Wiesau
23.02.2025 - 11:58 Uhr
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Historiker Adalbert Busl forscht und erzählt die Geschichte Wiesaus weiter

Vor 47 Jahren wurde eine Idee geboren: Chronik des Marktes Wiesau in gedruckter Form. Erschienen ist sie im Sommer 1984. Die Fortsetzung ist in Arbeit, versichert der Historiker, Chronist und Autor Adalbert Busl. Was ist geplant?

Der Wunsch nach einer Wiesauer Ortschronik reifte bei der Schulabschlussfeier im Sommer 1978. Hubert Seidl, der seinerzeit amtierende Bürgermeister, verwickelte den an der Schule tätigen Pädagogen Adalbert Busl in ein Gespräch. Ihm gegenüber vertrat das Gemeindeoberhaupt nach dem Festakt die Ansicht, dass es doch gut wäre, die Geschichte der Marktgemeinde Wiesau - aber nur in einer Broschüre und auch nur in kurzen Zügen - zusammenzufassen, um diese interessierten Lesern anbieten zu können. „Niemand dachte daran, dass daraus ein Buch in solchem Umfang entstehen würde“, schrieb Autor Adalbert Busl seinerzeit im Vorwort der Jahre später fertigen und deutlich umfangreicher gewordenen Chronik. Daten, Zahlen und Fakten besorgte sich Busl beim leitenden Verwaltungsamtsrat im Rathaus: Manfred Steinberger, der damit zum Coautor geworden war.

1088 Seiten

Dass die Mitte der 1980er Jahre endende Chronik von Wiesau weitergeführt werden kann und muss, liegt auf der Hand. Seit dem Erscheinungsjahr des 1088 Seiten umfassenden und in 3000 Exemplaren aufgelegten Rückblickes sind Jahrzehnte vergangen. Auf Manfred Steinberger muss Adalbert Busl, der sich der ehrenamtlichen Aufgabe Chronik erneut stellt, jedoch verzichten. Ohne Zweifel ist das Fehlen von Manfred Steinberger eine spürbare Lücke. Der frühere Geschäftsleiter im Rathaus lebt nicht mehr.

Oberpfalz-Medien hat Busl in seinem Wohnhaus besucht und sich nach dem aktuellen Stand seiner, wie er unterstreicht, „sehr aufwendigen Arbeit“ erkundigt. „Fortsetzung folgt, nein das gibt es nicht“, beschreibt er den noch unverwirklichten Folgeband, weil, so Busl, „ein Update gar nicht möglich ist“. Er könne nicht einfach aufsetzen und die Kapitel ergänzen. Die Chronik werde fortgeführt, neu geschrieben werde sie – bis auf bekannt gewordene neue Erkenntnisse – aber nicht.

Nur amtliche Quellen

Erneut, und das seit nunmehr drei Jahren, beschäftigt sich Busl mit der alten und neueren Historie der Marktgemeinde Wiesau und stellt dabei fest, dass manche Details aus heutiger Sicht „anders dargestellt werden müssen“. Erinnerungen seien oft unterschiedlich.

Damit erklärt sich der Grund, warum der Chronist jetzt, wie er gegenüber Oberpfalz-Medien deutlich unterstreicht, „ausschließlich amtliche Quellen, wo alles dokumentiert ist“, verwendet und auch nur daraus zitiert. Als ein „schwieriges Thema“ bezeichnet Busl die Zeit des Nationalsozialismus in Wiesau. Vieles davon wollte er beim Erstlingswerk nicht beschreiben. Heute, so Busl, sei das anders. Wichtig seien auch die Nachkriegsjahre ab 1945. Derzeit beschäftigt er sich mit den ihm zur Verfügung gestellten Entnazifizierungsbescheiden aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg – ein dicker Ordner mit viel vergilbtem Papier.

Weiße Handschuhe

Viele Stunden verbringt er beispielsweise im Staatsarchiv Amberg, wo man den Heimatforscher aus Wiesau längst kennt. Mühelos entziffert er die alten, manchmal fast unleserlichen Handschriften. Für Busl ist das kein Problem. „Ich les' alle Jahrhunderte“, kommentiert er das angeeignete Talent. Korrekt deuten könne er auch damals gebräuchliche, heute nicht mehr bekannte Abkürzungen oder Formulierungen. Gewohnte "Arbeitskleidung", wenn er in alten Unterlagen blättert, ist ein Paar weißer Handschuhe. „Es macht Spaß und ist interessanter, als in den Fernseher zu schauen“, sagt Busl.

Computer-Datenbanken gebe es nicht, dafür aber schriftliche Verzeichnisse, und die „erleichtern die Arbeit in den Archiven, in denen man sich aber auskennen muss, sehr“. Kann man sich dabei auch verzetteln? Busl bestätigt dies mit "oh ja". Daher, so erklärt der Wiesauer, "muss ich bei der mühseligen Arbeit oft und vieles filtern".

Wiesauer Bahnhöfe

In den Mittelpunkt seiner Folgechronik rücken das jetzige Wiesau, die Entwicklung der ortsansässigen Industrie und der Niedergang mancher Zweige. Zu den Teilbereichen gehört, wie schon im bestehenden Buch, die Eisenbahn, die laut Busl „wie im Wilden Westen gebaut wurde“. Er weiß, dass für die Beherbergungsstätten in Wiesau, die im Zuge des Gleisbaus entstanden, Konzessionen vergeben wurden. „Die Behörden prüften, ob und in welchem Ausmaß ein Übernachtungsbedarf besteht.“ Bei den Recherchen stieß Busl auf neue Fakten. „Damit meine ich die Bahnhöfe in Wiesau“, erklärt Busl.

"Warum Mehrzahl?", hakt Oberpfalz-Medien nach. Den Bahnhof in Wiesau gibt es doch nur einmal. „Und genau das ist ein Irrtum“, erwidert Busl. „Das Bahnhofsgebäude existierte in drei Varianten und an unterschiedlichen Standorten.“ Das erste Gebäude, so geht es aus Recherchen in Nürnberg hervor, stand laut Busl „auf Höhe der ehemaligen Strumpffabrik Fritzsche“. Und das zweite Gebäude? „In der Nähe des jetzigen Bahnhofes.“ Erst als die Eisenbahnlinie nach Marktredwitz gebaut wurde, das weiß Busl auch aus gesicherter Quelle, „bekam das Anwesen seinen endgültigen Standort“. Folglich sei dieser, also der künftige Kulturbahnhof, der dritte. Erst Jahre später aber bekam der „in drei Phasen gebaute Bahnhof“ sein endgültiges Erscheinungsbild. Beim Neubau im Jahr 1882 hätten die Anbauten im Norden und Süden des Anwesens noch gefehlt. Auch von diesen Details möchte Busl in der neuen Chronik berichten. Näher beschreiben möchte Busl in der neuen, von Bürgermeister Toni Dutz vor langer Zeit angeregten Chronik, auch den Wasserleitungsbau im Ort.

Erscheinungstermin offen

Was sagt die Gattin, Brigitte Busl, dass er stundenlang über Dokumenten brütet, Fotos sichtet oder seine Freizeit in den Archiven verbringt? „Was Adalberts Arbeit betrifft, bin ich völlig entspannt und unbelastet, das stört mich nicht weiter“, erwidert sie darauf. „Ehrlich gestanden, bin ich sogar froh, dass er das Hobby hat“, ergänzt die Ehefrau.

Natürlich interessiert, wann die neue Chronik auf den Markt kommen könnte. Busl glaubt, dass er mit den Recherchen voraussichtlich in zwei Jahren fertig sei.

Hintergrund:

Zur Person: Adalbert Busl

  • Zur Welt kam Adalbert Busl im Dezember 1950, zwei Wochen vor Weihnachten, im Plößberger Gemeindeteil Beidl.
  • Zuletzt war der Chronist und Heimatforscher Rektor der Grundschulen Falkenberg, Friedenfels und Wiesau.
  • Die Eheleute Brigitte und Adalbert Busl leben in Wiesau.
  • Ehrungen und Auszeichnungen: 1997 Johann-Andreas-Schmeller-Medaille des Landkreises Tirschenreuth; 2016 Bürgermedaille in Silber der Marktgemeinde Wiesau, 2018 Nordgaupreis des Oberpfälzer Kulturbundes in der Kategorie „Heimatpflege“.
  • Die erste Chronik des Marktes Wiesau erschien im Jahr 1984. Gedruckt wurden 3000 Exemplare. Autoren waren Adalbert Busl und der vor Jahren verstorbene Manfred Steinberger. Die Fotos stammten aus Privatarchiven, die Zeichnungen von Herbert Bässler, Adalbert Busl und Manfred Steinberger.
  • Herausgeber war seinerzeit der Markt Wiesau.
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