05.07.2019 - 14:13 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Spielplatz mit Charme und ganz viel Schatten

"Zauberspielplatz" nennt die sechsjährige Anna das Gelände, das vor 42 Jahren auserkoren wurde, um Kinderherzen zu erfreuen. Der Charme des Areals im Jägerweg in Wernberg bringt Erwachsene zum Schwitzen – und manchmal auch einen Preis.

Der Spielplatz Feistelholz punktet mit guten Spielgeräten und ganz viel Schatten unter großen Bäumen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Im Schaukasten gleich neben dem Eingang zum Spielplatz Feistelholz hängt eine Urkunde, die Illustrator und Kinderbuchautor Janosch bunt gestaltet hat. Als eine der schönsten Nachbarschaftsaktionen bundesweit wurde das Wirken der Spielplatzfreunde Feistelholz 2018 honoriert. Ins Gewicht fielen dabei über vier Jahrzehnte, in denen Nachbarn und Freunde sich in Eigeninitiative um Spielgeräte, sauberen Sand und gemähten Rasen kümmern. Die ersten Kinder, die sich hier im Schatten großer Bäume austoben durften, haben längst Kinder oder gar Enkel.

Selbst an heißen Sommertagen ist der robuste Sandbagger in Betrieb. Am Spielturm wird das feinkörnige Material kübelweise hochgezogen, gesiebt und aufgeschüttet. Ein paar Meter weiter warten die Kinder, bis der Vordermann sich endlich in die Röhre wagt, um per Rutsche in dem riesigen Sandkasten zu landen, von dem die Kleineren kaum genug bekommen können. Der Sandbagger war die erste Anschaffung, die in die "Amtszeit" von Thomas Schlosser fiel. Er ist seit sechs Jahren Sprecher der Spielplatzfreunde, einer losen Gruppierung von Männern und Frauen, die für glückliche Kindertage gerne etwas zurückgeben wollen und dabei nicht unbedingt auf die öffentliche Hand bauen.

So oder ähnlich ging es auch den Gründern des Spielplatzes Feistelholz. In Eigenregie installierten sie 1977 mehrere Spielgeräte auf dem Areal, das ihnen die Gemeinde zugebilligt hatte. Eine riesige hölzerne Burg entstand da, wie es sie in den üblichen Spielgeräte-Katalogen nicht gibt. Die besonders attraktiven Geräte, vor allem aber auch das schattige Areal unter hohen Bäumen lockten Kinder und Eltern nicht nur aus der unmittelbaren Umgebung. Zeitweise gab es sogar Parkprobleme in der Sackgasse, weil der Spielplatz auch Besuchern aus den Nachbarkreisen eine Reise wert war.

Die Bäume, die sind unser Alleinstellungsmerkmal", sagt Michaela Schlosser, die zusammen mit ihrem Mann die Errungenschaften aus jüngerer Zeit vorstellt. Dazu gehört das Trampolin aus vandalismussicherem Gewebe, das fest in den Boden eingelassen ist. Sohn Tim demonstriert, wie gut es sich darauf hüpfen lässt. Mit elf Jahren ist er dem Spielplatz schon fast entwachsen. Auf der Seilbahn neben dam Sand-Areal schwingen sich schon Knirpse im Kindergartenalter in atemberaubenden Tempo durch die Luft.

"Viele der ursprünglichen Geräte mussten abgebaut werden, weil der Tüv sie nicht mehr abgenommen hat", erzählt Michaela Schlosser und erinnert an die Reifenschaukel mit Dreibein, die doch eigentlich ganz schön gewesen sei. 1999 gab es eine größere Renovierung auf dem Spielplatz. Immer wieder mussten Spenden gesammelt werden, um Altes zu ersetzen. Aber vor allem der Mangel an freiwilligen Helfern hatte bewirkt, dass der Spielplatz vor einigen Jahren auf der Kippe stand. Es folgte ein Aufruf, der genügend Idealisten ins Boot holte zum Rasenmähen, Müllausleeren und immer wieder Reparieren, denn wo viel gespielt wird, geht auch viel kaputt. "Eigentlich alles", stellt Thomas Schlosser nüchtern und ohne Schuldzuweisungen fest. Allein deshalb, weil viel aus Holz ist, muss ständig etwas gestrichen werden. "Der Pumuckl hier hat auch schon ganz schön gelitten", sagt seine Frau und deutet auf das farbige Bild auf dem Teerweg, das erst vor zwei Jahren aufgemalt wurde. So wie es aussieht, sind schon viele Kinderfüße drüber gelaufen.

Für Reparaturen gibt es sogar eine kleine Werkstatt im hinteren Teil des Geländes. Was an Arbeit anfällt, teilen sich etwa 30 aktive Helfer, an Thomas Schlosser liegt es, das Ganze zu organisieren. "Meistens arbeitet die ganze Familie mit", stellt der 51-Jährige fest und verweist auf fleißige Kuchenbäckerinnen oder Tochter Paula, die hier längst nicht mehr spielt, aber für die Nikolaus-Aktion als Engel agiert. "Es gibt auch noch ein paar Wenige, die von Anfang an dabei waren und jetzt mit ihren Enkeln kommen." Dann können sie feststellen, dass der alte Metall-Zug noch steht, mit neuem Anstrich und blockierter Ofentür, damit sich der Nachwuchs nicht die Finger einzwickt. Die Lok darf bleiben, auch wenn in nicht allzu ferner Zukunft ein Baumhaus gebaut wird. Das haben sich die Kinder in einer Umfrage gewünscht. Vielleicht kommt auch bald eine Kletterwand anstelle der Reifentreppe. Projekte gibt es genug. Was realisiert wird, hängt vor allem von den Spenden ab. Weil sich auch nicht jeder Baum ins nächste Jahrzehnt retten lässt, haben die Spielplatzfreunde für drei solcher Fälle einen Baumschnitzer engagiert. Er hat aus dem verbliebenen Stamm-Rest ein Tier gezaubert,. Der übrige Spielplatz-Zauber obliegt Familie Schlosser und dem Helfer-Team, das mit Blick auf die nächste Spielplatz-Generation schon eine Neupflanzung geplant: Baumspender erwünscht.

Der elfjährige Tim zeigt, wie gut man auf dem Trampolin hüpfen kann, das in den Boden eingelassen ist.
Auf dem Spielplatz geht oft mal etwas kaputt. Diesmal hält Thomas Schlosser den abgebrochenen Zwerg in Händen, der die Spendensäule bewachen sollte. Gut dass es im hinteren Teil des Geländes eine eigene Werkstatt gibt.
Dieser Zug aus Metall hat schon Generationen von kleinen Lokomotivführern überlebt.
Michaela und Thomas Schlosser, hier vor einem gefällten Baum, den nun ein geschnitzer Adler ziert, kümmern sich seit etwa sechs Jahren federführend um den Spielplatz Feistelholz.
Auch diese hölzerne Burg steht schon lange und hat in ihrem Dasein viele kleine Ritter und Burgfräulein gesehen.
Spielplatzfest :

Spielplatzfest

Einmal jährlich wird der Spielplatz Feistelholz zur Feiermeile. Über 100 Kinder finden sich dann zu dem festen Termin am 15. August ein. Heuer fällt das Fest auf einen Donnerstag. Die Feier startet mit einem Frühschoppen, es gibt Lose und eine Spielstraße, und durch die Siedlung fährt der "Feistelholz-Express". Wer sich für den Spielplatz engagieren oder etwas spenden will, kann sich über die E-Mail-Adresse tom.schlosser[at]gmxz[dot]de melden. "Wir sind froh, wenn sich jüngere finden mit Nachwuchs im Kindergarten", meint Thomas Schlosser, Sprecher der Spielplatzfreunde Feistelholz, der hofft, dass er so schon mal einen Draht zu einem potenziellen Nachfolger knüpfen kann.

Ein starkes Team: die Spielplatzfreunde Feistelholz.
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