14.06.2021 - 12:05 Uhr
WiesauOberpfalz

Gestrandet zwischen Weiden und Wiesau: Es fährt ein Bus nach Nirgendwo

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Ein spontaner Urlaubstag in Regensburg, ab Wiesau mit dem Bayernticket, ohne Übernachtung. Aber die hätte sich fast angeboten: Aus einer Bahnfahrt von eineinhalb Stunden kann eine Odyssee von locker dreifacher Dauer werden.

Auf den Bahngleisen auf der Strecke Weiden-Hof sammelte sich Schlamm aufgrund des Unwetters und stoppte den Zugverkehr.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Ohne direktes Verschulden der Bahn, so viel zur Ehrenrettung. Starkregen spült am Donnerstag zwischen Windischeschenbach und Reuth viel Dreck auf die Gleise. Davon ahnen die Reisenden beim Start um 16.15 Uhr in Regensburg noch nichts. In Schwandorf müssen sie überraschend umsteigen, in Weiden alle raus aus dem Zug. Dann tut sich zwei Stunden lang - nichts. Nur die wiederholte Ansage einer Sperrung zwischen Weiden und Wiesau. Schienenersatzverkehr werde eingesetzt.

Infos über ein grobes Zeitfenster wären da recht hilfreich, schließlich musste mancher noch bis Hof oder weit ins Sächsische weiterreisen. Immerhin, die Bahn-App klärt über ein Unwetter als Ursache der Unannehmlichkeiten auf. So stehen etwa 60 Reisende vor dem Bahnhof in Weiden. Manche mit Rädern, manche mit Kinderwagen oder Tomatenpflanzen, einige schwergängige Personen mit bleischwerem Gepäck. Jeder ankommende Bus wird hoffnungsvoll begrüßt. Aber die Fahrer wehren erschrocken ab und entfernen sich mit anderen Zielen.

Wenigstens ist der Kiosk noch offen. Das Bahnhofsklo auch. Nach zwei Stunden ohne Info erbarmt sich eine Zugbegleiterin und kündigt einen Bus nach Reuth bei Erbendorf an. Von da führe ein Zug bis Wiesau, wo auch der Anschluss nach Marktredwitz und Hof gelingen sollte. Die Uniformierte teilt ihren mageren Kenntnisstand sehr geduldig. Bewundernswert, ob der doch steigenden Dünnhäutigkeit mancher Fahrgäste.

Im Bus, mit Mensch und Gerät vollbepackt, wächst die Dankbarkeit für Maskenpflicht und bereits fortgeschrittenen Impfstatus. Die Fahrt über Land endet in Reuth auf dem idyllisch gelegenen Bahnhof, der sogar über einen Lift zur Gleisbrücke, aber kein Personal verfügt. Der versprochene Zug, in der Bahn-App eben noch vorrätig, kommt leider nicht. Stattdessen erscheint eine Laufschrift, dass er ausfällt, kombiniert mit einer Durchsage und der Ergänzung, man bitte um Entschuldigung. Immerhin. Weitere Hinweise, ob und wann dieser Ort heute noch zu verlassen sein würde: Fehlanzeige. Dafür ploppt in der Bahn-App ein Ersatzbus bis Wiesau als Hoffnungsschimmer auf. Leider verschwindet dieser Geisterbus ebenso plötzlich wie unbegründet wieder vom Radar. Es erscheint eine neue Zugankündigung - Abfahrt in einer weiteren Stunde.

Die aggressive Stimmung hat sich inzwischen in Resignation und vereinzeltes Taxirufen aufgelöst. Menschen ähnlicher Herkunft beraten und telefonieren ob des weiteren Vorgehens. Mancher schlägt sich in die Büsche und Wasser ab. Das Kind im Wagen ist still. Radbesitzende führen Mitreisenden ihre Akkus vor. Rentner tauschen sich über ihre gemeinsame Tätigkeit in der Porzellinerbranche aus. Vielleicht entstehen noch Freundschaften fürs Leben, aber der weitere Fortgang entzieht sich der persönlichen Beobachtung: Ein netter Mitfahrer, der aus Reuth abgeholt wird, bietet einen Sitzplatz nach Wiesau an. Der Standort des persönlichen Fluchtautos! Da greift man gerne zu, zumal es doch schon fast 21 Uhr ist.

Kaum angegurtet, pfeift ein Regionalzug nach Wiesau vorbei. Aus der offensichtlich wieder vom Erdrutsch freigeräumten Richtung. Leider planmäßig ohne Halt in Reuth. Ob die dort Wartenen ihre Heimatorte je erreichten? Sachdienliche Hineise gerne an die Autorin, die in dieser Schicksalsgemeinschaft neue Erkenntnisse gewonnen hat: Gegen höhere Gewalt ist die Bahn machtlos. An der Kommunikation muss sie noch ein bisschen arbeiten.

Schwere Gewitter führten In Weiden und dem Kreis Neustadt zu Beeinträchtigungen

Weiden in der Oberpfalz

 

 

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