22.06.2020 - 16:37 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Wernberg-Köblitz: Polizei beschlagnahmt Anhänger des Moskauer Circus

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Der Moskauer Circus ist mittlerweile in Fulda. Drei Anhänger hat er derweil bei seiner Unterstützerin Silvia Loew in Wernberg-Köblitz untergebracht. Am Sonntag hat die Polizei zwei davon beschlagnahmt. In ihnen soll Diebesgut sein.

Die Furchen in der Wiese zeugen noch vom Abtransport der zwei Anhänger des Moskauer Circus. Unterstützerin Silvia Loew kann nicht nachvollziehen, warum weder die Zirkusbetreiber noch sie als Besitzerin des Grundstücks von der Beschlagnahmung informiert wurden.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Wo der Moskauer Circus auftaucht, ist Ärger in der Regel nicht weit. Nachdem er nach dreimonatiger Zwangspause und langem Hin und Her seine Zelte in Weiden am vergangenen Donnerstag abgebrochen hatte, hat die Polizei am Sonntag zwei seiner Anhänger beschlagnahmt, die zwischenzeitlich auf einem Privatgelände von Silvia Loew in Wernberg-Köblitz abgestellt waren. Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien teilte die Polizeiinspektion Nabburg am Montag mit, den Beamten hätten Hinweise vorgelegen, dass sich darin Diebesgut befindet. Laut Aussage von Loew soll es sich dabei um ein Zelt handeln, das der Moskauer Circus 2019 an einen Schweizer Zirkus verkaufen wollte, der kurz darauf Insolvenz anmelden musste. Dubios an der Sache ist allerdings, dass das Zelt wegen einer Anzeige aus Österreich beschlagnahmt wurde.

Niemand informiert

"Ich habe durch Zufall auf einer Geburtstagsfeier davon erfahren, dass die Anhänger gerade abgeschleppt werden. Sonst hätte mich der Schlag getroffen, wenn ich das nächste Mal auf das Grundstück gekommen wäre und die Anhänger wären einfach weggewesen", sagt Loew. Sie sei sofort nach Wernberg-Köblitz gefahren. Den Abtransport verhindern konnte sie aber nicht. Ihrer Aussage zufolge haben die Betreiber des Circus Moskau, die Familie Frank, einen Besitznachweis für das Zelt. Sie könne nicht nachvollziehen, warum die Anhänger in einer Nacht und Nebelaktion abgeholt wurden und weder sie, noch die Besitzer davon in Kenntnis gesetzt wurden. Die Polizeiinspektion Nabburg teilt dagegen mit, dass sie die Zirkus-Betreiber nicht ausfindig habe machen können und dass es in Bezug auf Loew aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht erlaubt sei, Dritte über eine solche Maßnahme zu informieren. Loew allerdings weiß, dass der Zirkus mittlerweile ins hessische Fulda weiter gezogen ist, weil er in Bayern nach wie vor wegen der Corona-Beschränkungen nicht auftreten kann. "Der Zirkus hat 17 Aufleger aber nur vier Zugmaschinen. Die Anhänger, die sie nicht brauchten, hat die Familie derweil bei mir untergestellt", erklärt Loew. Wie es dazu kommen konnte, dass die Polizei die Anhänger wegen des Verdachts möglichen Diebesguts beschlagnahmt, der auf eine Anzeige aus Österreich zurück geht, kann sich Loew bislang nicht erklären.

Die Polizei hätte das regeln können, indem sie den Kontakt zu ihnen oder mir herstellt. Stattdessen hat sie dem eine Abschlepp-Maßnahme an einem Sonntag vorgezogen.

Silvia Loew über die aus ihrer Sicht in einer Nacht und Nebelaktion durchgeführte Beschlagnahmung der Zirkus-Anhänger

Silvia Loew über die aus ihrer Sicht in einer Nacht und Nebelaktion durchgeführte Beschlagnahmung der Zirkus-Anhänger

Zelt machte schon mal Ärger

Das Zelt sei bereits Ende 2019 einmal rechtlicher Zankapfel gewesen. Demnach habe es ein Schweizer Zirkus vom Circus Moskau kaufen wollen, konnte es aber wegen einer Insolvenz nicht bezahlen. Das Schweizer Unternehmen sei zu diesem Zeitpunkt bereits in Besitz des Zelts gewesen und habe es der Familie Frank nicht zurückgeben wollen. "Bei der Beschlagnahmung ist die Schweizer Zollbehörde auf einen Auflieger gestoßen, auf dem Moskauer Circus stand", sagt Loew. Nachdem die Familie Frank hätte nachweisen können, dass ihnen das Zelt gehört, habe sie es zurückbekommen. Warum aber jemand aus Österreich Besitzansprüche darauf stellt, darüber kann Loew nur mutmaßen: "Ich könnte mir vorstellen, dass da jemand geschädigt wurde. Vielleicht hat der insolvente Zirkus in seiner Geldnot das Zelt an jemand anderen verkauft."

Also alles ein großes Missverständnis? Laut Loew ja. Denn sie ist überzeugt, dass die Verwirrung auch ohne eine Abschlepp-Aktion hätte geklärt werden können. "Die Familie Frank kann beweisen, dass das Zelt ihnen gehört. Mir liegt das originale Prüfbuch vor. Die Polizei hätte das regeln können, indem sie den Kontakt zu ihnen oder mir herstellt. Stattdessen hat sie dem eine Abschlepp-Maßnahme an einem Sonntag vorgezogen, für die der Steuerzahler aufkommen muss. Am Sonntag ist das doppelt so teuer wie unter der Woche", sagt sie.

Lesen Sie hier: Der Moskauer Circus verlässt nach drei Monaten die Stadt Weiden

Weiden in der Oberpfalz

Klären angesagt

Loew habe alle Unterlagen an ihren Anwalt weitergeleitet, der prüfen soll, was hinter der Strafanzeige aus Österreich steckt. Dass der Moskauer Circus erneut auf Einnahmen verzichten muss, weil er anstelle von zwei parallelen Vorstellungen, die er in Fulda wegen der Corona-Regelungen anbieten wollte, nur eine geben kann, stößt Loew sauer auf. Weitere polizeiliche Ermittlungen dürften zudem mehr Licht in den dubiosen Fall um das beschlagnahmte Zelt bringen.

Lesen Sie hier die Vorgeschichte zum Moskauer Circus und Silvia Loew

Weiden in der Oberpfalz
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