02.12.2018 - 14:14 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

"Winkelzählprobe" entlang der neuen Stromtrasse

Für den Ersatzneubau des Ostbayernrings werden viele Bäume gefällt werden müssen. Weil dafür Entschädigungen fällig werden, muss der Waldwert ermittelt werden. Das macht Alois Schambeck, mit viel Geometrie und Statistik.

Forstsachverständiger Alois Schambeck (rechts) erläuterte etwa 30 interessierten Waldbesitzern die Wertermittlung für die Entschädigungen, die im Zuge des Neubaus des Ostbayernrings fällig werden.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Wie viel ist ein Wald wert? Einzelne Bäume genau zu vermessen, würde viel zu lange dauern. Auf etwa zehn Kilometern Länge durchschneidet die Ostbayernring-Trasse zwischen Etzenricht und Schwandorf Waldgebiete. Sie zu bewerten und damit die Entschädigung für die betroffenen Eigentümer festzulegen, ist Aufgabe des beeidigten Sachverständigen Alois Schambeck (Regensburg). Der Forstwirt erläuterte am Freitag interessierten Waldbesitzern im Staatsforst bei Kettnitzmühle, wie er dabei vorgeht.

Tennet-Mitarbeiterin Ina-Isabelle Haffke stand ebenfalls für Fragen zur Verfügung. Die Trasse ist bislang weder ausgepflockt oder markiert, schließlich läuft erst die Planfeststellung. Schambeck muss sich im Wald also nach Luftbildern orientieren, auf denen die etwa 50 bis 60 Meter breite Trasse markiert ist. Stichpunktartig kommt dann das Relaskop zum Einsatz. Mithilfe des Geräts werden in einem Probekreis Bäume gezählt, deren Brusthöhendurchmesser eine bestimmte Stärke übertrifft. "Winkelzählprobe" heißt das Verfahren. Daraus lässt sich mit weiteren Parametern wie dem vom Gutachter geschätzten Alter des Bestandes der Bestockungsgrad berechnen. Aus diesem ergibt sich, wie viel Holz momentan auf der Fläche steht. In altersmäßig sehr gemischten Beständen muss der Gutachter aber trotzdem zur Kluppe greifen, einem großen Messschieber zur Ermittlung des Stammdurchmessers.

Schamberger berechnet dann auch, wie viel Zuwachs auf den Flächen noch zu erwarten wäre, bis die Bäume hiebreif sind. Das fließt ebenso in seine Berechnungen für Entschädigungszahlungen ein wie die Tatsache, dass die Flächen für die Eigentümer auch künftig nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt werden können. Von Dezember an bis in den Februar hinein wird Schamberger in den Wäldern entlang der Trasse unterwegs sein. Ohne die Eigentümer, wie er betonte. "Das kann ich nicht machen, weil ich nicht sagen kann, wann ich in welcher Fläche bin."

Rund 200 Eigentümer seien betroffen, sagte er. Nach den Begehungen geht's ans Berechnen. Die Gutachten gehen dann an Netzbetreiber Tennet, der sie laut Haffke etwa bis zum Frühsommer an die Eigentümer weiterleitet. "Lesen Sie das bitte genau durch, auch ich kann Fehler machen", sagte Schamberger. Die betroffenen Eigentümer haben die Wahl, das betroffene Holz selbst zu schlagen und zu vermarkten, oder das Tennet zu überlassen. Die Entschädigungszahlungen für beide Varianten werden in den Gutachten angegeben.

Alois Schambeck hält ein Relaskop in der Hand. Das Gerät dient der Winkelzählung, mit der ermittelt werden kann, wie viele Bäume welcher Stärke auf einer Fläche stehen.

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