03.05.2019 - 13:54 Uhr
WiesauOberpfalz

Der Lausbub vom "Kreizberch"

Erinnerungen an längst vergangene Zeiten: Werner Robl gestaltet mit Unterstützung der Falkenberger Zoiglmusik einen kurzweiligen Benefizabend

Werner Robl erzählte von schönen Tagen in seiner Kindheit auf dem Kreuzberg.
von Ulla Britta BaumerProfil

Amüsante Geschichten und gute Volksmusik verhalfen der Mitterteicher Tafel zu einem Benefizabend. Werner Robl hatte zur Lesung von Anekdoten aus seiner Kindheit eingeladen - und so mancher Besucher hatte plötzlich wieder den Geschmack von speziellem "Tuttifrutti" auf der Zunge.

Erzählt Werner Robl im Dialekt von seiner Kindheit vor gut 55 Jahren, würde man den Zeitungsbericht über den Hutzaabend beim Stiftländer Heimatverein am liebsten ebenfalls im Dialekt schreiben, so nett klingt das. In Robls liebevollen Geschichten spielt der "Kreizberch" (Kreuzberg), wo er aufgewachsen ist, eine große Rolle. Robl erzählt vom "Dannerschouster" und vom "Weberseff'n". So heißen die guten Kumpels oder Menschen, mit denen er in seinem ersten Lebensjahrzehnt zu tun hatte. Der Chef wird zum "Scheef", und was ein "Arwarts-Gaal" (Gaul) oder eine "Hauche" (Henne) ist, müssen sich die jüngeren Leute unter den Gästen erklären lassen.

Spontane Idee

Zünftig geht's zu im Heim des Trachtenvereins, für gute Stimmung muss eigentlich niemand sorgen an dem Abend. Die macht das Publikum selbst, mit Klatschen und Schunkeln, sobald die Falkenberger Zoiglmusik aufspielt. Angeregt von einer spontanen Idee sind die Wiesauer zusammengekommen, immerhin fanden sich gut 50 Leute zum Hutzaabend ein. Denn es geht um eine gute Sache. Als Vorstandsmitglied der Mitterteicher Tafel wollte Robl dem Verein was Gutes tun und bot eine Lesung als Benefizveranstaltung an.

Das freut die Vorsitzende, Nicki Fürst. Sie bedankt sich herzlich bei Robl, den Musikern und dem Trachtenverein fürs Organisieren. "Weil Geld können wir immer gebrauchen", sagt sie charmant lächelnd in die Runde. Nicki Fürst darf eine Geschichte über die alte Linde am Kreuzberg vorlesen. Bei neun Metern Höhe sollen sechs Bauernburschen nötig gewesen sein, um die Linde zu umfangen. Weil der Baum hohl war, konnten 20 Leute drin stehen und es soll sogar drin Karten gespielt worden sein. 1858 gab's eine Anordnung, sagt die Überlieferung, zum Schutz des Baumes. 1912 sei er ausgemauert worden wegen Brüchigkeit. Aber leider habe dies die Linde aus dem 17. Jahrhundert auch nicht gerettet.

Bevor Robl seine Geschichten vom "Kreizberch" hervorkramt, berichten die Musikanten von ihrer musikalischen Kreativität. In ihrem Repertoire seien ein Zoiglmarsch, ein Zoiglblues, eine Zoiglpolka und ein Zoiglwalzer, scherzen sie. Robl hat historische Fotos auf den Tischen verteilt. Der Sammler von alten Wiesauer Ansichten schreibt seit Jahren wahre Begebenheiten darüber auf. Es sind die einfachen Geschichten einer glücklichen Kindheit, die sich Robl notiert. Aus einer Zeit, als die Wiesauer Gemeindestraßen einen einzigen Abenteuerspielplatz für die Lausbuben bildeten.

Über 500 Euro für die Tafel

Robl hat eine blumige Sprache, schmückt seine Anekdoten mit liebevollen Details aus und spricht unterm Vorlesen seine Zuhörer an: "Gell, Hanne. Da kannst dich du auch dran erinnern?" Natürlich kann sie, jeder ist hier mittendrin in den Erzählungen. Man gehört quasi dazu, ist Protagonist in Robls G'schichterln als alteingesessener Kreuzberg-Bewohner. Die Zuhörer erfahren, dass die Tante Lene in der Schönfelder Straße eine Flaschenbierhandlung, einen sprechenden Wellensittich und den dicken Dackel Bobby hatte. Elf Leute hätten da gewohnt, es sei immer was los gewesen, sagt Robl. "Tuttifrutti. Wer kennt das noch?" fragt der 61-Jährige, der heute in Fuchsmühl wohnt, bei einer Erzählung vom Frühschoppen mit Opa Xaver. "Tuttifrutti" hieß eine Limonadenmischung aus dem Haus König-Otto-Bad. Robls Altersklasse nickt nicht nur an dieser Stelle wissend. Jetzt schwelgen viele Zuhörer in Erinnerungen an wunderbare Kinderjahre: "Vül schener wor's als heit, wo alles sua stressig is." Der Benefizabend für die Mitterteicher Tafel bleibt bis zum Ende kurzweilig mit guter Volksmusik und netten Geschichterln. Eine gute Sache eben, die "der Werner" da angekurbelt hat. Das Eintrittsgeld in Höhe von knapp über 500 Euro nahm Nicki Fürst gleich für die Mitterteicher Tafel in Empfang.

Auch die Tafel-Vorsitzende, Nicki Fürst, hat ein historisches Fotos von Werner Robl bekommen. Es zeigt ihre Großmutter.
Volles Haus im Vereinsheim: Von den Gästen gab es immer wieder viel Applaus.
Die Falkenberger Zoiglmusik lockerte die Lesung mit Musik zwischen den Geschichten auf.
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