„Bewegter Blick“ ständig im Wettkampf um den besseren Reiz

Die Kinderschuhe hat die Kommunikationsfirma „Bewegter Blick“ aus Wernersreuth abgelegt. Gründer und Geschäftsführer Marco Härtl gibt Einblicke, warum das so ist.

Das Kernteam von „Bewegter Blick“ mit Philipp Koller, Maxi Steinkohl, Gründer Marco Härtl und Johannes Zrenner (von links) wirft auch mal einen Blick in die Kamera.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Marco Härtl produziert zusammen mit seinem Team Spots, Filme und Werbekampagnen für regionale und überregionale Unternehmen. Wirklich sprachlos ist der Wernersreuther wohl nur einmal gewesen. 2015 erhielt er in Berlin für die Azubi-Werbung der Firma Netzsch den „Human Excellence Award“. Ansonsten redet er gern und vor allem viel. „Ganz untypisch in meiner Familie“, sagt der Mann, dessen Unternehmen „Bewegter Blick“ in diesem Jahr zehnten Geburtstag feiert, mit einem Augenzwinkern.

„Nach einem sehr erfolgreichen Jahr 2019 und tollen Projektanfragen Anfang des Jahres hätte 2020 auch neue Maßstäbe für ‚Bewegter Blick‘ setzen sollen.“ Corona habe dies zunächst vereitelt. Man sei dennoch gut und ohne Kurzarbeit durch diese Zeit gekommen. Die Zeit während der ersten Corona-Welle habe aber auch gezeigt, dass mit Stammkunden und einem florierenden Netzwerk ein Fundament aufgebaut wurde. Seit einigen Monaten laufe aber wieder alles auf Hochtouren. Und da darf auch ein großes Prestigeprojekt nicht fehlen: Das Unternehmen arbeitet seit kurzem für Netto Marken-Discount.

Erste Auftragsarbeiten in Halle

Sein Redetalent und sein Einfühlungsvermögen seien wichtige Voraussetzungen für die positive Story seiner Firma. Damit könne man zwischen den Zeilen hören, welchen Bedarf der Kunde habe und ihn von frechen Ideen überzeugen, sogar die ganz „Großen“, die schon mal gern selbst sagen, wo es langgehen soll. Der 33-Jährige ist ein Paradebeispiel für einen Heimatunternehmer. Geboren in Wernersreuth, geht er in Bad Neualbenreuth zur Schule, macht das Abitur am Stiftland-Gymnasium und kehrt der Region den Rücken. Von 2006 bis 2009 studiert er an der Universität Passau Medien- und Kommunikationswissenschaften.

Mit Studienkollege Simon Leimig ist dann Halle an der Saale der nächste Schritt zum beruflichen Erwachsenwerden. Es folgt das Masterstudium Multimedia und Autorschaft. „Das war genau die Zeit des Umbruchs, als Bewegtbild im Netz stark im Kommen war“, erinnert sich Härtl. Während des Studiums produziert er mit seinem Kollegen 2010 bis 2012 nach der Gewerbeanmeldung von „Bewegter Blick“ in Halle erste Auftragsarbeiten. Sie führen ihn mit dem Geschichtspark Bärnau-Tachov gleich direkt in die Heimat. Er produziert vier Filme, die heute noch im Museum laufen. „Wir waren noch ein unbeschriebenes Blatt. Doch mit ersten erfolgreichen Projekten konnten wir auf uns aufmerksam machen und uns stets neue Chancen erarbeiten.

Der "Bewegte Blick" ist nicht mehr in den Kinderschuhen. Es gilt, Schritt für Schritt erwachsener zu werden, ohne den Spirit, der uns bis hierher getragen hat, zu zerstören.


Marco Härtl, Geschäftsführer von "Bewegter Blick"

Und so ging es bis heute Stück für Stück weiter. „Müsste ich plötzlich eine Art Kaltakquise betreiben, ginge ich wohl schnell unter, weil ich das gar nicht mag“, bekennt der Agenturchef. „Man soll mit uns zusammenarbeiten wollen, weil man uns vertraut. Das war auch die Basis für die Entscheidung nach dem Studium 2012, in den Vollerwerb zu gehen. Die Philosophie war damals, für eine fundierte strategische Herangehensweise zu stehen. Und zwar in der Heimat.“ Dafür musste sich Härtl auch von seinem Kommilitonen trennen, der nach dem Studium München für seine beruflichen Ziele wählte. „Aber ich sah gerade zu Hause großes Potenzial und bezog zunächst ein Gemeinschaftsbüro in Weiden, wo ich über die Jahre das heutige Team aufbauen konnte.“

Schnelllebige Zeit

Marco Härtl firmierte seine Agentur 2017 zur GmbH um und wechselte den Standort in sein Heimatdorf Wernersreuth, wo er auch schon mal die eine oder andere Nacht im Büro verbringt, wenn es die Arbeit fordert. Er hat sich im Studium und mit seinem Team auf moderne Markenkommunikation spezialisiert. „In unserer schnelllebigen Zeit ist das ein Wettkampf um den besseren Reiz. Wahrgenommen zu werden, mit dem was man sagt, ist in den vergangenen zehn Jahren immer schwieriger geworden. Ohne ein gutes Konzept hast du da keine Chance, zu bestehen“, beschreibt er den Bedarf seiner Kunden.

Die ersten Jahre machte seine Firma Filmprojekte mit Spiegelreflex-Kameras. „Da konnte man bereits mit überschaubaren Investitionen kinematographische Filme erstellen“, so Härtl. Das hat sich natürlich mittlerweile geändert: „Heute sind wir im Film- und Fotobereich sehr professionell ausgestattet.“ Es gehe dabei aber nie nur rein um das Handwerk Film, „da wir uns vor allem auch konzeptionelle Gedanken machen. Es müssen gute Geschichten erzählt und spannende Reize gesendet werden. Allein gut im Bild auszusehen, reicht nicht mehr. Strategien sind der primäre Baustein unseres Tuns.“ Es gehe darum, eine Situation zu formen, einen Charakter greifbar zu machen. Soziale Medien würden heute fordern, dass man in zwei Sekunden einen Menschen mit einer Botschaft erreiche.

Bachelorarbeit bei der Firma

Alle Mitarbeiter seien vor ihrer Festanstellung schon reichlich mit „Bewegter Blick“-DNA versorgt gewesen. Maxi Steinkohl aus Friedenfels begann nach dem Medientechnik-Studium 2013 als Freelancer. Später machte der Weidener Philipp Koller, der bei Witt Weiden ausgebildet worden war, ein Praktikum bei Härtl und agierte ebenso als Freelancer neben seinem Medientechnik-Studium. Der Waldsassener Johannes Zrenner hängte an seine Fotografenausbildung ein Medienmanagement-Studium an und schrieb bei „Bewegter Blick“ seine Bachelorarbeit, genauso wie seine Kollegen Philipp und Maxi. Dieses Kernteam wird seit 2019 verstärkt durch die studierte Kommunikationsdesignerin Carina Kraus, die ebenfalls ihr Praxissemester in Wernersreuth absolviert hat. Komplettiert wird die Firma von Nadine Tretter, die im Back-Office die Fäden zieht. Und dass es trotz der Coronakrise für das Unternehmen gut läuft, zeigt die Neueinstellung des Medien- und Kommunikationsexperten Joshua Gennari aus Poxdorf und zwei Werkstudentinnen.

Büros im ehemaligen Pfarrhof

Jedes Jahr investiert die Firma beachtliche Summen in neue Technik und Zubehör. Der sehnlichste Wunsch sei ein eigenes Studio. Mit der kürzlichen Übernahme des elterlichen Anwesens direkt neben dem Pfarrhof in Wernersreuth könnte der auch wahr werden. Seit 2017 ist die Firma in dem 1912 erbauten Pfarrhof untergebracht. Beim Einzug wäre das schon fast ein Lost Place gewesen, erinnert sich Härtl. „Eigentümer ist die Diözese, die sich bis heute noch um die äußerliche Renovierung kümmern will. Wir hatten zunächst im oberen Geschoss mit einem improvisierten Büro angefangen, bevor wir dann das Erdgeschoss nach einem Jahr beziehen konnten. IT- und Netzwerkausstattung, Fußböden, Küche, Büromöbel haben wir selbst gemacht und einiges investiert.“ All das fiel auch der Initiative Heimatunternehmen auf, zu der die Firma seit Beginn fest gehört.

„,Bewegter Blick‘ arbeitet in der Region regelmäßig unter anderem für Kassecker, Schott, IGZ und Witt Weiden. Aber auch überregionale Unternehmen, beispielsweise die Fischer Unternehmensgruppe und seit kurzem natürlich Netto, sind dabei. Die Planungen für das elterliche Anwesen sollen in naher Zukunft Gestalt annehmen. Sowohl für das private Wohnen, als auch für die gewerbliche Erweiterung. Als New-Business-Erfolgsrezept nennt Marco Härtl: „Spaß haben und dabei gute Arbeit machen.

2017 ist "Bewegter Blick" nach Wernersreuth umgezogen

Im ehemaligen Pfarrhof sitzt seit 2017 die „Bewegter Blick“-Agentur für Film und Kommunikation GmbH. Hier werden Projekte geplant und postproduziert. Geschäftsführer Marco Härtl wünscht sich zudem ein Studio, das er eines Tages im angrenzenden elterlichen Hof verwirklichen will.
Die Gesichter, die hinter dem „Bewegten Blick“ stehen: Johannes Zrenner, Maximilian Steinkohl, Carina Kraus, Marco Härtl, Philipp Koller und Nadine Tretter (von links).
Vor dem Einzug musste im Pfarrhof erst massiv renoviert werden.
Auch der eine oder andere Promi, wie hier die ehemalige Landtagspräsidentin Barbara Stamm bei der Jubiläumsdokumentation für Donum Vitae, riskierte schon einen „bewegten Blick“ in die Kamera.
Bis das Set steht und die Szene im Kasten ist, vergehen oft Stunden und Tage.
Schweres Equipment schleppen und installieren gehört zum Alltag. Gerade was die Ausleuchtung betrifft, ist da viel zu leisten.
Kameramann Maximilian Steinkohl mit der Steadycam am Set
Hintergrund:

Heimatunternehmen im Landkreis Tirschenreuth

2017 ist im Landkreis Tirschenreuth das Projekt Heimatunternehmen als Pilotinitiative der ländlichen Entwicklung gestartet. Im Mittelpunkt stehen unternehmerische Menschen, die als kreative Macher ihre Region bunter und lebenswerter machen. Ziel ist es, ein Netzwerk aufzubauen, welches das Potenzial für weitere Entwicklungen verstärkt. In den vergangenen drei Jahren ist der Kreis der Heimatunternehmer immer größer geworden. Er liegt mittlerweile bei rund zwei Dutzend. „Wir wollen zeigen, welches Potenzial in der Region steckt. Ganz nach dem Motto: ‚Es hieß immer das geht nicht, dann kam einer, der hat das nicht gewusst, und hat es einfach gemacht“, umschreibt Koordinator Alfred Wolf die Initiative.

Dabei sind unter anderem die Macher des Ackerbürgerhauses in Bärnau, Zauberer Marco Knott, Kräuterfrau Cornelia Müller aus Tannenhäusl bei Pullenreuth, die Senkendorfer Mühle bei Kastl und die Stiftlandgriller. Geradezu exemplarisch für die Idee der Heimatunternehmer steht auch Marco Härtl mit seiner Firma „Bewegter Blick“.

 

 

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