19.11.2019 - 13:53 Uhr
WiesauOberpfalz

Leugaser fordern Lärm- und Sichtschutz

Das neue Industrie- und Gewerbegebiet war erneut Thema im Wiesauer Marktrat. In einem Brief hatte die Dorfgemeinschaft Leugas Forderungen formuliert. Eine davon ist der Lärm- und Sichtschutz.

Das interkommunale Gewerbegebiet in Wiesau stand zum wiederholten Mal auf der Tagesordnung der Gemeinderäte - auch weil Leugaser Bürger auf Probleme aufmerksam machten.
von Werner RoblProfil

Im Sondergebiet "Interkommunale Gewerbefläche für Logistik" wird es keine Supermärkte geben. "Sie sind im Flächennutzungsplan nicht vorgesehen", informierte Diplom-Ingenieur Bernhard Bartsch, der nach Wiesau gekommen war, um die Stellungnahmen zur Änderung des Flächennutzungs- und Landschaftsplanes zu erläutern. Die öffentliche Auslegung fand vom 26. August bis 30. September statt. Angeschrieben wurden 40 Träger öffentlicher Belange, die sich äußern konnten. "Die vorgebrachten Änderungen wurden geprüft und in die Abwägung mit einbezogen", kommentierte Bartsch die insgesamt 27 Rückmeldungen.

Schriftlich und ausführlich geäußert hat sich auch die Dorfgemeinschaft Leugas in einem Brief vom 29. September. Im Schreiben, das die Marktgemeinde einen Tag später erreichte, wurde daran erinnert, dass Leugas direkt an das Gewerbe- und Industriegebiet angrenze. Besorgt äußerte man sich über mögliche Lärmemissionen: Mit der Abholzung des Waldes falle der bestehende Lärmschutz "vollkommen" weg. Die Leugaser erinnerten an den bereits vorhandenen Lärm, verursacht durch die - so wörtlich - "Aktivitäten am Bahnhof" und am neu geschaffenen Industriegebiet. "Wir fordern einen 30 Meter breiten Bewuchsstreifen entlang der südlichen und östlichen Seite." Zudem verlangen die Leugaser, den vorhandenen Bewuchs stehen zu lassen und noch dichter zu pflanzen: "Damit er seinen Zweck als Lärm- und Sichtschutz erfüllt."

Angst vor Starkregen

Als weiteren Punkt brachte die Dorfgemeinschaft das Problem "Zufahrt" vor, die ausschließlich über Wiesau und nicht über Leugas erfolgen sollte, um zusätzliche Lärmquellen im Dorf zu vermeiden. Ergänzt wurde die Stellungnahme mit einem Verweis auf ein Problem, das man im Dorf mit großer Sorge verfolge. Man sei von "Starkregen-Ereignissen" bereits übermäßig betroffen, stellten die Unterzeichner heraus. Da man befürchtet, dass sich die Hochwassersituation noch verschärft, legte man nahe, das Oberflächenwasser hauptsächlich in Richtung Wiesau abzuleiten. Empfohlen wurde auch die Schaffung eines Dammes entlang des Gstaudachweges. Weiter müsse man ein kritisches Auge auf die Ableitung des Wassers in den Wiesaubach werfen. Außerdem äußerten sich die Leugaser zum bestehenden Jagdrevier. Die davon Betroffenen machten deutlich, dass der Verlust auszugleichen sei.

Erneute Auslegung

Bedenken hinsichtlich eines Formfehlers äußerte das Landratsamt. In der Stellungnahme wurde bemängelt, dass es für einen Ortsunkundigen schwer sei, die Lage des Industriegebietes zweifelsfrei zu bestimmen. "Der Planausschnitt enthält weder Straßen- noch Ortsbezeichnungen. Um Rechtssicherheit zu erlangen, erscheint eine Wiederholung der öffentlichen Auslegung mit neuer Bekanntmachung ratsam", lautet die Empfehlung. "Dann werden wir sie noch einmal auslegen", kommentierte Bürgermeister Toni Dutz den Rat.

Regenüberlaufbecken

Im Namen der Leugaser thematisierte Helmut Oppl noch einmal die Sorgen der Dorfgemeinschaft, insbesondere Lärm- und Hochwasserschutz. Bernhard Bartsch verwies auf das Regenüberlaufbecken. Um den Ort zu schützen, habe man "Lärmkontingente" geschaffen, erklärte Bernhard Bartsch. Diese seien in einem Sondergebiet leichter möglich als in einem Gewerbegebiet, erläuterte der Fachmann und folgerte: "Die Entscheidung Sondergebiet ist daher goldrichtig." Einfach gesagt wird im Sondergebiet festgelegt, wie viel Schall die zukünftigen Betriebe verursachen dürfen, damit die zulässigen Lärmwerte an den nächstgelegenen Wohnhäusern eingehalten werden.

"Mit Leben erfüllen"

Geschaffen wurde auch die Option für eine künftige Erweiterung der Gewerbefläche. "Wir wollen, dass das Gebiet mit Leben erfüllt wird", merkte Bürgermeister Toni Dutz an und versprach die Anliegen der Leugaser im Blick zu haben.

Keine Gefahren gebe es für die Trinkwasserbrunnen. "Die Betriebe, die sich im Gewerbegebiet ansiedeln möchten, produzieren keine gefährlichen Abwässer", entgegnete Bartsch FW-Marktrat Franz Dürrschmidt, der sich dazu besorgt geäußert hatte. Die Pläne werden nun erneut ausgelegt, wobei der Leugaser CSU-Marktrat Helmut Oppl gegen den Entwurf des Flächennutzungsplans gestimmt hat.

Kurz notiert:

Neue Produktionsstätte und Bitraten-Analyse

Einstimmig befürwortet haben die Markträte eine Bauvoranfrage zur Errichtung einer Produktionsstätte an der Industriestraße. Bekannt ist bisher nur, dass dort ein Betonzusatzstoff hergestellt werden soll. Mehr konnte Bürgermeister Toni Dutz dazu auch auf Anfrage nicht sagen. FW-Marktrat Thomas Streber äußerte die vage Vermutung, dass man mit dem Produkt einen Beitrag zum Klimaschutz leisten möchte. Er nannte das Stichwort „Grüner Beton“ – Minimierung des Kohlendioxid-Ausstoßes bei der Zementherstellung.

Im Gemeindebereich wird derzeit eine Bitraten-Analyse durchgeführt, um Versorgungslücken festzustellen. Abgeleitet werde aus den Ergebnissen auch, wo weniger Internetgeschwindigkeit zur Verfügung stehe, als vom Netzbetreiber angegeben, informierte Bürgermeister Dutz. Er bedauerte, dass kein Ausbau (in Wiesau und Schönhaid) im Rahmen des Breitbandförderprogramms möglich sei. „In beiden Orten werden von Vodafone Kabel Deutschland bereits mehr als die Mindestgeschwindigkeit von 30 MBits/s bereitgestellt“, erklärte er. Parallel dazu läuft in Wiesau jetzt das dritte Förderprogramm. Bislang warte man im Rathaus aber vergeblich auf Angebote. Sollte sich erneut kein Anbieter finden, werde man über eine alternative Ausbaumöglichkeit beraten müssen. Mehr als fraglich bleibe zudem der Ausbau in den entfernt liegenden „Außenbezirken“.

Festgelegt wurden die Erfrischungsgelder für die Kommunalwahl am 15. März 2020: Wahlvorsteher 60 Euro, Wahlhelfer 50 Euro. Bei einer folgenden Stichwahl erhält der Wahlvorsteher 30 Euro, die Wahlhelfer bekommen 25 Euro. (wro)

Bernhard Bartsch (links) stand für Fragen zur Verfügung. Bürgermeister Toni Dutz (rechts) und die Markträte folgten der Empfehlung des Landratsamtes, die Pläne noch einmal auszulegen.
Bereits fertig und in Betrieb genommen ist das Regenüberlaufbecken an der Tonwerkstraße.

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