09.04.2020 - 16:24 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Ostergrüße aus dem Kinderhaus

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Die Fantasie kennt keine Ausgangsbeschränkung. Im Kinderhaus St. Anna in Wernberg-Köblitz hilft ihr das pädagogische Personal zusätzlich auf die Sprünge. Das mildert auch den Trennungsschmerz.

Mit dieser Oster-Post tröstet das Team vom Kinderhaus St. Anna die Kleinen, die von der Begegnung mit Gleichaltrigen abgeschnitten sind.
von Monika Bugl Kontakt Profil

In normalen Zeiten toben rund 100 Kinder durch die Räume des Kinderhauses St. Anna in Wernberg-Köblitz, aktuell sind es zwei. Weil ihre Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, haben sie die ganzen Spielsachen für sich alleine - und rein theoretisch auch ein 24-köpfiges Betreuerteam. "Macht der Großteil jetzt Urlaub?", fragen Außenstehende. Weit gefehlt! Wie in vielen anderen Kinderbetreuungseinrichtungen im Landkreis läuft in Wernberg die Ideenschmiede auf Hochtouren.

"Wir versuchen alles, damit der Kontakt nicht abreißt", berichtet die Leiterin des Wernberger Kinderhauses, Christine Lippert, aus der Einrichtung, für die wegen der Corona-Pandemie seit drei Wochen ein Betretungsverbot gilt. "Wir hatten keine Chance, die Kinder auf diesen Abschied vorzubereiten", bedauert sie und erzählt, wie bedrückend in diesen ersten Tagen die Stimmung im leeren Haus war. In dieser Lage wird die Homepage zum einzigen erlaubten Treffpunkt. Täglich wird sie gefüttert mit Links gegen die Langeweile, vom Erklär-Video zum Coronavirus, das "in den Körper klettern" kann, bis hin zu Spielideen mit Haushaltsgegenständen. Mit etwas gelber Farbe wird ein Pappteller zur Sonne, ein Plastiklöffel mutiert mit wenigen Accessoires zum dekorativen Huhn. Wer im Homeoffice ist, plündert das Internet nach praktikablen Anleitungen für bunte Kleinigkeiten aus Eigenproduktion. "Derzeit kann man ja nicht einfach in ein Geschäft für Bastelbedarf gehen und sich dort eindecken", gibt Christine Lippert zu bedenken.

Im Kinderhaus St. Anna in Wernberg hat das Personal bis vor wenigen Tagen fieberhaft an einer Osterpost für die Kleinen gearbeitet, die seit drei Wochen daheim bleiben müssen.
Neunburg vorm Wald

Die Mitarbeiterinnen Kerstin Bäumler und Beate Steindl-Rainer haben für das ganze Team und die beiden Kinder in der Notgruppe Mundschutzmasken genäht. "Die Oma eines unserer Kinder hat sogar schon 30 solcher Masken produziert und sich jetzt noch einem 50 Stoff-Zuschnitte für weitere abgeholt", berichtet die Kinderhaus-Leiterin vom enormen Zusammenhalt in diesen schweren Zeiten. Bei den Kleinen hält sich die Begeisterung für den ungewohnten Kopfschmuck in Grenzen. "Auf die Dauer klappt das nicht", wissen die Betreuer. Das gilt auch für die angeratene Distanz. "Beim Wickeln kann man eben nicht eineinhalb Meter Abstand halten", bedauert die Chefin der Einrichtung, "und wenn ein Kind weint, dann geht das auch nicht".

Das Händewaschen aber klappt schon ganz gut, wenn man dazu zweimal "Alle meine Entchen" singt. Während für einen Teil der Mitarbeiter das Internet zur Fundgrube wird, bedient sich der Rest aus einschlägiger Literatur. "Die meisten haben da viel Erfahrung, die anderen machen sich auf den Weg", sagt Lippert. Auch die Eltern sind mit eingebunden: Sabine Dorn liest seit über zwei Wochen jeden Tag ein paar Seiten aus dem Kinderbuch "Elias erlebt Ostern" vor.

Mitarbeiterin Sabine Schaal hat mit Mann Andreas und dem dreijährigen Sohn Jonas ein Video für die Homepage erstellt, auf dem ganz anschaulich erklärt wird, wie Seife die bösen Coronaviren verjagt. Der einzige männliche Mitarbeiter im Team, Dennis Goedke, kümmert sich um die Technik, die für die diversen Anregungen auf der Homepage nötig ist.

Spiegelei-Kuchen

Maske und Abstand

Aber auch die Kinder selbst sind gefordert, wenn es darum geht, für die in Altenheimen isolierten Senioren ein tröstendes Bild zu malen. Außerdem müssen sie sich Gedanken über ihre Lieblingsspeise machen. "Die Rezept-Sammlung wollen wir unserem Caterer übergeben, der auf dieser Basis sein Menü überdenken kann", berichtet die Kinderhaus-Leiterin. Passend zur Osterzeit erwarten kleine Köche und Bäcker aber auch jetzt schon Vorschläge, beispielsweise für einen einfachen Spiegelei-Kuchen. Beim Jonglieren zwischen der seit vier Wochen aktiven Kindergarten-App, der Oster-Post für 100 Kinder, dem großen Aufräumen und Abarbeiten von Checklisten - wie beispielsweise zum Brandschutz - lastet die große Leere nicht ganz so drückend auf dem Team. "Wir vermissen halt die Kinder so arg", bekommt Christine Lippert immer wieder zu hören. Für sie ist es deshalb wichtig, den Blick nach vorne zu richten: "Wir kommen nur weiter, wenn wir positiv denken", stellt sie fest, "es sind die Kinder, die uns das vorleben." Videos und Basteltipps unter: www.st-anna-kinderhaus -wernberg.de

Mit bunten Basteleien ist der Trennungsschmerz für Kinder und Senioren vielleicht ein wenig leichter zu ertragen.
Gemalt und "gestempelt" für Senioren: Dieses Häschenblid stammt von der dreijährigen Johanna und könnte fast mit moderner Kunst konkurrieren.
Ende gut, alles gut: Auch für die sechsjährige Julia gab es noch eine selbst gebastelte Osterkerze, nachdem ihre eigene einen anderen Abnehmer gefunden hatte.
Sabine Dorn liest seit zwei Wochenjeden tag ein Stück aus dem Buch "Elias erlebt Ostern" von Katja Simon und Bärbel Witzig.
David testet zusammen mit Erzieherin Nicole Schmidt den selbst genähten Mundschutz.
Das Team im Kinderhaus St. Anna denkt in der Osterzeit auch an einsame Senioren: Für sie ist dieses Mobile mit Huhn und Eiern bestimmt, das auch die Kinder in der letzten Post bekommen haben.
Risikogruppe bleibt daheim:

Risikogruppe bleibt daheim

"Wir sind ein Team, das zusammenhält": Darauf ist die Leiterin des Kinderhauses St. Anna, Christine Lippert, besonders stolz. Im Fall der Wernberger Einrichtung haben sich alle geeinigt, dass die Risikogruppe in Homeoffice arbeitet. Acht Erzieher aus Kindergarten und Krippe stehen für die Notgruppe zur Verfügung. Damit im Falle einer Ansteckung nicht das komplette Personal tangiert ist, arbeiten die Mitarbeiter Schicht im wöchentlichen Wechsel. Die noch vor dem Ernstfall gebastelten Osterkerzen haben trotz Corona und Ausgangsbeschränkung noch einen Weg zu den kleinen Produzenten gefunden. Pfarrer Markus Ertl hat sie gesegnet, danach konnten sie - einzeln- in der Kirche abgeholt werden. Auch die sechsjährige Julia, deren Osterkerze versehentlich von einem Kirchenbesucher "erworben" wurde, hat schließlich noch ein Exemplar nachgeschickt bekommen - und sich dafür mit einem Foto bedankt.

Wir kommen nur weiter, wenn wir positiv denken. Es sind die Kinder, die uns das vorleben.

Christine Lippert

Christine Lippert

Videos und Basteltipps unter:

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