08.11.2019 - 15:18 Uhr
WiesauOberpfalz

Platz nehmen am „Kulturbahnhof“

Den Architektenwettbewerb zum Bahnhofsgebäude in Wiesau hat das Weidener Büro SHL gewonnen. Bürgermeister Toni Dutz zeigt sich von den Gestaltungsideen der Fachleute begeistert.

Nach der Revitalisierung folgt eine Namensergänzung: Aus dem Gebäude soll ein „Kulturbahnhof“ werden.
von Werner RoblProfil

Insgesamt 19 Architekten aus ganz Deutschland waren dem Aufruf gefolgt, ihre Revitalisierungspläne für den aktuell leerstehenden Bahnhof einzureichen. Am Donnerstag wurden die Zeichnungen offengelegt und von 13 Gremiumsmitgliedern gesichtet, um danach den Sieger zu bestimmen. "Das Schiedsgericht tagte bis in die Abendstunden", informierte Bürgermeister Toni Dutz, der das Preisträgerteam, Dr. Emil Lehner und Uwe Reihl, am Freitagvormittag persönlich beglückwünschte. Ihre Pläne sind mit "Kulturbahnhof" überschrieben. Bereits seit Jahren arbeitet die Gemeinde mit den Städteplanern SHL Architekten zusammen.

Ausdrücklich betonte Dutz, dass man keinerlei Kenntnisse darüber hatte, woher die anonym gehaltenen Pläne stammten, die lediglich mit einer, während der Sitzung zudem verdeckten Nummer, gekennzeichnet waren. Das Votum der neutralen sieben Preisrichter aus der Wiesauer Kommunalpolitik (darunter auch die drei Bürgermeister und Fraktionssprecher) sowie der sechs Fachvertreter (besetzt mit Architekten aus ganz Deutschland) erging einstimmig. "Für uns alle überraschend folgte der Name des Wettbewerbsteilnehmers aus Weiden", betonte Dutz. "Wir lassen die Optik unverändert und versuchten alle Nutzungen nach innen zu bringen", nahmen die Planer zu den Entwürfen Stellung.

"Der Bahnhof ist der erste Händedruck Wiesaus an die Bahnreisenden", kommentierte Lehner die Gestaltungsidee, über die der Marktrat in einer öffentlichen Vergabesitzung am Dienstag, 26. November, ab 18 Uhr im Rathaus endgültig abstimmen wird. "Danach beginnen die Planungsleistungen, um eine zeitnahe Verwirklichung des Vorhabens umzusetzen", erläuterte Geschäftsführer Thomas Weiß die weitere Vorgehensweise für eine Revitalisierung des nicht denkmalgeschützten Bahnhofs.

In den kommenden zwei Wochen können sich die Bürger selbst ein Bild von den vorgelegten Plänen machen. Die Ausstellung ist während der Rathausgeschäftszeiten zugänglich. "Der Baukörper versteht sich als solitäres Gebäude in einem landschaftlich gestalteten Freiraum", verdeutlichten die Fachberater in einem Gespräch mit Oberpfalz-Medien ihre Idee. Das Gebäude sei äußerlich durch seine Symmetrie geprägt - das Entwurfskonzept trage dem Rechnung. Lehner fügte hinzu: "Unser Ziel war es, dem Bahnhof seine optische und strukturelle Prägnanz zurückgegeben, die im Lauf der Jahre durch verschiedene Eingriffe und Hinzufügungen Schaden gelitten hatte."

Einen Tag nach der Beratung hatte Bürgermeister Toni Dutz die Preisträger – Dr. Emil Lehner und Uwe Reihl vom Weidener Büro SHL - ins Rathaus gebeten, um ihnen zu gratulieren. Im Bild (von links) Zweiter Bürgermeister Fritz Holm, Geschäftsführer Thomas Weiß, Bürgermeister Toni Dutz, Emil Lehner und Uwe Reihl.
Hintergrund:

In einem offenen und großzügig gestalteten Erdgeschossraum wird der Warte- und Museumsbereich untergebracht. In den Mittelpunkt rücken dort die Themen Eisenbahn, Grenzlager und Vertreibung. Besonders schützenswerte Exponate werden hinter mobilen Glastrennwänden präsentiert. Während der Museums-Öffnungszeiten können sie vollautomatisch zurückgefahren werden, um die Exponate frei zeigen zu können.

Das öffentliche WC, die Bäckerei und die neue Gaststätte kommen ebenfalls ins Erdgeschoss. Freisitzmöglichkeiten bieten zusätzliche Angebote wie beispielsweise Café, Straßenverkauf oder ähnliches. Ins Erdgeschoss kommen zudem auch ein Aufenthaltsbereich für die RBO-Mitarbeiter und eine zugeordnete Toilette.

Durch eine Wendeltreppe (zwischen den Geschossen) wird ein Braukessel wahrnehmbar. Der Wirtshaus-Nebenraum (im ersten Obergeschoss) wird durch eine Wendeltreppe und einer Galerie angebunden. Im ersten Obergeschoss befinden sich künftig auch die Praxisräume, die durch einen Aufzug erschlossen werden. Der Zugang zur Galerie und zum Wirtshaus-Nebenraum wird barrierefrei sein.

Der Büchereibetrieb findet im zweiten Ober- und im Dachgeschoss statt. Der geplante Lesesaal wird unter dem Dach angeordnet. Für mehr Licht sorgt ein Tageslichtband, das bündig in die Dachhaut integriert wird. Die Geschosse werden durch eine großzügig gestaltete Treppe, die als Sicherheitstreppenhaus ausgebildet wird, erschlossen. Ein transparenter Glasaufzug stellt die Barrierefreiheit in allen Geschossen sicher.

Der Freiraum entwickelt im unmittelbaren Umfeld des Gebäudes Qualitäten, die das Thema Kulturbahnhof zusätzlich stärken sollen. Das parkartige Umfeld mit Hecken und Bäumen nimmt weitere Exponate auf. Eingestreute Sitzmöglichkeiten schaffen Angebote für einen Aufenthalt ohne Verzehrzwang. Eine angemessene Nachtbeleuchtung soll eine besondere Atmosphäre erzeugen. Zu einem außergewöhnlichen Blickfang wird die historische Schmalspur-Lok. Ein etwa 140 Meter langes "Showgleis" ermöglicht Fahrten bei besonderen Anlässen, die von der Terrasse des Kulturbahnhofs aus nächster Nähe erlebt werden können.

Parallel zur Bahnhofstraße wird die Bushaltestelle angeordnet. Die Haltestellen sind barrierefrei. Ermöglicht wird ein geregeltes und sicheres Ein- und Aussteigen bei mehreren gleichzeitig haltenden Bussen, die nördlich des Bahnhofs bequem wenden können. Die dadurch entfallenden Stellplätze werden im Park & Ride Parkplatz nachgewiesen.

Viel Platz finden auch die Zweiräder. Die erforderliche Anzahl Fahrradstellplätze und die Fahrradverleihstation werden zusammen mit dem Wartebereich für Passagiere der Busse unter einem transparenten Dach organisiert. (wro)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.