09.01.2020 - 13:27 Uhr
WiesauOberpfalz

Endlich weg vom Kirchturmdenken

Auch die Industrie- und Handelskammer verfolgt interessiert die Entwicklung im interkommunalen Gewerbegebiet bei Wiesau. Um sich auszutauschen, hatte Bürgermeister Toni Dutz zu einem "runden Tisch" ins Rathaus geladen.

Thema beim Treffen im Wiesauer Rathaus waren auch die Pläne der Schott AG Mitterteich. Im Bild (von links) Bürgermeister Toni Dutz, IHK-Gremium-Vorsitzender Bernd Fürbringer, Ludwig Bundscherer (Communication-Manager bei der Schott AG), IHK-Geschäftsführer Florian Rieder und Thomas Weiß, Geschäftsführer im Rathaus.
von Werner RoblProfil

"Das Flächenthema ist in aller Munde und treibt uns um", bedauerte IHK-Geschäftsführer Florian Rieder beim Treffen im Wiesauer Rathaus. Beherrschendes Thema am "runden Tisch", zu dem man den IHK-Gremium-Vorsitzenden Bernd Fürbringer, IHK-Geschäftsführer Florian Rieder und Ludwig Bundscherer von der Schott AG in Mitterteich eingeladen hatte, war das interkommunale Gewerbegebiet in Wiesau.

IHK-Geschäftsführer Rieder bezeichnete das im Osten gelegene Gelände als zukunftsweisend. "Wir brauchen auch Logistiker", widersprach er der Meinung mancher, die anstatt Lagerhallen Produktionsstätten im neuen Industriegebiet fordern. Die Logistiker mit ihren komplexen Aufgaben, so Rieder, brächten wertschöpfende Pilot- und Vorzeigeobjekte, die man seitens der Kammer gerne unterstütze. Dazu nahm auch IHK-Vizepräsident Bernd Fürbringer Stellung: "Wiesau ist das beste Beispiel dafür, wie man sich vom Kirchturmdenken verabschieden kann." Es sei völlig egal, welche Betriebe sich hier ansiedeln werden. "Im Gewerbegebiet entsteht aktuell eine Signalwirkung mit Blick in die Zukunft", lobte Fürbringer das Flächen- und Firmenangebot.

Florian Rieder forderte an anderer Stelle staatliche Förderprogramme, um belastete und derzeit noch brachliegende Flächen wieder nutzbar zu machen. Der IHK-Geschäftsführer erinnerte beim Gespräch auch an den Koalitionsvertrag. "Dort wurde eine deutliche und dauerhafte Senkung des Flächenverbrauchs im Freistaat vereinbart", sagte Rieder. Zudem, so der Geschäftsführer, habe man, um das Anliegen umsetzen zu können, die Einführung einer Richtgröße für den Flächenverbrauch von fünf Hektar pro Tag im Bayerischen Landesplanungsgesetz festgelegt. "Wie sollen das die Kommunen aber umsetzen?", legte er nach.

Dem schloss sich auch IHK-Vizepräsident Fürbringer an. Zudem betonte er: "Wir sind stolz auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Oberpfalz und sehen uns als Dienstleister für die hier angesiedelten Unternehmen." Man habe die Krise vergessen gemacht, fügte er hinzu. "Wir müssen aber langfristig planen können." Das sei aber nur möglich, wenn Flächen zur Verfügung stehen. "Wir wollen keine Wälder zerstören. Aber wir fordern, nach passenden Grundstücken zu suchen, die zur Verfügung stehen und sinnvoll sind."

Neue Arbeitsplätze

"Wir freuen uns, dass wir mit Wiesau einen Standort gefunden haben, der uns entspricht und die rund 1250 Arbeitsplätze sichert beziehungsweise neue schafft", fügte Ludwig Bundscherer im Namen der Schott AG hinzu. "Wir produzieren für die ganze Welt. Unser Herz aber sitzt in Mitterteich", fuhr der Firmensprecher fort. "Wir wollen, dass das auch so bleibt." Daher sei das Projekt in Wiesau, nahe der Stadt Mitterteich, eine "gute Sache." Neben "Ziegler Holding" sicherte sich das Mitterteicher Unternehmen eine Fläche im interkommunalen Gewerbegebiet, um dort einen Logistikstandort aufzubauen.

Bedarf vorhanden

Die Gemeinde Wiesau sei bestrebt, weitere Grundstücke anzubieten. "Der Bedarf ist vorhanden", betonte Bürgermeister Toni Dutz. "Die Region ist attraktiv, wir haben tolle Firmen", erklärte dazu IHK-Vizepräsident Fürbringer und versprach an anderer Stelle Förderungen für die Wirtschaft anzubieten. Das habe man sich bei der IHK zum Ziel gesetzt. Als einen wichtigen Punkt bezeichnete er die Lebensqualität in der Region.

"Die Elektrifizierung sei vordringlich", appellierte Bürgermeister Toni Dutz an die Bahn, den Ausbau voranzutreiben. Zudem forderte Dutz einen erhöhten Lärmschutz an den Bahnlinien. Zum Thema Flächenverbrauch erklärte der Bürgermeister: "Die Planungshoheit muss bei der Gemeinde bleiben. Wir wollen kein naturgeschützter Seniorenbereich werden."

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