06.12.2021 - 18:39 Uhr
WiesauOberpfalz

Weihnachtsstern: Zugluft ist der garantierte Tod

Oft lebt der Weihnachtsstern nicht einmal bis Heiligabend. Ursprünglich kommt er aus Mexiko und hat es lieber warm. Wie die rote Pracht am besten erhalten wird, weiß Gärtnermeister Gottfried Fröhlich.

Gottfried Fröhlich hat viel Erfahrung auch mit Weihnachtssternen. Der 63-jährige Gärtnermeister ist seit fast 30 Jahren selbstständig und hat die schönen Winterblüher auch schon in seinen Treibhäusern selbst kultiviert.
von Ulla Britta BaumerProfil

Es ist immer dasselbe: Kaum jemand kann dem leuchtenden Rot der Weihnachtssterne in den Gärtnereien und Supermärkten widerstehen. Aber kaum hat sein stolzer Besitzer das wunderschöne Gewächs nach Hause getragen, fallen ihm oftmals einfach die Blätter aus. Dabei gehören diese rotleuchtenden Adventsfreuden zu den wenigen Zimmerpflanzen, die auch im Winter viel Freude auf dem Wohnzimmerregal oder auf der Fensterbank verbreiten.

Halt! Letzteres war bereits falsch. Auf einer zugigen Fensterbank überlebt kein einziger Weihnachtsstern auch nur annähernd den Winter. Meist ist die Pracht rasch wieder dahin und hält nicht einmal durch bis zum Christkind. Woran liegt das? Was hat diese Mimose, diese Diva unter den Blühpflanzen für ein Zipperlein? Warum stellt sie sich so an und ist derart empfindlich, obwohl sie doch wirklich überall liebevoll behandelt wird?

Erfahrung in der Pflege

Wer darüber genau Bescheid weiß, ist Gottfried Fröhlich. Der 63-jährige Gärtnermeister aus Schönhaid bei Wiesau kümmert sich nun schon seit 30 Jahren in seinen Treibhäusern auch um den Weihnachtsstern. Fröhlich hat bei Weihnachtssternen ab seiner Lehrzeit in Waldsassen alles, was falsch laufen kann, viele Male mitgemacht und viel Erfahrung mit der Pflege sammeln können.

„Weihnachtssterne kommen ursprünglich aus Mexiko, ein tropischer Busch“, weiß der Fachmann. In der tropischen Heimat werden diese Büsche drei bis vier Meter hoch wie Bäume und ertragen jede Art von Hitze gern. Deshalb, sagt Fröhlich, seien sie auch in kalten Regionen derart empfindlich. Zugluft sei garantiert der Tod jedes Weihnachtssternes. Sein Ratschlag zur Pflege lautet: Keinen Platz auswählen für die Pflanze mit Zugluft und beim Lüften die Pflanze wegstellen. Weihnachtssterne brauchen Zimmertemperaturen von 15 bis 20 Grad Celsius.

Gut verpackt zum Auto bringen

Sie müssen unbedingt gut verpackt aus dem Fachgeschäft oder dem Supermarkt getragen werden, denn bereits das leiseste, kalte Lüftchen ist absolut schädlich für sie. Die Enttäuschung daheim ist groß, wenn der Pflanze plötzlich die Blätter ausfallen. Sei das der Fall, komme jede gut gemeinte Hilfe sowieso zu spät, weiß Fröhlich.

Auch stauende Nässe könnte Ursache des Übels sein. So rät Fröhlich, auch beim Gießen Sorgfalt walten zu lassen. „Nicht zu viel, aber auch nicht austrocknen lassen“, heißt die Formel. Oje, was für ein kompliziertes Pflänzchen. Warum ist es denn überhaupt trotzdem beliebt an Weihnachten? Fröhlich weiß die Antwort: Weil die Blütezeit des Weihnachtssternes in kalten Breitengraden auf den Winter fällt. Dem Original am Nächsten ist der rote Weihnachtsstern. Satt gefärbt und prachtvoll von ganz klein bis riesengroß lockt der Handel mit der Farbe, die einfach zu Weihnachten hervorragend passt.

Verkauf geht zurück

„Manchmal können sie auch leicht rosa sein“, erklärt der Fachmann aus dem Wissensbuch über Weihnachtssterne. Andere Farbspielereien seien gezüchtet. Gottfried Fröhlich hat vor gut zehn Jahren selbst Weihnachtssterne im Treibhaus kultiviert. Das, sagt er, rentiere sich aber jetzt nicht mehr für ihn. Denn – kaum zu glauben, aber wahr – der Run auf diese einst beliebte Weihnachtsfreude ist laut Info des Gärtnermeisters mit den Jahren um 15 bis 20 Prozent zurückgegangen.

Wer ihn heute noch mag und einen grünen Daumen hat, kann sich übrigens bis in den Sommer hinein und die nächste Blüte im Herbst daran erfreuen. Fröhlich erklärt, wie das geht: Nach der Blüte kann der Weihnachtsstern gern zurückgeschnitten werden und hat dann Ruhezeit. In dieser Zeit wachsen nur grüne Blätter. Apropos Blätter: Alles was rot ist, ist nicht gleichzeitig Blüte. Es handelt sich dabei rein um Blattwerk, das in der Blühphase rot wird. Die wirkliche Blüte ist kaum sichtbar als winzige Knötchen in der Mitte des Blattwerkes.

Schachtel überstülpen

Aber weiter geht es mit der dauerhaften Überlebensstrategie des blätterigen Lieblings. Über den Sommer kann der Weihnachtsstern draußen stehen. Im Spätsommer, spätestens im September, sollte er aber – damit er wieder blüht – nicht länger als 12 bis 14 Stunden Helligkeit, sprich Sonnenlicht, bekommen. Dem Gewächs darf gern nach dieser erreichten Zeitspanne ein Topf oder eine Schachtel über den Kopf gestülpt werden.

Mit diesen Tricks und etwas Dünger könnten Hobbygärtner ihre Weihnachtssterne mehrmals über Jahre hinweg zum Blühen bringen, sagt Fröhlich. Die Betonung liegt auf „könnten“. Denn der Weihnachtsstern ist eine äußerst empfindsame Diva.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hat die Autorin einen falschen Vornamen des Gärtners verwendet. Dies ist jetzt korrigiert. Er heißt Gottfried, nicht Christoph.

So blühen Barbarazweige zu Weihnachten

BesserWissen
Weihnachtssterne sind ein Hingucker in jedem Gärtnereibetrieb. Kaum kann man den kräftig roten Winterblühern widerstehen.
Nicht die roten Blätter, sondern nur die kleinen Knöllchen in der Mitte der Pflanze sind die Blüte. Bei den kräftig-roten Blättern handelt es sich lediglich um rot gefärbtes, ganz normales Laub des Busches.
Wer es lieber gedeckt mag, kann sich auch den weißen Weihnachtsstern ins Haus holen. Dank der Züchtungsmöglichkeiten gibt es ein paar Hundert Varianten der beliebten Pflanze.

 

 

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