06.11.2019 - 15:49 Uhr
WiesauOberpfalz

Lärmschutz im Wiesauer Bahnhofsbereichs ein Dauerbrenner

Die Bahn hat umfassende Lärmschutzmaßnahmen im Bereich Wiesau geplant, gekoppelt an die Elektrifizierung der Strecke Hof - Regensburg. Das kann noch Jahrzehnte dauern. So lange wartet die Ziegler Group nicht. Sie baut im kommenden Jahr.

Lärmschutz im Bereich des Bahnhofs Wiesau ist ein heiß diskutiertes Thema. Auf dem Gelände des Ziegler Terminals machten sich darüber unter anderen Albert Rupprecht, Roland Grillmeier, Horst Leißner und Matthias Trykowski von der DB Netze, Wilhelm Ziegler, Toni Dutz, Andreas Sandner und Michael Wachsmann (von links) Gedanken.
von Norbert Grüner Kontakt Profil
Ein Beispiel, wie die Schallschutzwand im Bereich des Container-Terminals aussehen könnte.

Ein Bundestagsabgeordneter, ein Bürgermeister, zwei Vertreter der Deutschen Bahn (DB Netze) und der Seniorchef der Ziegler Group diskutierten zwei Stunden über eine Lösung, um den Lärmschutz im Bereich des Bahnhofs voranzubringen. In der Planung zur Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof - Marktredwitz - Regensburg ist zwar der Lärmschutz integriert. Den Aussagen der beiden Bahnvertreter Matthias Trykowski, Leiter des Portfolios Großprojekte Nordbayern, und des Projektingenieurs Horst Leißner zufolge könnten bis zu einem realistischen Baubeginn noch Jahrzehnte ins Land ziehen.

Nägel mit Köpfen

Viel zu spät für die Ziegler Group, die in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs wächst und wächst, und für Bürgermeister Toni Dutz, der in der Pflicht seiner Bürger steht und lieber heute als morgen Nägel mit Köpfen machen möchte, denn das Thema Lärmschutz ist schon lange ein heikles Thema. Die Anwohner, die unter dem Lärm leiden, wollen in dieser Frage endlich einen Fortschritt sehen. Der ist in Sicht. Der Seniorchef der Ziegler Group, Wilhelm Ziegler, kündigte beim Lärmschutzgipfel auf dem Gelände des Ziegler-Container-Terminals in Wiesau an, dass das Unternehmen im kommenden Jahr schon mal auf eigene Rechnung einen 529 Meter langen und 9 Meter hohen Lärmschutzzaun in Holzbauweise auf seinem Gelände bauen wird. Der Prokurist der Ziegler Group, Michael Wachsmann, sagte, dass seitens des Unternehmens bereits mehrere Maßnahmen zum Lärmschutz umgesetzt worden seien. So habe man in dieser Frage schon alle technischen Möglichkeiten bei den Fahrzeugen ausgenutzt und Container- und Gabelstapler mit Schalldämpfern ausgestattet. Auch habe man auf modernste Fahrzeuge umgerüstet, ebenfalls unter Schallschutzgesichtspunkten. Die Container für Restholzprodukte seien ebenfalls optimiert worden. Fünf Millionen Euro seien bisher investiert worden. Zudem werde ständig daran gearbeitet, die Fahrbewegungen auf dem Betriebsgelände zu optimieren, um möglichst wenig Hin- und Rückverkehr zu haben.

Im Dezember 2018 hatte Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht schon einmal den Container-Terminal des Unternehmens besucht. Dabei war auch das Problem des Lärmschutzes angesprochen worden. Rupprecht hatte einen Lärmschutzgipfel mit allen Beteiligten zugesagt, der nun über die Bühne ging.

Lärmschutz und Expansion

Bürgermeister Toni Dutz unterstrich die herausragende Bedeutung der Firma Ziegler für die Gemeinde und die ganze Region. Es sei bemerkenswert, dass man mit 250 Mitarbeitern bereits auf Platz Zwei der größten Arbeitgeber in der Gemeinde stehe. "Wir müssen auf der einen Seite die Bevölkerung vor Lärm schützen und dürfen auf der anderen Seite die Expansion der Betriebe nicht gefährden. Das ist es, was es gilt unter einen Hut zu bringen."

Es dürfe aber nie passieren, dass Unternehmen deshalb Einschränkungen hinnehmen müssten.. Dutz plädierte dafür, die Lärmschutzmaßnahmen aus der Gesamtplanung der DB in diesem Bereich herauszunehmen. Er könne sich notfalls auch vorstellen, dass dabei die Gemeinde in Vorleistung gehe und nach Fertigstellung der Gesamtmaßnahme die Bahn die bestehenden Bauwerke und geleisteten Vorleistungen übernimmt.

Matthias Trykowski und Horst Leißner erklärten, dass es extrem schwierig sei, bestimmte Teile aus dem großen Ganzen herauszulösen. Schließlich müsse schlussendlich alles zusammenpassen. Da mache es kaum Sinn, jetzt mitten auf der Strecke an diversen Plätzen irgendwelche Lärmschutzwände hochzuziehen, die dann möglicherweise beim eigentlichen Ausbau der Gesamtstrecke nicht zu den Teilen der Bahn-Planungen passten.

Egal, wie viele Jahrzehnte noch ins Land zögen, bis die Elektrifizierung der Strecke und damit auch die Schallschutzlösung in die Nähe rücke. Solange will die Ziegler Group nicht warten. "Uns liegen die Anwohner am Herzen und wir bauen unsere Schallschutzmauer auf unserem Gelände in jedem Fall", sagte Wilhelm Ziegler. Auch der Abgeordnete drückt in der Beziehung aufs Gaspedal. Die Gesamtlösung der DB dauere in dieser Beziehung viel zu lange. Das könne man den betroffenen Bürgern nicht zumuten, weshalb er sich ebenfalls für eine Lösung durch Herausnahme aus der Gesamtplanung aussprach.

Er werde Verkehrsminister Andreas Scheuer persönlich über das Wiesauer Problem informieren. "Vielleicht kommt er ja selbst einmal her", schloss der Politiker einen Besuch nicht aus, denn das betreffe ja nicht nur Wiesau, sondern alle Orte, die an dieser Strecke liegen. Rupprecht könnte sich einen Sondertopf vorstellen, aus dem dann solche Vorleistungen finanziert werden könnten. Er sagte, "wir befinden uns hier in der Mitte Europas, wo ein gewaltiger Strukturwandel stattgefunden hat. Der wäre nicht gelungen, wenn hier nicht produziert würde und es hier nicht Unternehmen gäbe, die dafür Sorge tragen, diese Produkte auch in alle Welt zu transportieren."

Entkoppelung sehr "tricky"

Die Anwohner wollen, dass darunter nicht die Lebensqualität leidet. Rupprecht: "Wir wollen die Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof - Regensburg. Das kann aber nicht bedeuten, dass alles andere bis dahin 20 Jahre auf Eis liegt."

Der Abgeordnete hat nach eigenen Angaben bereits Gespräche mit dem Verkehrsministerium in Berlin geführt, bei denen es darum gegangen sei, bestimmte notwendige Vorhaben von der Gesamtplanung zu entkoppeln, was übrigens sehr "tricky" und alles andere als einfach wäre. Es sei sicher nicht der letzte Lärmschutzgipfel in Wiesau gewesen, aber man sei wieder ein Stück weitergekommen, hieß es nach den Gesprächen.

Hintergrund:

Aktuell beschäftigt die Ziegler Group am Container-Terminal in Wiesau 250 Mitarbeiter - Tendenz steigend. In der Woche werden 18 Züge mit Verbindungen zu den deutschen Seehäfen Hamburg und Bremerhaven abgewickelt. 150 Lkw gehören zum Fuhrpark. Die waren bisher braun und kommen künftig in grellem grün daher - in Anlehnung an die neue Schiene "Ziegler-Haus". Vom Wiesauer Standort aus betreut die Ziegler Group bedeutende Großkunden, darunter sind auch die bekannten Unternehmen Cube, Ghost, NKD und ATU. (tr)

Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht (rechts) hält fest, was ihm Matthias Trykowski und Horst Leißner (von links) von der DB Netze als Info mit auf den Weg nach Berlin geben.
Seniorchef Wilhelm Ziegler sagt, "wir bauen unsere Wand ohnehin".
Horst Leißner mit dem Plan des Wiesauer Bahnhof-Areals.
Albert Rupprecht macht sich für einen Geldtopf stark, mit dem herausgelöste Projekte aus dem Bahnausbau Nordostbayern finanziert werden können.
Ein Beispiel, wie die Schallschutzwand im Bereich des Container-Terminals aussehen könnte.

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