. Die Quereinsteigerin trat also zur Nominierung für den Landtags-Stimmkreis an, der damals neben dem nördlichen Landkreis Schwandorf auch Teile der Kreise Amberg-Sulzbach und Neustadt-/Waldnaab gehörten. Schieder ging bei der Nominierung in die Kampfkandidatur gegen Reinhold Strobl. Und gewann. "Ich bekam überraschend Platz zwei auf der Oberpfalzliste", erinnert sich Schieder.

Vertrauens-Vorschuss

"Ich ging da ziemlich unbedarft rein", erinnert sich Schieder an die erste Zeit im Landtag. Renate Schmidt führte die SPD. Schieder arbeitete im Landwirtschafts- und im Rechtsausschuss. Im Stimmkreis war Schieder viel unterwegs, um die Kommunen und Menschen kennenzulernen. Nominierung und Wahl das sei ein großer Vertrauensvorschuss in sie als Neuling gewesen. "Das wollte ich zurückgeben". 1998 wurde sie wieder über die Liste in den Landtag gewählt, ab 2002 übernahm sie den Vorsitz im Bildungsausschuss des Landtags. Auch 2003 wurde sie wieder in den Landtag gewählt, über die Liste.

"Schorsch Pfannenstein hat mich dann bearbeitet, dass ich für den Bundestag kandidiere. Ich wollte zunächst nicht", blickte Schieder zurück. Sie bat sich Bedenkzeit aus - die sich jäh verkürzte, als Bundeskanzler Schröder 2005 den Weg in Neuwahlen suchte. Schieder trat im Wahlkreis Schwandorf/Cham an, unterlag gegen Klaus Hofbauer (CSU). Über die Liste zog sie trotzdem in den Bundestag ein. "Den Landkreis Cham habe ich liebgewonnen," sagt Schieder. Auch wenn er kein gutes Pflaster für die Genossen ist, was die Wahlergebnisse angeht.

"Im Nachhinein bin ich froh, dass ich den Schritt getan habe," erzählt Schieder. In der Fraktion habe sie sich zunächst vor allem auf Themen konzentriert, die die Kommunen betreffen. "Ich wollte Landrätin werden." Schieder trat 2014 an, unterlag in der Stichwahl Thomas Ebeling (CSU). Vielleicht die schmerzlichste Niederlage ihrer Karriere.

Seit 2017 ist Marianne Schieder parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion. Da sind Management-Qualitäten gefragt. Im Ältestenrat des Parlaments geht's um Themen und Redezeiten, der innere Dienst der Fraktion ist zu organisieren, auch Veranstaltungen der Fraktion. "Das ist ziemlich viel Arbeit", sagt Schieder, aber das Thema Bildung verliert sie trotzdem nicht aus den Augen. Im Ausschuss für Kultur und Medien gehe es häufig um Förderprogramme für Jugendprogramme. Besonders beschäftigt sie zur Zeit auch das Programm "Orte der Demokratie", das auf eine Anregung von Bundespräsident Walter Steinmeier zurück geht. "Wir präsentieren Königsgräber, Schlösser", sagt Schieder, "aber viel zu wenig die bedeutenden Orte für unsere Demokratie."

Die wichtigsten Gesetze während ihrer Abgeordnetenzeit? Da fallen Schieder viele ein. Ganz am Anfang ging's noch darum, den Mutterschutz für weibliche Hausangestellte durchzusetzen. Heute nennt sie beispielsweise das Gute-Kita-Gesetz, dass zu einem regelrechten Boom beim Bau von Kindertagesstätten geführt habe. "Das können die Kommunen nicht alleine stemmen". Der ländliche Raum brauche auch diese Betreuungsmöglichkeiten, brauche die Städtebauförderung für die Attraktivität, ebenso Breitband- und Mobilfunkausbau . Da habe die Große Koalition einiges vorangebracht, was die Handschrift der SPD trage und für gleiche Lebensqualität in Stadt und Land sorge.

Kompromisse wichtig

Ob die "GroKo" hält, darauf möchte Schieder nicht wetten. Wenngleich sie wenig davon hält, dass die SPD in der Opposition die bessere Chance habe, wieder zu erstarken. Wenn's nach dem ginge, müsste die SPD in Bayern schon längst Spitzenergebnisse einfahren.

Was hat sich in den 25 Jahren in der politischen Diskussion geändert? Die Polarisierung habe zugenommen, so Schieder. Die Bereitschaft dazu, gute Kompromisse als Lösungen zu akzeptieren, schwinde. "Heute werden ultimative Forderungen gestellt. Wenn sie nicht komplett erfüllt werden, gilt das als Misserfolg". Dabei sei der Kompromiss doch ein Grundsatz der Demokratie, "um gemeinsam einen Weg zu finden, der für alle gut ist."

Und wie geht's mit Marianne Schieder weiter? Tritt sie bei den Kommunalwahlen 2020 an, womöglich als Landratskandidatin? Sie steht neben dem Plakat von 1994. "Für den Kreistag auf jeden Fall", sagt die Abgeordnete. Alles weitere lässt Marianne Schieder offen.

Georg Pfannenstein (rechts) gratuliert Marianne Schieder zur ersten Nominierung für den Bundestag. Das Schild weist die Richtung. Bild: Gerhard Götz
Georg Pfannenstein (rechts) gratuliert Marianne Schieder zur ersten Nominierung für den Bundestag. Das Schild weist die Richtung.
 
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