13.07.2018 - 16:40 Uhr
WiesauOberpfalz

Ein stiller Ort der Andacht

Der Streifzug durch Wiesau führt zum Kreuzberg mit seiner Kirche und den von Steinfiguren und Kreuzwegstationen gezierten Kalvarienberg. Entlang der Straße fällt eine Grotte auf, deren Entstehung fleißigen Händen zu verdanken ist.

Der steinerne Engel im Inneren der Grotte hält einen Weihwasserkessel in der Hand. Mit beiden Augen „bewacht“ er fest den Opferstock.
von Werner RoblProfil

Der heute bekannte Friedhof fehlte damals noch, als sich die Männer des „Verschönerungsvereins“ ans Werk machten, um dort eine Gebetsstätte zu Ehren der Mutter Jesu zu errichten. Vielen aber ist die Entstehungsgeschichte des Andachtsortes kaum bekannt. Werner Robls Archiv erzählt davon.

Die Entstehung der Grotte ist dem heute nicht mehr existierende Verschönerungsverein zu verdanken. Gegründet 1908 in Wiesau, hatte man sich seinerzeit zum Ziel gesetzt, für Glanzpunkte im Ort zu sorgen. Zeugen davon sind das 1914 erschienene Heimatbuch „Wiesau und Umgebung“, dessen Wiedererscheinung im Jahr 2016 der „Steinwaldia Pullenreuth“ zu verdanken ist. Von der Arbeit des Vereins künden aber auch die 1911 gepflanzte Luitpoldlinde am Lindenweg und die immer gerne besuchte und stets gepflegte Grotte am Kreuzberg, unterhalb des Friedhofes. Die im Inneren dargestellte Szene erzählt von einer Marienerscheinung in der Grotte von Massabielle im Winter 1858. Das kniende Mädchen stellt das französische Mädchen Bernadette Soubirous dar. Die Erscheinungs-Darstellung war zur Entstehungszeit der Grotte ein sehr beliebtes Motiv.

5 Jahre vor Ausbruch des 1. Weltkrieges machte sich der Verschönerungsverein durch Aktivitäten im damaligen Dorf Wiesau bemerkbar. Auf seine Initiative hin wurde 1909 auch die Lourdesgrotte an der heutigen Pfarrer-Ferstl-Straße erbaut. Ohne Maschinen, nur mit Pickeln und Schaufeln gruben die Männer ein großes Loch in den Kalvarienberg. Anschließend ergänzte man den Innenraum mit Sitzgelegenheiten, einem Gebetsstuhl und einem Eisengitter. Nicht zu übersehen sind die künstlichen Tropfsteine und die Marienfigur hinter dem Metallgitter. Die Ausstattung ist ein Werk des Münchner Bildhauers Huber, wird berichtet. Ein markantes Beiwerk ist der Opferstock, der von einem steinernen Engel „bewacht“ wird. Das Heimatbuch erzählt von heiteren Farben in der Grotte. „Ein Plätzchen wie geschaffen für betende, gläubige Seelen“, wird sie dort weiter beschrieben. Die Grotte, die nachts nur von Kerzen erhellt wird, ist tagsüber für jedermann zugänglich.

Die gepflegte Grotte, unterhalb der Wiesauer Kreuzbergkirche, ist tagsüber unversperrt und lädt zum Beten ein.

Die historische Aufnahme aus dem Jahr 1909 zeigt den „Verschönerungsverein“ beim Bau der Lourdesgrotte. Als Werkzeuge dienten die bloßen Hände, Pickeln und Schaufeln.

Das Innere erzählt die Geschichte der kleinen Bernadette aus Lourdes, der vor vielen Jahren die Gottesmutter erschienen ist.

Das im Sommer meist offene, markante Portal ist seit Jahrzehnten bereits von Efeu umwuchert.

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