20.03.2020 - 20:58 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Zwei Helfer vor dem Herrn

Erwin Hartinger und Albert Wildenauer erledigen auf ihren Touren durch die Marktgemeinde gratis so manche Reparatur. Jetzt haben sie sich an ein großes Projekt gewagt. Die OWV-Mitglieder restaurieren das Friedhofskreuz.

Erwin Hartinger (links) und Albert Wildenauer müssen bei der Restaurierung viel Geduld aufbringen. Besonders der linke Arm der Christusfigur wies viele Beschädigungen auf.
von Anton (Rufn. Toni) WildProfil

"Wir sind bereits auf der Zielgeraden mit unserer Arbeit", verkünden Erwin Hartinger und Albert Wildenauer nicht ohne Stolz, denn man kann auf den ersten Blick erkennen, dass sie gute Arbeit geleistet haben. Das Kreuz liegt in der hellen Werkstatt im Bauhof und am Farbunterschied der neu eingeklebten Holzteile ist die Qualität der Arbeit nachvollziehbar.

Mühselige Arbeit

Seit Anfang des Jahres haben die beiden Männer morsches Material und Spachtelmassereste aus den tiefen Rissen im Holz mühsam herausgekratzt. Auch auf der Rückseite wurden Holzteile ausgewechselt und neues Eichenholz eingeleimt. Die eingesetzten Teile mussten wieder zugeschliffen werden. Buchstaben, Zahlen und Formen, etwa am sehr beschädigten linken Arm, wurden wieder orginalgetreu nachgearbeitet. Durch das Auswechseln morscher Holzteile und neues Verschrauben der beiden Holzbalken sei die Sicherheit und Standfestigkeit wieder vollkommen gewährleistet, betonen die beiden Restauratoren. Aktuell wird das Kreuz mit mehreren Anstrichen mit schwedischem Leinöl versehen.

"Bei der Arbeit sind wir neugierig geworden und wollten mehr über den Maler und Bildhauer Felix Müller erfahren", erzählen Hartinger und Wildenauer. So besuchten sie das Museum des Künstlers in Neunkirchen am Brand und wurden dort vom Museumsleiter Peter Lichtenberger und der Diplom-Restauratorin Jutta Minor empfangen und beraten.

Tipps von Experten

Die beiden Wernberg-Köblitzer erhielten wichtige Tipps zur fachgerechten Restaurierung, etwa wie der Originalzustand ohne fremde Materialien zu erhalten ist und wie das Kunstwerk vor der Witterung geschützt werden kann. Wie schon im Original sollen die Oberseiten der Querbalken zum Wetterschutz wieder mit Kupferblech verkleidet werden. Als Kompromiss soll über dem Kreuz ein kleines Schutzdach aus Kupfer aufgebaut werden. Jetzt müssen noch die hellen neuen Holzteile eingefärbt werden, weshalb man mit Kirchenmaler und Restaurator Andreas Richter zur Beratung in Kontakt treten wird. Erwin Hartinger und Albert Wildenauer waren im November 2019 von der Gemeindeverwaltung angesprochen worden, ob sie nach bereits anderen ehrenamtlichen Denkmalsanierungen im Ort, wie etwa Brenkengrab oder Rotes Marterl, auch diese Sanierung des "Missionskreuzes" übernehmen würden. Nach dem Marktratsbeschluss hatten sie sich dazu bereit erklärt und ersparen so der Kommune hohe Sanierungskosten zur Erhaltung des Kunstwerks.

Das Friedhofskreuz wurde 1933 auf Betreiben des damaligen hochangesehenen Bürgermeisters Michael Sir unter der Beteiligung des Regierungsbaumeisters Syndikus angeschafft und war auch als Kriegerdenkmal gedacht.

Weintrauben statt Blut

Die Besonderheit des aus Eiche geschnitzten Kreuzes auf einem Granitsockel stehend ist, dass aus den Wundmalen statt Blut Weintrauben hervorquellen. Für Michael Sir war die Einweihung des Kreuzes die letzte Amtshandlung, weil er durch die politischen Umstände gezwungen wurde, sein Amt niederzulegen.

Die Friedhofsbesucher können sich freuen, denn bald wird das Friedhofskreuz wieder am angestammten Platz zu bewundern sein.

Albert Wildenauer (links) und Erwin Hartinger dürfen stolz auf ihre geleistete Arbeit sein.
Die beschädigten Holzteile mussten in mühsamer Kleinarbeit ersetzt werden, noch zu erkennen an den hellen Stellen.
Die Nahaufnahme zeigt, welche Feinarbeit erforderlich war. .

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