16.07.2020 - 15:48 Uhr
WiesauOberpfalz

In Wiesau läuft alles bestens bei der Antikörper-Studie

Schon zwei Tage vor Ablauf der ersten Testphase der Antikörper-Studie ist die nötige Zahl an Testpersonen erreicht. Ein Blick nach Wiesau zeigt, wie diszipliniert Ärzte, Wissenschaftler, Ehrenamtliche und Testpersonen zusammenarbeiten.

von Ulla Britta BaumerProfil

Es ist Tag 13 der Corona-Antikörper-Studie, die im Landkreis Tirschenreuth durchgeführt wird, als Christine Feldsmann am Mittwoch die Mittelschule Wiesau betritt. Gegen 18 Uhr ist nicht mehr viel los in der Schulaula. Christine Feldsmann gehört zu den 4600 Bürgern, die schriftlich im Auswahlverfahren zur Blutentnahme gebeten wurden, um sich für die Corona-Studie auf Antikörper testen zu lassen.

„Natürlich habe ich sofort zugesagt“, erzählt die Frau aus Pleußen. Sie sei Kassierin und deshalb immer mit vielen Leuten in Kontakt. „Da will man wissen, ob man sich irgendwann, ohne es zu merken, infiziert hat.“ Draußen vor dem Schuleingangsportal wartet eine Seniorin auf ihre Begleitung, die wie sie getestet wurde. „Nein“, lacht sie auf die Frage, ob’s schlimm war mit dem Blutzapfen am Arm. „Das ging ganz schnell. Die meiste Arbeit macht das Ausfüllen der Unterlagen.“

Bürgermeister hatte Corona

Wenig später betreten Bürgermeister Toni Dutz und der BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl die Schulaula. Täglich wird sie am Nachmittag für die Corona-Studie umgebaut und gleicht jetzt ein wenig einem offenen Wahllokal. Kabinen dienen als kleine Zellen, wo die Unterlagen ausgefüllt werden können. Unterstützung gibt es von Studenten der Universität Erlangen. Dutz und Schedl kommen nicht, um sich Blut abzapfen zu lassen. Das können nur Bürger mit persönlicher Einladung. Nach Wiesau wurden etwa 1200 gebeten.

Professor Ralf Wagner, einer der Studienleiter, erklärt, wie es nun weitergeht:

Tirschenreuth

Toni Dutz braucht’s auch nicht mehr. „Ich bin bereits positiv getestet“, erzählt er offen. Der Wiesauer Rathauschef vermutet, dass er sich im Februar angesteckt habe. „Da hatte ich tagelang einen seltsamen Husten und leichtes Fieber.“ Er wollte es wissen und ist zum Arzt gegangen. Dutz ist aus einem anderen Grund hier. Er möchte den gut 20 BRK-Mitgliedern persönlich vor Ort Danke für die ehrenamtliche Unterstützung der Studie sagen. Das sei ihm ein großes Anliegen, betont Dutz. Weil er nicht nur verbal danken will, lädt er die Helfer zur Brotzeit beim Zoigl ein. „Wenn alles vorbei ist.“

Bis Freitag wird Blut abgenommen

Sehr zufrieden, auch mit den Probanden, ist die diensthabende Ärztin Stephanie Beileke. Die Medizinerin aus der Universität Erlangen verkündete die gute Nachricht, dass in Wiesau die erforderliche Probandenzahl von 1200 heute erreicht sei. Auch an den anderen beiden Standorten in Waldeck und Tirschenreuth sei diese Zahl erreicht. Dennoch bleibt die Studie wie angekündigt bis 17. Juli in Betrieb. Man wolle auch jenen, die bisher nicht kommen konnte, die Gelegenheit geben, sich auf Antikörper untersuchen zu lassen, sagt Beileke.

Zwar wird es in wenigen Tagen wieder ruhig in der Schulaula, jedoch ist längst nicht alles vorbei. Stephanie Beileke spricht die Folgetests an, voraussichtlich im November und im März 2021. "Dann werden alle wieder eingeladen." In Wiesau wird täglich von 15 und 20 Uhr Blut abgenommen. „Nachmittag war’s teilweise hektisch. Da standen die Leute draußen an“, erzählt eine BRK-Mitarbeiterin.

Schon nach vier Tagen war Professor Ralf Wagner optimistisch, dass genügend Testpersonen teilnehmen:

Tirschenreuth

Am Mittwoch sind gut 94 Testpersonen zu bedienen. Sie kommen aus Waldsassen, Mitterteich, Poppenreuth, Waldershof und Pechbrunn. „5,7 Milliliter Blut wird genommen“, erläutert Christine Feldsmann. Sie hat's gelesen. Die Probandin aus Pleußen lacht, auch weil sie das Blutzapfen ohne "umzufallen", wie sie scherzhaft befürchtete, überstanden hat. Knapp Hundert Aufnahmen und Blutentnahmen machen viel Arbeit. Diese teilen sich die ehrenamtlich anwesenden BRK-Leute mit den diensthabenden Studenten und der Ärztin aus Erlangen. „Wir haben einen Dienstplan gemacht“, verwiest Christian Stahl darauf, dass die Logistik in Wiesau bestens funktioniere.

Die Ehrenamtlichen opfern dafür ihre Freizeit, immerhin mussten drei Wochen lang täglich fünf Stunden investiert werden. Dieses Engagement ist mindestens die von Toni Dutz versprochene Zoiglbrotzeit wert. Und was wollen die Probanden alles wissen über die Studie? Ärztin Stephanie Beileke lacht. „Wann kriege ich mein Ergebnis?“, sei natürlich die meistgestellte Frage Ein wenig muss sie die Testpersonen noch vertrösten. „Wir sind auch schon mit Laborarbeiten beschäftigt und kommen gut voran“, verspricht sie, es werde nicht mehr lange dauern. Beileke rechnet mit ersten Ergebnissen in etwa drei Wochen.

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