29.05.2020 - 10:51 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Keine Zwangsräumung in Weiden: Silvia Loew kämpft für "Moskauer Circus"

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Die Zwangsräumung des Festplatzes ist zunächst abgewendet. Eine "private Initiative" versucht laut Stadt, zwischen Kommune und "Moskauer Circus" zu vermitteln. Es handelt sich um Silvia Loew.

Der gesamte Fuhrpark des "Moskauer Circus" muss neu zugelassen werden. Silvia Loew will nicht nur die Gebühren dafür bezahlen, sie kümmert sich auch um die Abwicklung.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

"Aus reiner Menschlichkeit" setze sie sich für den "Moskauer Circus" ein, sagt Silvia Loew. "Als Einzelperson. Hinter mir steht keine Partei oder was auch immer." Silvia Loew ist die Witwe des Wernbergers Dieter Loew (Dr. Loew Soziale Dienstleistungen), der 2014 ermordet wurde. Nicht nur, dass die 56-Jährige nach eigenem Bekunden "Tausende von Euro" aus ihrer Privatkasse nimmt, um den gestrandeten Zirkus wieder flott zu bekommen. Sie verhandelt seit Tagen auch intensiv mit der Stadt und anderen Behörden. "Die Leute sind sehr dankbar, dass ich mich für sie einsetze." Loews Ziel: Das Unternehmen soll den Festplatz so schnell wie möglich verlassen können.

Das wäre dann auch ganz im Sinne der Stadt, die ihre Gastfreundschaft ausgenutzt sieht. In einer neuen Pressemitteilung informiert sie, bis auf weiteres auf Zwangsmaßnahmen zu verzichten: "Durch den kurzfristigen Einsatz einer privaten Initiative sieht man derzeit von einem weiteren rechtlichen Vorgehen gegen den Zirkus ab. Insgesamt wird die weitere Entwicklung abgewartet." Mit der "privaten Initiative" ist Silvia Loew gemeint. Weiter heißt es: "Sollten die Absprachen mit der privaten Initiative und dem Zirkus allerdings nicht eingehalten und umgesetzt werden, behält sich die Stadt Weiden im Rahmen des Rechts und der Gesetze vor, gegen den weiteren Aufenthalt auf dem städtischen Festplatz vorzugehen." Die Stadt verweist darauf, das Unternehmen bereits Anfang Mai zum Verlassen des Festplatzes aufgefordert zu haben. Dies "erging zusätzlich auch schriftlich, allerdings nicht in Form eines ,Räumungsbefehls‘, die Stadt verfällt nicht in einen Militär- und Kasernenton".

Silvia Loew. Die Witwe von Dieter Loew (Dr. Loew Soziale Dienstleistungen) engagiert sich für den "Moskauer Circus".

Loew versichert: "Der Zirkus will ja weiterziehen. Aber er ist im Moment dazu einfach nicht in der Lage." Und es sei kein leichtes Unterfangen, ihn reisefertig zu machen. Wie Silvia Loew erzählt, brütet sie seit Tagen über der kniffligen Aufgabe, Zulassungen für die Fahrzeuge zu erhalten. 17 seien ohne TÜV, hätten teilweise auch Mängel, die zuvor behoben werden müssen. Eines, das in der Werkstatt war, habe sie für 1600 Euro ausgelöst. Einige Autos seien noch im Ausland angemeldet. Alle würden nun auf den Gewerbeanmelder zugelassen. Allein, um den Fuhrpark auf Vordermann zu bringen, müsse sie "sicher 6000 Euro" investieren, sagt Loew. Sie rechnet damit, insgesamt rund 10.000 Euro in den Zirkus zu stecken. Allein 3600 Euro habe sie für eine neue Betriebsgenehmigung für das Zelt ausgegeben. Bei einem Sturm in Regensburg, der letzten Station vor Weiden, war es erheblich beschädigt worden.

Auch die Stadt betont in der Pressemitteilung, den Zirkus seit März "außerordentlich" unterstützt zu haben. Unter anderem mit 8500 Euro für den Erlösausfall, nachdem Vorstellungen wegen der Coronakrise untersagt wurden. Silvia Loew verbucht das allerdings nicht als "Unterstützung", sondern als "reinen Schadensersatz". Vorletztes Wochenende demonstrierte sie noch als Einzelkämpferin in der Fußgängerzone, auf ihrem Schild stand "Nein zu OB Jens Meyer Diktatur!!!". Ihre Form des Protests, dass die Stadt die offizielle Demo gegen Corona-Maßnahmen untersagt habe (die Stadt widerspricht dieser Darstellung – siehe Infokasten). Die 56-Jährige: "Ich akzeptiere nicht, dass ein Staatsdiener eine Demonstration unterbindet." Der Zirkus steht für sie offenbar auf einem anderem Blatt. "Da sehe ich mich als Partner der Stadt. Wir arbeiten zusammen, um dieses Problem zu lösen."

Stadt Weiden nimmt Stellung:

Corona-Demo nicht untersagt

Die Stadt Weiden betont, dass sie die vor zwei Wochen beabsichtigte Demonstration gegen Corona-Schutzmaßnahmen in der Fußgängerzone nicht untersagt habe. Damit widerspricht sie der Darstellung im Artikel „Silvia Loew kämpft für Zirkus“ (Donnerstagsausgabe). Vertreter der Stadt als auch der Polizei seien vielmehr bemüht gewesen, „dem Anmelder Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie unter den geltenden Schutz- und Hygienevorschriften die angemeldete Versammlung sicher durchgeführt werden kann“, erklärt die Stadt. Der Anmelder habe die Demo von sich aus abgesagt.

Kommentar:

Zweckbündnis für den Zirkus

Vor Kurzem demonstrierte sie noch im Alleingang in der Fußgängerzone gegen den Oberbürgermeister und die Stadt Weiden, weil die eine Demo gegen Coronamaßnahmen nicht zulassen wollten. Nur wenige Tage später sieht sich Silvia Loew als Partnerin der Stadt: im Bemühen, den „Moskauer Circus“ so auf Vordermann zu bringen, dass er Weiden verlassen kann. Ein Zweckbündnis mit verschiedenen Motiven, aber einem gemeinsamen Ziel.
Hoffentlich hat es Erfolg. Silvia Loew hat zumindest schon mal erreicht, dass die Stadt die angedrohten Zwangsmaßnahmen aussetzt. Doch die Helferin wird noch einiges an Geld und Arbeit investieren müssen: Um wieder starten zu können, muss der Zirkus erst seinen Fuhrpark neu zulassen und teilweise reparieren. Dafür fehlten bisher die Mittel.
Loew ist davon überzeugt, dass die Zirkusleute selbst weiterreisen wollen. Das allerdings wäre eine Reise ins Ungewisse. Nirgendwo bietet sich derzeit eine echte Perspektive für den „Moskauer Circus“. Den Weidenern bleibt jedoch gar nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass Silvia Loew richtig liegt. Die Bilder, auf denen der Festplatz mit Polizeigewalt geräumt wird, auf denen 44 Zirkusleute samt Kindern abtransportiert werden – die will niemand sehen.

Ralph Gammanick

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