Wiesau
17.04.2020 - 13:21 Uhr

"Wir sind bestens vorbereitet"

Dr. Stefan Konrad stammt aus Wiesau. Derzeit lebt und arbeitet er in Wien als Oberarzt. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien beleuchtet er die Corona-Krise in der Donau-Metropole aus seinem persönlichen Blickwinkel.

Dr. Stefan Konrad ist 36 Jahre alt und stammt aus Wiesau. Aktuell arbeitet er als Oberarzt am AKH in Wien. Bild: Dr. Stefan Konrad/exb
Dr. Stefan Konrad ist 36 Jahre alt und stammt aus Wiesau. Aktuell arbeitet er als Oberarzt am AKH in Wien.

Aktuell arbeitet der 36-jährige Spezialist für Strahlentherapie und Radioonkologie in Wien am Allgemeinen Krankenhaus (AKH) der Uni-Klinik. Konrad, der auch in Wien Medizin studierte, verrät: "Wir kämpfen derzeit mit den gleichen Problemen wie viele andere Länder auch. Ich bekomme hautnah vieles mit." Der junge Oberarzt aus Wiesau bedauert neben der kritischen Lage auch die Knappheit an Schutzausrüstungen, die zur Sicherheit des Klinik-Personals dringend notwendig wären. Als Dilemma bezeichnet er das immer stärkere Problem aufkommender Betrügereien. Davon besorgt verweist er auf das Angebot von gefälschten und minderwertigen Produkten, die derzeit im Umlauf seien. Konrad spricht von einer bedenklichen Entwicklung.

"Es gibt aber auch Positives zu berichten", hebt der Facharzt an anderer Stelle hervor. "Entgegen kommt uns die im internationalen Vergleich sehr hohe Dichte an Krankenhaus- und Intensivbetten in Österreich." Als beispielhaft bezeichnet er die gezielt durchgeführten Vorbereitungen, die man zeitnah in die Wege leitete, um die Corona-Pandemie in Griff zu bekommen. So wurde die Messe Wien in ein Lazarett mit rund 3000 zusätzlichen Betten und einer guten Logistik umfunktioniert. "Gott sei Dank haben wir die Kapazitäten noch nicht aufgebraucht", sagt der gebürtige Oberpfälzer mit Blick auf die Zahl der Erkrankungen, die deutlich niedriger sei als zuvor befürchtet.

Zufrieden zeigt sich der Mediziner auch von der Arbeit der Regierung und den Initiativen des 33-jährigen Bundeskanzlers Sebastian Kurz. "Generell waren wir mit den einschränkenden Maßnahmen und Ausgangsbeschränkungen eine Woche früher dran als Deutschland", so der Mediziner zu den Vorsorgemaßnahmen, um die Lage in den Griff zu bekommen. Das mache sich auch an den erfolgversprechenden Zahlen bemerkbar, ergänzt Konrad.

Disziplin

Er fährt fort: "Die Anzahl der Neuerkrankten, der Hospitalisierten, der Intensivpatienten, auch der Toten bleibt deutlich hinter den Befürchtungen zurück." Als Grund nennt Konrad das "disziplinierte Verhalten" der Bevölkerung Österreichs. Zudem würden Verstöße hart bestraft. "Strafmandate über 500 Euro sind keine Seltenheit." Weiter erklärt er, dass der maximale Strafrahmen im deutlich vierstelligen Bereich anzusiedeln sei.

"Ich stehe fachbedingt zwar nicht ganz vorne an der Corona-Front", beleuchtet der Fachmediziner auch sein persönliches Aufgabengebiet als Oberarzt "seiner" Klinik, wo Konrad ausschließlich Krebspatienten behandelt. "Trotzdem arbeite auch ich derzeit in einem gewissen Spannungsfeld. Wir stehen unter großem Zeitdruck, um rettende Therapien durchführen zu können."

Nötig sei nicht nur ein hohes Maß an Selbstdisziplin für den Eigenschutz, sondern auch eine hohe Sensibilität im Umgang mit den Patienten. Stefan Konrad arbeitet in einer besonderen Fachabteilung, in der er, wie Konrad im Gespräch anklingen lässt, mehr denn je gefordert sei. "Wir bringen die volle Arbeitsleistung." Das Arbeitsumfeld aber habe sich deutlich verändert. "Wir sind aber bestens vorbereitet. Das ist das Positive, wovon wir in der Krisenzeit jetzt profitieren dürfen." Der Wahl-Österreicher aus Wiesau unterstreicht: "Derzeit können wir unsere Einsatzbereitschaft aufrecht erhalten."

Hintergrund:

Hintergrund

Nach Angaben von Dr. Stefan Konrad würden in der Wiener Universitätsklinik aktuell nur ganz vereinzelt Corona-Patienten behandelt. Konrad erklärt auch den Grund dafür: "Der Plan sieht vor, dass die Covid-Patienten zunächst in die anderen Häuser gebracht werden, um sie dort zu versorgen, bevor wir beauftragt werden, sie zu übernehmen." Die Tatsache hat laut Konrad auch einen besonderen Grund: "Die Fall-Zahlen sind deutlich niedriger als zunächst erwartet." Daher kämen die peripheren Häuser gut zurecht. (wro)

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