04.03.2020 - 16:45 Uhr
WiesauOberpfalz

„Ein Bild, das zu Wiesau passt“

Über den „Kulturbahnhof“ und die Sanierung des Schulsport-Zentrums ist zuletzt viel diskutiert worden. Nur wenige kannten bislang die Planungsdetails – mit der Bürgerversammlung hat sich das geändert.

Architekt Emil Lehner (rechts) erläuterte die Ideen für den künftigen „Kulturbahnhof“, der nach seiner Ansicht einem Stadtschloss ähneln werde.
von Werner RoblProfil

Wie von Bürgermeister Toni Dutz im Vorfeld angekündigt, gingen Fachleute des Weidener Architekturbüros SHL-Architekten bei der Bürgerversammlung (wir berichteten) näher auf mehrere Projekte ein. „Ich freue mich, dass ich Ihnen den ,Kulturbahnhof‘ heute vorstellen darf“, erklärte Architekt Emil Lehner und beleuchtete die Planungen für das in seinen Augen „stadtschlossähnliche Objekt am Ortsrand“. Eingangs informierte Lehner, dass man derzeit mit rund 60 Kommunen zusammenarbeite. „Wiesau steht ganz oben.“

Eisenbahn und Sudkessel

Man habe sich kreativ mit dem Thema „Bahnhof“ auseinandergesetzt und sei sich auch dessen bewusst, dass er nach der Fertigstellung kein „normaler Bahnhof“ mehr sein werde, so Lehner. „Wir werden Qualität und viel Grün anbieten.“ Lehner, dem das geförderte Sieben-Millionen-Projekt selbst am Herzen liege, wie er betonte, sprach von einem Umfeld, das später einmal wie ein Landschaftspark wirke werde. Zu einem Blickfang soll eine kleine Eisenbahn mit Wendeschleife auf dem Freigelände werden. Zudem werden ins Gebäude die Gemeindebücherei, ein Museum, ein Sudkessel, ein Gastronomiebetrieb und eine Zahnarztpraxis einziehen. Geplant sei auch ein Raum für die Jugend. „Für den Jugendwunsch werden wir kämpfen“, versprach Lehner. Er mahnte aber auch: „Wenn wir das alles schaffen wollen, müssen wir uns nach Partnern und Fördergeldgebern umsehen.“

Ohne Zweifel müsse der Bahnhof saniert werden, so Lehner weiter. „Die Hülle bleibt, aber das Innere wird einmal völlig anders aussehen.“ Das Ergebnis des mit bis zu 90 Prozent geförderten Projekts werde ein Bild abgeben, „das zu Wiesau passt“. Es werde dem Ort, der sich ohnehin bereits positiv verändert habe, ein „gewisses Image“ verleihen. „Man kann sich beim Bürgermeister und den Markträten nur bedanken, dass sie die Revitalisierung, für die bereits zwei Millionen Euro zugesichert wurden, mitgetragen haben“, so Lehner.

Neue Heizung, neue Duschen

Als ein „etwas kleineres Projekt als den Bahnhof“ bezeichnete Uwe Reil, ebenfalls vom Büro SHL, den Umbau und die energetische Sanierung des Schulsport-Zentrums an der Egerstraße. „Wir lassen die Außenwände stehen und planen die Dusch-, Umkleide- und Fitnessräume neu“, teilte der Architekt mit. Der Gaststättentrakt bleibe unverändert, weil er in einem guten Zustand sei. Eingebaut wird eine neue Hackschnitzelheizung, die Fassadenplatten samt Isolierung werden durch eine Holzdämmung ersetzt. Geplant seien auch neue Fenster, zudem werde der Innenhof überdacht. Kritik äußerte ein Zuhörer an der geplanten naturbelassene Fassade aus Holz. „Damit werden wir uns noch auseinandersetzen“, klinkte sich Toni Dutz ein.

Nach Reils Ausführungen ergriff Emil Lehner wieder das Wort und ging auf die Dorferneuerung in Triebendorf ein. „Wir haben das grüne Licht bekommen“, zeigte er sich erfreut. „Dörfer sind ein besonderer Lebensraum“, so Lehner. „Seit über 30 Jahren widmen wir uns auch diesem Thema und wissen: Es reicht nicht, nur die Dorfstraße zu erneuern.“ Dörfer wiesen ein besonderes Sozialleben auf. „Wir möchten aus Triebendorf die Qualität, die der Ort heute schon hat, noch mehr herauskitzeln.“

Suche nach Investoren

Den Dorfplatz und den Kinderspielplatz, für den laut Bürgermeister Dutz auch bereits neue Geräte bestellt wurden, bezeichnete Lehner als einen „sozialen Treff in der Mitte“, den man entsprechend gestalten müsse. „Trotz einiger Restarbeiten bei der Schönhaider Dorferneuerung sind wir gut in der Spur“, bilanzierte der Städteplaner. Ein unerfüllter Wunsch sei bislang ein Wohnobjekt für ältere Generationen, für das die Gemeinde den ehemaligen Schmuckergarten zur Verfügung stelle. „Die Gemeinde sucht aber bereits nach Investoren“, versprach Lehner.

Das Thema Breitbandausbau griff Carolin Holub auf. Bis zum Jahresende versprach die Verwaltungsangestellte eine durchschnittliche Übertragungsrate von 562 Mbit/s. Bürgermeister Toni Dutz ging nach den Vorträgen auf die Planungen der kommenden fünf Jahre ein. Er nannte unter anderem die Weiterführung der Hauptstraßen-Sanierung und Arbeiten am Wasser- und Abwassernetz. Als sehr erfreulich wertete er das Interesse am neuen Baugebiet am östlichen Kreuzberg. Geschäftsleiter Thomas Weiß berichtete, dass die Arbeiten am „Digitalen Rathaus“ in vollem Gange seien. „Manche Behördengänge können bereits von zu Hause aus erledigt werden.“

Über die Sanierung des Schulsport-Zentrums referierte Architekt Uwe Reil bei der Bürgerversammlung.
Fragerunde:

Keine „Toni-Dutz-Brücke“

Am Ende der Bürgerversammlung beantwortete Toni Dutz noch einige Fragen aus den Reihen der Zuhörer. Zum REWE-Übergangs-Markt am Marktplatz informierte er, dass der Vertrag noch bis Oktober 2021 laufe. Gefragt wurde auch, ob es eine „Toni-Dutz-Brücke“ vom künftigen Norma-Markt hinüber zum künftigen REWE-Markt geben wird. „Ich brauche keine Brücke, um nachhaltig zu sein“, konterte Dutz. Nur kurz äußerte er sich zur Frage nach einem Nachfolgepächter im Sportzentrum: „Wir werden die Wiesauer rechtzeitig informieren.“

Hier geht's zum ersten Artikel über die Bürgerversammlung

Wiesau
Die zahlreich anwesenden Zuhörer zeigten großes Interesse an den Themen die Uwe Reil (stehend) und Emil Lehner (links daneben, sitzend) ausführlich erläuterten.
Bürgermeister Toni Dutz klinkte sich nur an bestimmten Stellen ein.
Mehr als 150 Zuhörer folgten der Einladung zur Bürgerversammlung.
Über den Stand beim Breitbandausbau referierte Carolin Holub.

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