16.05.2019 - 09:59 Uhr
WiesauOberpfalz

Oberpfälzer Kleinode im Blick

Der 1978 gegründete Arbeitskreis für Flur- und Kleindenkmalforschung in der Oberpfalz wirkt gemeinnützig. Regelmäßig gibt es einen Erfahrungsaustausch. Neugierig macht der neue Jahresband.

Der Jahresband 2019 ist fertig. Das freut (von links) AFO-Vorsitzenden Professor Dr. Peter Morsbach, Verleger Eckhard Bodner, Bürgermeister Toni Dutz, stellvertretenden Arbeitskreis-Vorsitzenden und Geschäftsführer Bernhard Frahsek und den Präsidenten des Oberpfälzer Kulturbundes, Volker Liedtke.
von Werner RoblProfil

Gegründet wurde die Gemeinschaft vor 41 Jahren von Rainer Schmeissner und Professor Dr. Peter Morsbach. Morsbach war auch Referent bei der 38. Jahrestagung. Im Sportzentrum in Wiesau beleuchtete er in einem bebilderten Vortrag die – wie er sie nannte - „Wegmarken der Kulturlandschaft“, die der Fachmann in diesen Dingen auch im einzelnen erläuterte. Angefangen von Wegkreuzen aus Stein und Metall, über die großen Flurdenkmäler aus Holz – mit und ohne Corpus Christi – seien sie zu unverrückbaren Landmarken geworden, betonte Morsbach in seinem rund 30-minütigen Streifzug durch die von Menschen geschaffene Oberpfälzer Kulturlandschaft.

„Verändert man ihren Standort, verschwindet auch die Bestimmung“, mahnte der Sprecher beim gut besuchten Treffen im Restaurant des Sportzentrums. „Der tiefere Sinn erschließt sich nur dort, wo sie auch errichtet wurden.“ Morsbach beschäftigte sich aber nicht nur mit den christlichen, sondern auch mit den weltlichen Zeugnissen der Vergangenheit. „Sie alle zu erforschen und zu pflegen, um ihren prägenden Charakter zu erhalten, ist unsere Aufgabe“, fasste der Vorsitzende des Arbeitskreises für Flur- und Kleindenkmalforschung in der Oberpfalz zusammen und bekannte: „Der volkstümliche Wert steht deutlich über dem künstlerischen.“ Die architektonischen Sünden der Vergangenheit könne man nicht mehr rückgängig machen. „Wir müssen aber aufpassen, dass sie sich nicht wiederholen“, mahnte der Vorsitzende vor den Gästen aus der gesamten Oberpfalz.

Organisiert hatte das Treffen Adalbert Busl, der auch die Leitung der 38. Jahrestagung übernommen hatte. Der Wiesauer Historiker und Heimatforscher knüpfte an die Worte seines Vorredners an. Sein von ihm vorbereiteter Rückblick beleuchtete das heute nicht mehr existierende Flüchtlingslager, das Hunderttausenden von Vertriebenen nach Ende des Zweiten Weltkrieges Zuflucht gab. „Das Barackendorf stand im Osten der Marktgemeinde Wiesau“, erklärte Busl, der Bilder dazu gesammelt und mitgebracht hatte. „Das umzäunte Dorf in der Gemeinde trug zur Entwicklung des Ortes mit bei.“

Busl erinnerte an das anfängliche Misstrauen in der Bevölkerung den Bewohnern gegenüber, die zudem auch mit Lebensmittel-, Wasser- und Brennholznot zu kämpfen hatten.“ Vom Ende der 1950er Jahre aufgelösten Lager sei nichts erhalten geblieben, schloss Busl, der für den Nachmittag auch eine Exkursion vorbereitet hatte. Die vom Landkreis Tirschenreuth finanziell unterstützte Rundreise führte auf den Wiesauer Kreuzberg. Weitere Stationen waren die Stiftlandsäulen in Kornthan, die Radschuhsäule bei Friedenfels und die Erinnerungsstätte, die heuer aus Anlass des Eisenbahnunglücks im Jahr 1944 am Bahndamm bei Wiesau errichtet wurde. Bereits fertig gedruckt ist der Jahresband „BfO 42/2019“ aus dem Pressather Verlagshaus Bodner, der den Gästen während der Kaffee- und Mittagspause, neben anderen Medien, zum Kauf angeboten wurde.

In einem Grußwort bedankte sich Bürgermeister Toni Dutz für das fortwährende Wirken des Arbeitskreises. Anhand eines Beispiels hob stellvertretender Landrat Alfred Scheidler die Bedeutung der Kleindenkmäler hervor. Der Gedankenaustausch endete schließlich in Falkenberg, wo man sich im Falkenberger Hutza-Café noch einmal traf, um dort fachzusimpeln.

Stellvertretender Landrat Alfred Scheidler überbrachte die Grüße des Landkreises.
Das Jahrestreffen der Oberpfälzer Kleindenkmal-Forscher im Sportzentrum stieß auf großes Interesse. Vorne rechts: Vorsitzender Professor Dr. Peter Morsbach, daneben Tagungsleiter Adalbert Busl.
In seinem Referat beleuchtete Professor Dr. Peter Morsbach (rechts) die erhaltenswerten „Landmarken“ der Oberpfalz.
Tagungsleiter Adalbert Busl aus Wiesau im Gespräch mit Robert Treml aus Waldsassen und Bürgermeister Toni Dutz (von rechts).
Die Exkursion führte am Nachmittag auch auf den Kreuzberg beziehungsweise zu den Grabstätten der verstorbenen Lagerbewohner.
Exkursion auf den Wiesauer Kreuzberg: Dort besuchte man auch die Grabstellen der früheren Lagerbewohner.
Besichtigt wurde, zusammen mit Adalbert Busl (Vierter von rechts), auch die Kreuzbergkirche.

 

 

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