Beim seniorenpolitischen Konzept, das zugleich ein Pilotprojekt ist, geht es darum, das Leben in Wiesau noch angenehmer zu gestalten. Ins Blickfeld der öffentlichen Sitzung rückten die Wünsche und Anregungen der älteren Mitbürger, die von der Gemeinde, Seniorenbeauftragter Irmgard Hegen und den Stadtplanern von SHL-Architekten zum Dialog eingeladen worden waren. Unverkennbar war: Die Senioren liegen den Gestaltern am Herzen. Deutlich wurde dies anhand der bereits ausgearbeiteten Bausteine. Man sei verpflichtet, die Eckpunkte weiterzuentwickeln, um sie danach auch umzusetzen, erklärte Bürgermeister Toni Dutz im Sportzentrum.
Dazu äußerte sich auch der Weidener Stadtplaner Emil Lehner: Ziel sei es, eine bürgernahe, moderne Seniorenpolitik auf der Basis des bereits herausgegebenen Landkreis-Seniorenwegweisers zu entwickeln. "Das haben wir. Darüber sprechen wir heute miteinander", versprach der Fachberater. Jeder dürfe zu Wort kommen.
Dargelegt und vertieft wurden danach auch die Ergebnisse, die der Bürgermeister zusammen mit dem Architekten, der Gemeindeverwaltung und der Seniorenbeauftragten Irmgard Hegen in den zurückliegenden Monaten entwickelt hatte. Derzeit leben in Wiesau rund 4000 Einwohner, davon sind gut 1100 älter als 65 Jahre. Die Tendenz sei steigend. "Für diese Zielgruppe müssen wir Rahmenbedingungen schaffen, damit sie selbstverantwortlich und selbständig leben kann", mahnte Lehner im folgenden Referat. Er ergänzte: "Manche brauchen Hilfe, andere leisten sie. Wieder andere betreuen und pflegen oder werden gepflegt und betreut."
Der Stadtplaner, der von Tochter Christina Lehner unterstützt wurde, fasste zusammen: "Die heutigen Lebensmodelle müssen auf die älteren Menschen zugeschnitten werden. Wir wollen ihrem Wunsch nachkommen, auch bei steigendem Hilfe- und Pflegebedarf zu Hause alt zu werden." Ziel sei es, am Beispiel Wiesau eine nachhaltige Ortsentwicklung voranzutreiben. "Dazu gehört auch die Verbesserung und langfristige Sicherung der Qualität in vielen Bereichen, wie zum Beispiel der Nahversorgung. Dazu zählen aber auch die Sicherung der Mobilität und die Schaffung einer stabilen, sozialen, kulturellen und technischen Infrastruktur", fügte der Weidener hinzu.
Gemeinsam mit den interessierten Zuhörern wurden die Punkte abgearbeitet. Dabei wurde klar: Manko an vielen Orten, auch in Arztpraxen, sei die fehlende Barrierefreiheit. Mit der ärztlichen Grundversorgung zeigte man sich zufrieden. "Aber halt die Treppen", bedauerten diejenigen, die auf Gehhilfen angewiesen sind. "Man muss sich engagieren", lautete die Erkenntnis beim Freizeitangebot. Dazu meldete sich auch der 96-jährige Josef Sailer zu Wort, der den spürbaren Rückgang der Schafkopfrunden beklagte. "Ich habe jetzt angepflanzt, jetzt müsste der Rasen gemäht werden. Ich kann das nicht mehr", fügte der rüstige Wiesauer hinzu. Die Frage nach der Wirtshauslandschaft sorgte für einige Lacher: "Das war einmal", kam dazu übereinstimmend.
Verlangt wurden mehr Ruhebänke. Erstaunt sagte dazu Bürgermeister Dutz, der Abhilfe zusicherte: "Ich dachte, wir haben genügend." Lob kam bei der Frage nach Informationsmöglichkeiten den Ort betreffend: "Wiesau wird in den Medien gut dargestellt", betonten die Dialogpartner. Als ein Vorzeigeobjekt bezeichnete man die Einrichtung "Baxi". Dass im Schmuckergarten ein Mehrgenerationenhaus entstehend könnte, bleibt noch ein Wunschtraum, den Dutz hegt. Noch fehlt ein Investor. Platz sei vorhanden. "Wir werden den Dialog mit den Senioren - mit Blick auf das seniorenpolitische Gesamtkonzept - nicht abreißen lassen", versicherte der Rathauschef.
Das seniorenpolitische Gesamtkonzept entstand in vier Schritten: Zunächst wurde der Status quo festgestellt: Was ist in Wiesau für die Senioren vorhanden? In Zusammenarbeit mit ausgewählten Ansprechpartnern über 60 und der Seniorenbeauftragten wurden die Bedürfnisse und Wertvorstellungen gesammelt. Schritt vier war die Frage, welche Ziele der Markt überhaupt zu realisieren in der Lage ist. Letzter Punkt waren danach die Vernetzungsstrukturen sowie die strategischen und operativen Ziele, die aus dem Handlungsbedarf entwickelt wurden. Themenbereiche sind die Beratung, Information und Öffentlichkeitsarbeit. Dazu gehören auch ein seniorengerechtes Wohnen, präventive Angebote und eine gesellschaftliche Teilhabe in der Gemeinde. In den Mittelpunkt rücken zudem auch die Mobilität und für die Zielgruppen eigens zugeschnittene Angebote.

















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