11.08.2020 - 11:07 Uhr
WiesauOberpfalz

Ja zum Schott-Logistikzentrum in Wiesau

Damit die Schott AG im interkommunalen Gewerbegebiet in Wiesau bauen kann, gilt es, einige Hürden zu nehmen. Und so beschäftigte den Marktgemeinderat nun das schwierige Thema Ausgleichsflächen.

Das interkommunale Gewerbegebiet in Wiesau (im Bild die Logistikhalle der Ziegler-Group) soll weiter wachsen und war erneut Thema im Marktrat. Vor der Sommerpause wurde die Ergänzung des Bebauungsplans auf den Weg gebracht - die Voraussetzung, damit die Schott AG in Wiesau ihr neues Logistikzentrum errichten kann.
von Werner RoblProfil

„Eine wichtige Sache zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt“, kommentierte Bürgermeister Toni Dutz den Termin der besonderen Sitzung um 17 Uhr. Nicht fehlen, wenn es um das Gewerbegebiet geht, durfte dabei Städteplaner Bernhard Bartsch aus Sinzing (Landkreis Regensburg), um über den neuesten Stand beim Sondergebiet „Gewerbliche Logistik“ zu referieren. Wie berichtet, plant die Schott AG, in Wiesau auf einer Fläche von 40.000 Quadratmetern einen zweistelligen Millionenbetrag zu investieren.

Um den Produktionsstandort in Mitterteich zu entlasten, will die Schott AG in Wiesau bauen

Wiesau

Um Baurecht zu schaffen, seien ein sogenannter Abwägungsvorgang und danach ein Satzungsbeschluss notwendig, erklärte Bartsch die Schritte. Die öffentliche Auslegung gemäß Baugesetzbuch fand vom 11. Mai bis 17. Juni statt. Eingebunden in die weitere Planung wurden auch die vorher geäußerten Anregungen der Leugaser Bürger. Zudem wurde den Trägern öffentlicher Belange Gelegenheit zur Äußerung gegeben. „Während der öffentlichen Auslegung wurden von den Bürgern keine neuen Stellungnahmen eingereicht“, informierte Bernhard Bartsch die Markträte in der Sitzung.

Eingegangen waren aber Stellungnahmen seitens der Behörden. Bernhard Bartsch hatte sie in einer Abwägungstabelle zusammengefasst , um sie gemeinsam mit den Markträten auszuloten und abzusprechen, wie damit umzugehen sei. Bartsch nahm zu den Behörden-Anregungen auch umfassend Stellung. Kritik übte er an den Aussagen der Unteren Naturschutzbehörde, die monierte, dass sie zu keinem Vor-Ort-Termin eingeladen worden sei. „Uns wurde mangelnder Dialog vorgeworfen“, kommentierte Bartsch die Vorhaltung der Behörde, was man aber nicht unwidersprochen im Raum stehen lassen dürfe. „Wir haben uns intensiv mit dem Forstbesitzer Stadt Augsburg beziehungsweise Revierförster Eckhard Deutschländer abgestimmt, rechtfertigte sich der Fachberater. Die Ausgleichsflächen seien sichergestellt.

Nist- und Fledermauskästen

Ebenso sei man sich der Aufgabe bewusst, dass man bei der künftigen Betreuung der Forstflächen auch den Klimawandel in Betracht ziehen müsse. Bartsch empfahl, auf klimaresistente Baumarten zurückzugreifen, falls aufgeforstet werden müsse. Bernhard Bartsch fasste zusammen: „Die vertragliche Regelung mit der Stadt Augsburg ist in trockenen Tüchern.“ Umsetzen werde man auch die weiteren Ausgleichsmaßnahmen. Als nur ein Beispiel nannte Bartsch die geforderte Anzahl an Nist- und Fledermauskästen. Nicht auszuschließen sei das Vorkommen von Zauneidechsen. „Wir werden uns den Problemen stellen müssen“, bat Bartsch. Keine Probleme habe man beim Lärmschutz.

Die Ausgleichsfläche hat eine Größe von 5636 Quadratmeter. Dies wurde der Unteren Naturschutzbehörde bereits mitgeteilt. Das Amt jedoch fordert jetzt eine – so Bartsch – „detaillierte Aufgliederung und Begründung“, wie der Flächenumfang ermittelt wurde. Auf der Grundlage der vorgelegten Unterlagen könne dies nicht nachvollzogen werden, hatte die Untere Naturschutzbehörde moniert, die offensichtlich starken Zweifel hegt, dass die Flächen ausreichen werden.

Stellungnahmen, aber keine Einwände folgten vom Netzbetreiber und der Deutschen Bahn AG. Bei der Versickerung von Niederschlagswasser sei auf eine etwaige Beeinflussung der Trinkwasserbrunnen zu achten, mahnte das Wasserwirtschaftsamt. Keine Steine legen das Staatliche Bauamt, das Landesamt für Denkmalpflege, der Regionale Planungsverband Oberpfalz Nord und Autobahndirektion in den Weg. Die regelmäßige Aufforstung der Ausgleichsflächen forderte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Schreiten wir zum Beschluss, damit die Schott AG mit der geplanten Maßnahme in Wiesau beginnen kann.

Bürgermeister Toni Dutz

Sollten im Rahmen der Abwägung die vorgebrachten Punkte der Unteren Naturschutzbehörde überwiegen, "wären zusätzliche Ausgleichsflächen erforderlich und der Plan nochmals aufzulegen“, fasste Bernhard Bartsch seine 55-seitige Abwägungstabelle zusammen. „Die Schreibarbeit wird immer mehr“, kommentierte er seufzend die vorgestellte Arbeit.

Harsche Kritik

„Es bleibt also abzuwarten, ob die Ausgleichsflächen reichen oder ob wir nachlegen müssen“, kommentierte Bürgermeister Toni Dutz die – nach seinen Worten – „Verhinderungsentwicklung“. Harsche Kritik übte auch FW-Marktrat Thomas Streber, der von einem Eingriff in das Hoheitsrecht der Kommunen sprach. „Das muss man auch einmal Minister Aiwanger klar machen“, ergänzte Dutz und forderte – falls nötig – auch einen Dialog mit Vertretern der Spitzenverbände. „Aber Papier ist geduldig“, mahnte Dutz zur Sachlichkeit. „Schreiten wir zum Beschluss, damit die Schott AG mit der geplanten Maßnahme in Wiesau beginnen kann.“

Das Votum der Markträte für den Bebauungsplan und für die Satzung Industriegebiet „Gewerbliche Logistik“ beziehungsweise Ergänzung „Neues Industriegebiet Wiesauer Weiher Ost“ erging einstimmig.

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